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Das Dosen-Monopol

Hand aufs Herz. Wie gerne trinken Sie Energy Drinks? Es gehört nicht zu Ihren favorisierten Getränken? Dann dürfte es Ihnen gehen wie mir. Trotzdem steigt der Verkauf der süßen Brausen seit Jahren unaufhaltsam. Was das jetzt mit Sport und Motorradrennsport im Besonderen zu tun hat? Die Frage ist berechtigt. Die Antwort: Sehr viel.

 

Denn schon auf den ersten Blick zeigt sich die Verbundenheit der „Brausehersteller“ mit der Rennserie. Zwei MotoGP Teams tragen Logo und Schrift von Energy Drink Herstellern bereits im Teamnamen, hinzukommen weitere in der Moto3. Fünf der 18 Rennen haben Energy Drink Anbieter im Namen ihrer Veranstaltung stehen. Hinzu kommen noch diverse persönliche Werbeverträge mit Fahrern. Zusammengefasst: Ohne die Energy Drink Hersteller würde die MotoGP in jetziger Form finanziell wohl vor sehr schwierigen Zeiten stehen. Das soll heute aber nicht das Thema sein. Die finanziellen Probleme die durch einseitiges Sponsoring entstehen, hat beispielsweise auch die Formel 1 auch schon hinter sich, als nach und nach durch den Verbot von Tabakwerbung Millionen an Werbegeldern verloren gingen. Ähnliches könnte dem Motorsport – und insbesondere der MotoGP – nun auch drohen.

 

Nein vielmehr geht es hier um eine generelle Abhängigkeit der Rennserie auf zwei Rädern. Denn die Energy Drink Hersteller (mit Red Bull an der Spitze) nehmen die MotoGP nicht nur beim Sponsoring, sondern auch in vielen anderen Bereichen Stück für Stück für sich ein. Wird die MotoGP somit zur Red BullGP oder gar MonsterGP? Ganz so abwegig ist der Gedanke nicht, denn ein gutes Beispiel für die immer größere Einflussnahme zeigen die aktuellen Verhandlungen um die TV Übertragungsrechte der Rennserie in Deutschland. Bisher hielt Sport1 die TV Übertragungsrechte an der MotoGP. Schon jetzt ist absehbar, dass es 2015 aller Voraussicht zu einem Rechtewechsel kommen wird. Derzeit am heißesten gehandelt: Servus TV, ein Fernsehkanal aus Österreich der eine 100%ige Tochter von – genau – Red Bull ist. Auch wenn die Verhandlungen zwischen dem MotoGP Rechteinhaber Dorna und Servus TV noch nicht zu einem endgültigen Abschluss gekommen sind: Der Wille, die TV Rechte dorthin zu vergeben, sind ein offenes Geheimnis.

 

Fehlt zu guter Letzt nur noch, dass seitens Red Bull auch eine mediale Begleitung in Form einer Berichterstattung über den Motorsport stattfinden würde. Und voilà, auch dafür ist im Hause gesorgt. Gehört doch das Online Magazin Speedweek (was es bis vor gut zwei Jahren auch als wöchentliches Magazin zu kaufen gab) zu den größten Berichterstattern im deutschsprachigen Raum wenn es um das Thema Motorsport und die MotoGP geht. Dazu gesellt sich noch das monatlich erscheinende Magazin „The Red Bulletin“, das vielen Zeitungen zur kostenlosen Dreingabe beigelegt wird.

 

Was soll das also bedeuten? Die Energy Drink Hersteller – mit Red Bull an der Spitze – treten als Großsponsor in der MotoGP auf. Anschließend berichten sie in ihren Magazinen – Print wie Online – über die Rennserie und demnächst (sofern die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden) auch noch vollumfänglich über ihren hauseigenen Fernsehkanal. Die MotoGP in der Rundumbetreuung der Energy Drink Hersteller von A bis Z. Das ist alles, einzeln betrachtet, an sich überhaupt nicht verwerflich. Hersteller und Verantwortliche sind in ihrer Entscheidung völlig frei, von wem sie ihre Sponsorengelder beziehen oder wem sie beispielsweise die TV Übertragungsrechte anvertrauen wollen.

 

Trotzdem kann und muss man sich die Frage stellen ob diese einseitige Verbindung mit einer einzigen Wirtschaftsbranche so vorteilhaft ist. Wie viel Einfluss kann und wird ein Unternehmen mit diesen Möglichkeiten auf eine solche Rennserie zukünftig nehmen? Werden vielleicht bestimmte Teams auf der Strecke bleiben? Werden möglicherweise bestimmte Fahrer bevorzugt? Entscheidet vielleicht bald ein Getränkehersteller über eine Fahrerbesetzung mit und nicht mehr ein Motorradhersteller alleine? Das alles ist rein spekulativ und bisher (zumindest für mich nach außen hin nicht erkennbar) kein Thema. Und was wäre – und da wären wir jetzt wieder am Anfang des Artikels – wenn durch ein Werbeverbot von Energy Drinks, die Hersteller sich aus dem Sportsponsoring plötzlich zurückziehen würden? Kein Geld mehr? Keine Übertragung? Niemand, der mehr eine Berichterstattung finanzieren kann? Das ist alles Zukunftsmusik und – wie gesagt – derzeit völlig spekulativ. Doch will ich damit aufzeigen: Die MotoGP sollte sich dringend überlegen, ob sie sich finanziell und in weiteren Bereichen von einer einzigen Wirtschaftsbranche so abhängig macht und machen will. Dabei ist übrigens ganz egal ob es sich um Tabakfirmen, in diesem Fall Energy Drink Hersteller oder eine andere Branche handelt. Wäre es nicht sinnvoller die Rennserie für die Zukunft deutlich breiter und vielfältiger aufzustellen? Oder ist das nicht möglich, weil sich schlicht keine weiteren Interessenten für die Rennserie begeistern lassen? Das Dosen-Monopol in der MotoGP wird Stück für Stück zur Realität.

 Markus Kahl

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