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Ein Sommernachts-alb-traum

©LCR Honda MotoGP Team
©LCR Honda MotoGP Team

Die MotoGP in der Sommerpause 2014 – Ein Drama in drei Akten

 

In den Hauptrollen:

 

Der König – Livio Suppo

Der Untertan: Lucio Cecchinello

Der Knecht: Stefan Bradl

Der junge Prinz: Jack Miller

Die Angebetete: Honda RCV213V

Der Eindringling: Cal Crutchlow

 

 

Akt 1

 

Es war einmal ein König, der hatte ein lautes und schnelles Königreich. Die Rennstrecken überall auf der Welt waren sein Einflussbereich. Dabei dirigierte er viele Rösser. Eines trug den Namen RCV213V und wurde von seinem Untertan Lucio betreut. Der hatte einen eigenen Stall für sein Ross namens LCR. Vor gut zweieinhalb Jahren war der Knecht Stefan in seinen Stall gekommen. Beide verstanden sich von Anfang an ganz prima und so kam es, dass Stefan sein begehrtes Ross reiten durfte. Auch der König war zufrieden und schenkte seinem Untertan und dem Knecht sein Vertrauen. So ging es zwei Jahre gut und alle waren zufrieden.

 

Akt 2

 

Irgendwann nach gut zwei Jahren merkte der König jedoch, dass der Knecht in seinen Rennen nicht immer die Ergebnisse ablieferte, die er sich gewünscht hatte. Also macht er seinem Untertan unmissverständlich klar: Wenn der der Knecht weiter unbefriedigende Ergebnisse einführe, dann müsse er sich einen anderen Knecht suchen. Denn die Angebetete wäre schließlich auch bei anderen sehr begehrt. Und so begann der König in seinem Reich Ausschau zu halten. So kam es, dass ihm auf einmal ein neuer Jüngling auffiel. Ein junger Prinz namens Jack querte seinen Weg und der König war hellauf begeistert. „Das wäre doch einer für mich“, dachte sich der König. Jung, schnell und ausbaufähig. Also ersann er eine List. Er wollte den bisherigen Knecht Stefan durch den jungen Prinzen ersetzen. Doch es gab dabei ein Problem: Sein Untertan Lucio und der Knecht Stefan hatten sich auch außerhalb der Strecke regelrecht angefreundet und wollten auch weiter ihre Rennen gemeinsam bestreiten. Wie also dieses scheinbar ach so gut funktionierende Duo sprengen?

 

Akt 3

 

Doch der König hatte eine einfache Idee. Er verweigerte seinem Untertan einfach das Gold, was er bisher als Zuschuss für seine Knechte gegeben hatte. Damit sollte sein Plan doch aufgehen? Jetzt musste er nur noch den jungen Prinzen von seinem Vorhaben überzeugen. Doch der nahm sich Zeit um zu überlegen. Währenddessen versuchte der Untertan auf andere Weise Gold aufzutreiben um seinen bisherigen Knecht doch noch in seinem Stall halten zu können. Das gefiel dem König natürlich überhaupt nicht, ebenso wenig, dass der junge Prinz sich weiter zierte. Der sollte doch ab 2015 die neue spektakuläre Attraktion in seinem Königreich werden. Wie konnte man so ein Angebot nur ablehnen oder darüber so lange nachdenken? Da wurde auch der König langsam nervös. Mittlerweile hatte auch der Knecht keine rechte Lust mehr. Dass der König ihn nicht mehr wollte war ihm klar geworden, doch mit des Königs Untertan Lucio hatte er sich doch immer so gut verstanden. Trotzdem war ihm klar, dass er solche Spielchen nicht mit sich machen lassen wollte. Und so begann er ebenfalls nach einer weiteren Schönen Ausschau zu halten. Ein Ross namens Yamaha machte ihm schöne Augen und Knecht Stefan fing gedanklich an, sich mit ihm anzufreunden.

 

So kam es, dass des Königs Untertan plötzlich ohne Knecht dastand. Niemand wollte sein schönes und begehrtes Ross reiten? Der junge Prinz Jack zierte sich weiter und auch Knecht Stefan wollte nicht mehr. Doch wie es der Zufall so wollte, kam eines Tages der Eindringling Cal in seinem Stall vorbei. Er hatte bisher seine Rennen auf einem roten Ross absolviert, das aber auf ihn und seinen Fahr-, pardon, Reitstil nicht so recht passte. Cal hatte zwar versprochen, auch 2015 auf ihr zu reiten, doch er fühlte sich an sein Versprechen nicht mehr gebunden. „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“, dachte er sich. Cal hatte den großen Vorteil Engländer zu sein, denn so war auch plötzlich ein Geldgeber aus gleichem Lande bereit, dem Untertan Lucio Gold für seinen Stall zu geben. Lucio freute sich, dass er nunmehr nicht ausschließlich vom Gold des Königs abhängig war, doch war er auch sehr traurig, dass sein bisheriger Knecht Stefan nun nicht mehr bei ihm sein Ross reiten würde.

 

Und die Moral von der Geschicht: Im Königreich von König Livio gibt es nunmehr nur Verlierer. Den König selbst, der mit seiner forschen Art sowohl den jungen Prinzen Jack verschreckt und den bisherigen Knecht Stefan verjagt hatte. Den Untertan Lucio, der nicht mehr mit seinem Lieblingsknecht Stefan zusammenarbeiten konnte. Den Knecht Stefan, der aus seinem Lieblingsstall vertrieben wurde. Aber auch den Eindringling Cal, der durch seine Unzuverlässigkeit viel von seinem Ansehen verspielt hatte.

 

Das Sommertheater 2014 in der MotoGP. Ein Drama in drei Akten. Die Geschichte ist (scheinbar) an dieser Stelle geschrieben. Wir sind aber sicher: Eine Fortsetzung folgt.

 

Markus Kahl

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