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MotoGP - Runde 18 - Valencia: Sag zum Abschied leise Servus

MotoGP - Das Podium 2014 in Valencia mit Valentino Rossi, Marc Marquez und Dani Pedrosa.
MotoGP - Das Podium 2014 in Valencia mit Valentino Rossi, Marc Marquez und Dani Pedrosa (© Dorna).

Scheiden tut weh. Ach, es gäbe so viele schöne Worte, die man zum Thema Abschied finden könnte. Aber wir wollen jetzt nicht sentimental werden. Höchstens ein bisschen. So ein klitzekleines bisschen.

 

Ja, es war das große Wochenende der Abschiede beim letzten Rennen der MotoGP Saison 2014 in Valencia. Abschiedstränen, Freudentränen, Tränen voll Wut – da war für jeden Geschmack noch mal was dabei. Neben dem großen „Bäumchen Wechsel dich“, also dem großen Stühle rücken durch den Teamwechsel vieler Piloten, gab es ja auch noch einen Titel zu vergeben – doch dazu später mehr.

 

Vor allen Feierlichkeiten mussten schließlich noch ein paar Rennen gefahren werden und da war der letzte Auftritt der MotoGP schon fast ein bisschen zu viel Routine. Titel schon entschieden und auch die Duelle auf der Strecke hielten sich – bis auf die beiden kabbelnden Ducati Piloten Crutchlow und Dovizioso – doch ziemlich in Grenzen. Aber das war ja weiter auch nicht schlimm, denn schließlich hatten die Fans und Zuschauer in dieser Saison schon mehr als genug spektakuläre Umrundungen erlebt. So waren es eher die Dinge am „Rande“ die einem in Erinnerung bleiben.

MotoGP - Jorge Lorenzo vor dem Start 2014 in Valencia.
MotoGP - Jorge Lorenzo vor dem Start 2014 in Valencia (© Movistar Yamaha MotoGP Team).

Marc Marquez zum Beispiel, der beim letzten Auftritt 2014 noch ein paar Rekorde einsammelte. Die meisten Pole Positions in einer Saison, die meisten Rennsiege ebenfalls, gegen den jungen Mann vom Repsol Honda Werksteam war in diesem Jahr (und auch an diesem Wochenende) einfach (fast) kein Kraut gewachsen. Somit war die Konzentration ganz auf das Duell der beiden Movistar Yamaha Piloten Piloten Valentino Rossi und Jorge Lorenzo gerichtet. Wer schnappt sich noch die blecherne Krone des Vizeweltmeisters? Die Spannung hielt nur kurz, denn Lorenzo verzockte sich bei leicht einsetzendem Regen total, fuhr als einziger der Toppiloten in die Box um auf Regenreifen umzusteigen. Doch der gebürtige Mallorquiner merkte schnell: Das war nix. „Ich bin in die Box gefahren um bei dem einsetzenden Regen das Bike zu wechseln. Aber ich habe mit den Regenreifen jede Runde fünf bis sechs Sekunden verloren und so habe ich beschlossen, dass Rennen zu beenden. Dieser Wechsel war ein Fehler. Im nächsten Jahr müssen wir aus allen Fehlern der Saison lernen um dann 2015 stärker und cleverer zu werden“, so Lorenzo nach dem Rennen. Ein merkwürdiges Ende also für Lorenzo, den wohl bei der feuchten Piste wieder die Angst gepackt hatte und der dann voller Frust (scheinbar) keine große Lust verspürte, das Rennen anständig zu Ende zu fahren. Der Titel des Vizeweltmeisters ging somit an Teamkollege Valentino Rossi, der sich mit einer ausgiebigen Champagnerdusche auf dem Podium herzlich bedankte.

MotoGP - Großer Abschiedsbahnof für Stefan Bradl von seinem Team in Valencia 2014.
MotoGP - Großer Abschiedsbahnof für Stefan Bradl von seinem Team in Valencia 2014 (© LCR Honda).

