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MotoGP - Runde 17 - Malaysia: Wie man in einer Sauna Moped fährt

MotoGP in Sepang - Marc Marquez jubelt der Zuschauermenge vom Podium aus zu.
MotoGP in Sepang - Marc Marquez jubelt der Zuschauermenge vom Podium aus zu (© Dorna).

Gehen Sie gerne in die Sauna? Egal ob Sie es mögen oder nicht, stellen Sie sich bitte folgendes vor. Sie sitzen Mittendrin – in dieser Sauna. Dort steht ein Fahrradergometer auf das Sie sich setzen dürfen und anfangen zu treten. Zusätzlich zu der Wärme im Raum kommt noch ein heißer Luftstrahl, der von beiden Seiten auf Beine und Füße gelenkt wird. Außerdem gibt es zusätzlich noch eine Befeuchtungsanlage, so dass zur Wärme, den Luftströmen und der Bewegung auch noch eine unendlich hohe Luftfeuchtigkeit im Raum entsteht. Jetzt schließen Sie bitte kurz die Augen und stellen sich vor, dass Sie in dieser Atmosphäre etwa 40 Minuten auf dem Fahrrad fahren dürfen. Und, rinnt Ihnen gedanklich schon der Schweiß herab? Haben Sie das Gefühl, Ihnen bleibt die Luft weg? Och jetzt kommen Sie, dass werden Sie wohl schon noch durchhalten. Nicht? Ist Ihnen zu anstrengend? Na gut. Sie müssen es nicht machen, dafür durften ein paar Motorradpiloten in Malaysia eine solche Hitzeschlacht hinter sich bringen. Und Sie wissen jetzt, wie die sich ungefähr gefühlt haben.

 

Sepang 2014. Eine brutale Hitzeschlacht. Jedem der MotoGP Piloten war nach dem Rennen die Anstrengung anzusehen. Literweise Wasser floss über die Köpfe und in die Münder. Eine außerordentliche Belastung für Mensch und Maschine. Nur einer schien von alledem völlig unbeeindruckt: Marc Marquez. Vollkommen entspannt, mit seinem glucksenden Lachen bestückt saß er kurz nach dem Rennen in der Pressekonferenz und erzählte von seinem 12. Sieg in der Saison 2014. Klar, eins, zwei Schweißtropfen perlten auch sein Gesicht herab. Aber wirkte er irgendwie fertig nach dem Rennen? Irgendwie gar nicht. Obwohl: So gar ganz unbeeindruckt schien auch der Spanier nicht zu sein: „Es war eines der körperlich anstrengendsten Rennen des Jahres und ich jetzt freue ich mich, den Rekord von 12 Saisonsiegen von Mick Doohan egalisiert zu haben. Für uns alle war es ein brutales Rennen wegen der Hitze heute“.

MotoGP 2014 in Sepang - Gerangel um die Plätze zwischen Valentino Rossi, Marc Marquez und Jorge Lorenzo.
MotoGP 2014 in Sepang - Gerangel um die Plätze zwischen Valentino Rossi, Marc Marquez und Jorge Lorenzo (©Movistar Yamaha MotoGP Team).

Dabei war dieses Rennen alles andere als ein Selbstläufer für den neuen und alten Weltmeister. Denn den Start hatte Marquez (zum wievielten Mal eigentlich?) völlig verbockt. Doch es dauert nur wenige Kurven, bis sich der Spanier hinter der Konkurrenz von Yamaha einreihte. Er und Valentino Rossi jagten Jorge Lorenzo, der im Getümmel am Start schnell die Spitze übernommen hatte. Alles sah danach aus, dass Lorenzo – wenn er denn die Pace halten kann – dieses Rennen gewinnen sollte. Doch der zu Beginn schnell wachsende Vorsprung schwand auch genauso schnell wieder. Stück für Stück robbte sich Teamkollege Rossi ran, bis er in der zehnten Runde an Lorenzo vorbei zog. Jubel brandete unter den rund 80.000 Besuchern an der Strecke auf – Der Dotore führte, wieder einmal. Rossi in der Form seines Lebens auf dem Weg zum nächsten Sieg. Oder konnte Lorenzo noch einmal zurückschlagen? Es sah nicht danach aus. Denn kurz nachdem Rossi an Lorenzo vorbei gezogen war, ließ auch Marc Marquez den Yamaha Piloten hinter sich. Und damit kam es jetzt zu einem wahrhaft epischen Duell. Lehrer gegen Schüler. Altmeister gegen Jungspund. Erfahrung gegen Unbekümmertheit. Rossi führte vor Marquez. Eine wahrhaft heiße Verfolgungsjagd begann. Das Ende kennen wir mit einem Sieger Marc Marquez. Aber dieser Sieg war wirklich hart erkämpft. Denn als Marquez Rossi bereits eine Runde später im elften Umlauf Runde überholte, konnte er sich entgegen der Erwartungen nicht von ihm absetzen. Vielmehr war es der Italiener, der den Honda Piloten jetzt Runde für Runde jagte. Ganz klar: Eines der engsten Battles in dieser Saison.

