Buhlen um Aufmerksamkeit

Im Mittelpunkt des Interesses: Fechterin Britta Heidemann beim Ball des Sports. Doch was ist an den anderen 364 Tagen?
Im Mittelpunkt des Interesses: Fechterin Britta Heidemann beim Ball des Sports. Doch was ist an den anderen 364 Tagen?

Das Interesse von Medien konzentriert sich – aus wirtschaftlicher Sicht verständlich – auf das, was sich verkauft. Demnach regiert in Zeitungen und Co. der Fußball. Aber was machen sogenannte „Randsportarten“, die oftmals unter dem Aufmerksamkeitsradar hindurch schlüpfen. Nicht nur die MotoGP hat da in Deutschland zu kämpfen. Einer, der es wissen muss, ist Jörg Hahn. Als Direktor Kommunikation der Stiftung Deutsche Sporthilfe kümmert er sich um die mediale Inszenierung von Sportarten, die deutlich mehr zu kämpfen haben, ihren Platz in der Berichterstattung zu finden.

 

MotoSports24: Fußball, Fußball über alles. Von Montag bis Freitag kommt jeder Fußballfan medial voll auf seine Kosten. Und wenn dann doch mal nichts kommt, läuft irgendwo sicher irgendeine U17 EM die übertragen werden kann. Zugegeben: Ein bisschen überspitz ist das, aber so weit weg von der Realität dann auch nicht. Hat irgendeine Sportart überhaupt eine Chance gegen den Fußball medial anzukommen?

 

Jörg Hahn: Ja klar. Die Wintersportarten zeigen, wie es geht. Die internationale Abstimmung unter den Verbänden ermöglicht die so beliebten „langen Wochenenden“ in ARD und ZDF und auch Eurosport. Jede Sportart alleine hätte kaum diese Chance, in den Sendern wie beim Zuschauer.

 

Hat sich in den letzten Jahren der Fokus der Berichterstattung aus der Sicht der von Ihnen betreuten Sportarten verändert?

 

Um die erste Antwort mit den Sommersportarten fortzusetzen: Fehlende Abstimmung führt – leider – zur Marginalisierung und am Ende Bedeutungslosigkeit, mit Ausnahme der Olympischen Spiele alle vier Jahre.

 

Welche Schwierigkeiten haben Sie bei der Sporthilfe mit Ihren geförderten Sportarten eine mediale Plattform zu finden?

 

In unseren Medien können wir alles machen und tun dies auch. Aber neben den Mechanismen der TV-Berichterstattung müssen wir auch feststellen, dass die Krise der Printmedien die Möglichkeiten einschränkt. Dort fehlen zunehmend Personal und Platz, damit auch die Chancen für Sportarten neben dem Fußball.

 

Merken Sie auch eine Veränderung bei den medialen Plattformen weg von den klassischen wie z.B. Zeitung hin zu neuen wie soziale Netzwerke oder Videoplattformen?

 

Digitale Kommunikation ist mehr und mehr wichtig, aber der Effekt des „nationalen Lagerfeuers“ wie ihn die TV-Berichterstattung im Fußball hervorbringen kann, lässt sich so nie und nimmer erzeugen. Dazu ist das Netz zu fragmentiert. Jeder ist dort unterwegs, fast jeder, aber der gemeinsame Pfad ist schmal.

Die Kampagne "Dein Name für Deutschland" soll Menschen für die geförderten Sportarten der Sporthilfe begeistern.
Die Kampagne "Dein Name für Deutschland" soll Menschen für die geförderten Sportarten der Sporthilfe begeistern.

Was tun Sie bzw. was können Sie tun um entsprechende Plattformen für Ihre Sportarten zu finden und welche Instrumente nutzen Sie?

 

Wir geben den Sportlern vielfältige Tipps, etwa durch eine Broschüre zur Selbstvermarktung „Tales for Sales“, in der wir die Rolle der Sozialen Medien beschreiben. Die Deutsche Sporthilfe bespielt viele Kanäle, dem Thema Bewegt Bild kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Doch das ist ein mühsamer Weg. Etwas anders zu behaupten, wäre Selbstbetrug.

 

Welche Erfahrung haben Sie gemacht: Was muss ein Sport oder Sportler anbieten, damit er sowohl von Fans wie auch von Medien angenommen wird? Nur Erfolge oder gehört auch was anderes mit dazu?

 

Präsenz, Bekanntheit, eine eigene Story, Erfolg – das gehört dazu. Jochen Behle, der Skilangläufer wurde einst dank des ZDF-Reporters Bruno Moravetz („Wo ist Behle?“) eine Berühmtheit –ohne entsprechende Erfolge zunächst. Die Protagonisten des Wintersports, jetzt komme ich wieder darauf zurück, begleiten uns doch wie die Stars der „Lindenstraße“ oder anderer Serien. Das ist das Erfolgsgeheim in den Medien, wie ich es sehe.

 

Wie sehr benötigen Sportler – gerade von eher kleineren Sportarten – die mediale Öffentlichkeit?

 

Wenn sie an Vermarktbarkeit interessiert sind, geht es nicht ohne.

 

Ist es manchen Sportlern auch lieber nicht so in der Öffentlichkeit zu stehen. Sprich: Sind sie eher froh, wenn nicht jeden Tag ein Journalist bei ihnen vor der Tür steht?

 

Mag sein, aber das ist sicher eine Minderheit. Oder anders: Wer die Folgen von Popularität erlebt, finanziell und emotional, wird es nicht schlimm finden, wenn man sich für ihn interessiert.

 

Wie notwendig ist mediale Wahrnehmung auch unter dem Aspekt Sponsorensuche?

 

Das habe ich wohl schon skizziert. Aber es muss nicht immer gleich nationale oder weltweite Aufmerksamkeit sein. Jeder erfolgreiche Sportler hat zumindest das Potential, in seiner engeren Umgebung – rund um den Kirchturm seiner Heimat, kann man auch sagen – Förderer zu finden. Aber man muss aktiv sein, es ist eine Hol-, keine Bringschuld. Wer nach einem Erfolg glaubt, jetzt läuft alles von alleine, der irrt. Und scheitert. Also müssen wir alle weiterarbeiten für die olympischen und paralympischen Sportarten. Und die Athleten müssen mitmachen!

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hahn.

(Das Gespräch führte Markus Kahl)

 

Jörg Hahn ist Direktor Kommunikation der Stiftung Deutschen Sporthilfe. Die Sporthilfe fördert materiell, ideell und sozial Sportlerinnen und Sportler, die sich auf sportliche Spitzenleistungen vorbereiten, solche erbringen oder erbracht haben und die durch ihr Auftreten und ihre Leistungsbereitschaft national und international als Leitbilder für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Gesellschaft stehen sowie als Motivatoren für die Breitensport-Bewegung. Dabei werden kontinuierlich rund 3.800 Athletinnen und Athleten von der Sporthilfe unterstützt.

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