Wenn wir dann schon bei Champagner sind: Den gab es (vielleicht) noch als kleinen Abschiedstrunk. Genau wissen tun wir es aber nicht. Was wir aber wissen: Eine Torte, die hatte das Team noch gebacken. Für Stefan Bradl, der in Valencia nach drei Jahren sein letztes Rennen für das LCR Honda MotoGP Team absolvierte. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle war das für Bradl, was er vor und nach dem Rennen in diversen Interviews auch unumwunden zugab. „Ich habe diese drei Jahre bei LCR sehr genossen. Besonders bedanke ich mich bei Lucio (Cecchinello), der immer an mich geglaubt hat. Aber danken möchte ich auch dem Team drum herum, das mir immer maximale Unterstützung gegeben hat“, so Bradl nach dem Rennen. Ach ja, als achter rollte der Deutsche MotoGP Fahrer übrigens über die Linie. Ein kleiner Erfolg, denn allzu oft hatte Bradl die Zielflagge in Valencia noch nicht gesehen. Trotzdem ein Ergebnis, dass eine sehr durchwachsenen Saison ziemlich gut wiederspiegelte: Kein Ergebnis zur großen Freude, aber auch kein richtig schlechtes. Irgendwo mittendrin im Niemandsland.

Moto2 - Marcel Schrötter in Valencia 2014.
Moto2 - Marcel Schrötter in Valencia 2014 (© Tech3).

Kurios ging es dann noch einmal in der Moto2 zu. Wann hat es das schon mal gegeben, dass ein Führender urplötzlich vor der Ziellinie langsamer wird und wirklich wenige Meter vor dem Sieg noch vom Hintermann kassiert wird? Nicht allzu oft. Ein kurioses Bild war es, dass Tito Rabat da abgab. Zuerst hatte man den Eindruck, er hätte das Gas unabsichtlich weggenommen. Doch wie sich hinterher herausstellte war schlicht und ergreifend kein Sprit mehr in seinem Bike. So einfach kann es manchmal sein. Trotzdem ein kurioses Ende einer fantastischen Saison für Rabat.

 

Während Verfolger Tom Lüthi also seinen unverhofften Sieg feiern konnte, war den deutschen Fahrern nicht so wirklich nach Partyspaß zumute. Für Sandro Cortese endete die Rundreise in Valencia schon nach wenigen Metern. Fast möchte man sagen: Bezeichnend für eine Saison voller (weniger) Höhen und (zu vielen) Tiefs. Kurz nach dem Start im Startpulk gestürzt, kurz auch sein Statement nach dem Rennen: „Es tut mir sehr leid für mein Team. Ein großes Dankeschön an die Jungs, die immer ihr Maximum geben. Jetzt müssen wir diese schwierige Saison abhaken und uns auf 2015 konzentrieren“.

 

Während Cortese also ausschied, kamen die anderen beiden Deutschen Jonas Folger und Marcel Schrötter ins Ziel. Folger wurde nach einer unglaublichen Aufholjagd 13er und sammelte noch ein paar Punkte für die WM-Wertung. Folger hatte zu Beginn Pech, als er in die Kollision von Cortese verwickelt wurde und nach einem weiten Bogen wieder hinten im Feld auf die Strecke kam. So half auch die anschließende Rennpace nicht mehr viel: Ein gewünschtes Ergebnis unter den ersten fünf war so nicht mehr möglich.

 

Marcel Schrötter konnte sich nach seinem achten Platz dagegen schon richtig freuen. „Das Wochenende insgesamt betrachtet, muss ich mit Rang acht sehr zufrieden sein. Ehrlich gesagt bin ich das auch, nachdem ich mein Saisonziel mit einer Platzierung unter den ersten Zehn der Meisterschaft erreicht habe. Der Verlauf des Jahres war oftmals eher durchwachsen als konstant. Unsere Stärke war allerdings, an schwierigen Wochenenden wertvolle Punkte einzufahren. So wie auch hier in Valencia. Das zu schaffen, noch dazu im ersten Jahr unserer Zusammenarbeit mit wenig Erfahrung und noch weniger Daten, darüber bin ich wirklich happy“, so Schrötter über sein Saisonfazit.