Sepang - Pol Espargaro kämpft
Sepang - Pol Espargaro kämpft (© Tech3)

Dabei hatte man vor dem Start noch gedacht, Marquez‘ Teamkollege Dani Pedrosa könnte in den Kampf um den Sieg eingreifen. Doch der Mann mit der Startnummer 26 hatte an diesem Rennsonntag einfach viel Pech. „Aus irgendwelchen Gründen habe ich die Front der Maschine verloren und bin gestürzt. Ich kann nicht sagen was passiert ist, da ich nicht einmal am Limit gefahren bin. So war es auch beim zweiten Sturz. Wirklich schade, denn wir hatten bis dahin ein gutes Wochenende“, so Pedrosa mit seiner Sicht der Dinge.

 

Während die Werkspiloten von Honda und Yamaha also um die Podestplätze kämpften, ging es für den Rest „nur“ noch um die Plätze – und das war trotzdem durchaus unterhaltsam. Ducatti Pilot Andrea Doviszioso – zu Beginn noch ganz vorne mit dabei – musste im Laufe des Rennens Platz für Platz abgeben. Defekt an der Benzinpumpe und somit nur Rang 9. Ein intensiver Blick ging schon vor dem Start zu Pol Espargaro. Er hatte sich am Vortag im Training nach einem heftigen Abflug einige Blessuren abgeholt. Mit einem Bruch im Mittelfuß ging er ins Rennen, was er mit einem sechsten Platz über die Ziellinie brachte. Eine sehr bravouröse Leistung des Moto2 Weltmeisters von 2013, die bei dem körperlichen Handicap und den äußeren Bedingungen gar nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Sepang - Stefan Bradl vor dem Start.
Sepang - Stefan Bradl vor dem Start (© LCR Honda).

Und was war eigentlich mit dem einzigen deutschen Piloten Stefan Bradl? Startplatz vier ließ gutes hoffen, doch der Bayer hatte zuletzt in vielen Rennen enttäuscht. Doch diesmal war alles anders. Fast schien es so, als ob im Glutofen von Sepang der „alte“ Stefan Bradl auferstanden wäre. Einer, der das Potential der Maschine bis zum Schluss halten kann und als bester Factory Fahrer hinter den Werksmaschinen über die Ziellinie rollt. Entsprechend glücklich war er nach dem Rennen: „Ich bin einfach nur glücklich nach diesem harten Rennen als vierter über die Ziellinie gekommen zu sein. Es war unfassbar heiß auf der Strecke. Nachdem ich gesehen hatte, dass Dovizioso Probleme bekam konnte ich an ihm vorbei ziehen und eine kleine Lücke zum Rest herausfahren. Wir haben an diesem Wochenende einen super Job gemacht“. Spannend machte es Bradl noch einmal auf den letzten Metern, als der ihm folgende Tech 3 Pilot Bradley Smith sich immer näher ran robbte. Doch Bradl bis auf die Zähne und holte mit tollem Kämpferherz diesen für ihn so wichtigen vierten Rang. Endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis.

Sepang - Jorge Lorenzo in Führung.
Sepang - Jorge Lorenzo in Führung (© Movistar Yamaha MotoGP Team).

Ach und dann wäre noch die Frage zu klären: Was war eigentlich mit Jorge Lorenzo los? Der Yamaha Werksfahrer war auf einem guten Weg zum Sieg doch dann verließen ihn… Ja was eigentlich? Es waren die körperlichen Strapazen, die Lorenzo im Laufe des Rennens immer mehr zu schaffen machten. „Ich konnte während der letzten drei Wochen einfach nicht genug trainieren. Ich hatte nicht die Fitness wie beispielsweise in Silverstone oder Misano. Dann kamen noch die Probleme mit der Maschine im Laufe des Rennens dazu – es war so einfach schwer mitzuhalten“, so Lorenzo. Bei diesen klimatischen Bedingungen kein Wunder, möchte man sagen. Doch bei Lorenzo sieht die Sache ein wenig anders aus. Denn die Saison 2014 war in der ersten Hälfte eine Saison zum vergessen. Keine Siege, keine Podestplätze, keine Erfolge. Der Yamaha Pilot begründete die ausbleibenden Ergebnisse später im Jahr auch mit seiner fehlenden Fitness. Durch die Operationen im letzten Winter sei der körperliche Rückstand zum Saisonbeginn zu groß gewesen um vorne mithalten zu können. Dass er allerdings jetzt – wo er angeblich wieder auf der Höhe seiner Kraft angekommen sei (sagt er noch vor kurzem) – dann wieder so ein körperlich Einbruch erlebt, kann einem als Beobachter schon zu denken geben.

 

Spannende und abwechslungsreiche Überseerennen sind nun vorbei, die MotoGP biegt ein auf die Zielgerade des Saisonfinals in Valencia.

(Markus Kahl)

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