Moto3 - Alex Marquez feiert seinen WM-Titel in Valencia 2014.
Moto3 - Alex Marquez feiert seinen WM-Titel in Valencia 2014 (© Dorna)

Und dann war da ja noch was. Eine kleine Entscheidung. Eine Weltmeisterschaft, die noch zu vergeben war. In der Moto3. Das Duell Jack Miller gegen Alex Marquez. Australien gegen Spanien, KTM gegen Honda. Um es kurz zu machen: Dieses Rennen war nichts für schwache Nerven. Wie so oft in diesem Jahr ging es vom Start bis zum Ziel eng, enger und noch enger zu. Rad an Rad, Kampf in jeder Kurve. Echtes Motorradracing, das für den Zuschauer richtig Laune machte. Die Konstellation war klar: Jack Miller musste dieses Rennen unbedingt gewinnen, wenn er einen elf Punkte Rückstand auf WM-Leader Marquez noch aufholen wollte. Um es vorweg zu nehmen: Miller siegte, fightete und biss sich durch dieses Rennen. Ein toller Kampf des jungen Australiers, der Zwischendurch im Rennen durch permanente Positionskämpfe immer wieder mit einer Hand an der WM-Krone dran war. Doch zum Schluss tat Alex Marquez das, was er tun musste. Bei einem Sieg von Miller musste er mindestens Dritter werden, und genau auf dieser Position fuhr er an der Zielflagge vorbei. Grenzenloser Jubel natürlich auf der Marquez Seite. Zwei Brüder (Marc Marquez als Weltmeister in der MotoGP) im gleichen Jahr Weltmeister. Und wieder war ein Eintrag mehr in die Geschichtsbücher durch die Marquez Familie eingefahren worden.

 

Bei Jack Miller regierte dagegen nach dem Rennen nur noch eines: Der totale Frust. Selten zuvor hatte man den Sieger eines Rennens mit so einer versteinerten Mine auf dem Podium erlebt. Aber: Wer will es ihm bei diesem knappen Ausgang verdenken? Das man in einer solchen Situation nicht gerade vor Freude hopsend den Siegerpokal entgegen nimmt, ist wohl für jeden nachvollziehbar. Trotzdem hinterließ der Auftritt von Miller, der ja im kommenden Jahr in die MotoGP aufsteigt, einen etwas faden Nachgeschmack. Denn Miller konnte sich weder auf dem Podium, noch vor dem Gang auf's Podest dazu durchringen, sportlich fair dem neuen Weltmeister Alex Marquez zu gratulieren. Dazu noch verbales Nachtreten in den ersten Interviews nach Rennende. So wirkte sein ganzer Auftritt nach dem Rennen und auf dem Siegerpodest eher wie der eines kleinen motzigen Jungen, dem man seine Eisenbahn geklaut hat. Bei allem verständlichen Ärger: Wirklich Sympathiepunkte konnte der Australier damit nicht gewinnen, auch wenn sich sein erster Ärger in der anschließenden Pressekonferenz (allerdings ziemlich unbemerkt von der Öffentlichkeit) wieder etwas gelegt hatte. Haken wir es einfach mal unter jugendlicher Unerfahrenheit ab.

 

Trotzdem: Eine superspannende Saison in der Moto3, die eigentlich zwei Sieger verdient hätte. Zwei sehr konstante und tolle Fahrer, mit einem (an diesem Tag) glücklicheren Sieger Alex Marquez. Rennfahraction at it’s best.

 

Das Kapitel MotoGP ist damit für 2014 geschlossen. Alle Augen sind jetzt auf 2015 gerichtet. Langweilig wird es dort mit Sicherheit nicht werden. Und trotzdem: Wie sollen wir es nur so lange ohne ein Rennen aushalten?

(Markus Kahl)

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