Nimm Zwei

Markus Kahl (Motosports24, Mitte) trifft Jonas Folger (links) und Marcel Schrötter zum Interview in Barcelona.
Markus Kahl (Motosports24, Mitte) trifft Jonas Folger (links) und Marcel Schrötter zum Interview in Barcelona.

Sie wohnen und trainieren zusammen. Beide fahren auch noch in der gleichen Klasse: In der Moto2. Die Rede ist von Marcel Schrötter und Jonas Folger. Im Gespräch mit MotoSports24 sprechen die beiden deutschen Motorrad-Piloten über Trainingsbedingungen, Aufstiegschancen, Ziele und ein ganz besonderes Abendessen.

Das komplette Interview ist auch in Magazinform erschienen. Zusätzlich zum Interview gibt es jede Menge spektakuläre Bilder aus der Rennsportkarriere von Jonas Folger und Marcel Schrötter zu sehen. Die Ausgabe des gp-mag findet ihr hier.

 

Motosports24: Ihr seid jetzt gerade mittendrin in den Vorbereitungen für die neue Saison. Dabei fahrt ihr auch viel auf Cross Maschinen. Hand aufs Herz: Wer von euch Beiden ist besser?

 

(Beide grinsen) Marcel Schrötter (MS): Gute Frage. Wir haben das auch schon oft diskutiert. Es ist eigentlich jedes Mal unterschiedlich, wenn wir auf der Strecke sind. Auf dem Rückweg von der Strecke sagt dann oft einer zum anderen, heute hast du aber wieder ordentlich das Gas reingehauen.

 

Jonas Folger (JF): Es kommt einfach auf die Tagesform an oder wie jemandem die Strecke auch liegt. Wir sind schon auf einem ziemlich gleichen Niveau unterwegs.

 

Ihr habt vor einiger Zeit eine Trainings WG gegründet. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

 

MS: Bei mir fing das eigentlich an, als ich im Winter 2012 auf 2013 vier Wochen mit Scott Redding unterwegs in Spanien war. Das war das erste Mal für so eine lange Zeit in Spanien. Da habe ich gleich gemerkt, dass das ein großer Unterschied ist. Aber in dem Moment habe ich noch nicht daran gedacht, das für länger zu machen. Als dann aber für die Saison 2013 alles geklärt war, kam bei Jonas und mir eigentlich gleichzeitig die Idee auf. Ich hatte Lust drauf und Jonas war ja schon öfter bei seinem Manager in Spanien zum Supermoto gefahren. Und da hab ich dann auch immer schon gesagt, da wäre ich jetzt auch gerne mit dabei.

 

JF: Ich konnte mir das am Anfang ehrlich gesagt nicht so vorstellen. Mein Manager hat immer schon zu mir gesagt, dass ich nach Spanien kommen soll, weil dort die Bedingungen besser seien. Aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, mich dort alleine wohl zu fühlen. Man ist sowieso immer so viel unterwegs und dann ist man gar nicht mehr zu Hause. Da wir uns aber schon lange kennen, haben wir darüber gesprochen und uns dann dafür entschieden, es gemeinsam zu machen. Es ist zu zweit doch einfacher als alleine. Das hat sich mittlerweile so gut eingespielt mit uns, ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen.

 

Wie habt Ihr Euch eigentlich kennengelernt?

 

MS: Wir kennen uns schon aus der Minibike Zeit. Damals gab es das ADAC Südbayern Team und da waren wir beide drin.

 

JF: Also seit 2003 kennen wir uns. Marcel ist damals eine Klasse höher gefahren. Richtig angefreundet haben wir uns dann 2006, als wir in die spanische Nachwuchs Akademie gekommen sind. Im ersten Jahr war ich noch alleine, bevor Marcel dann dazu gekommen ist.

 

Wenn man sich so lange kennt, wohnt und trainiert, würde mich natürlich interessieren: Wer braucht länger im Bad?

 

(Beide lachen) MS: Also im Bad, das ist ja eine ganz einfache Frage. (Beide lachen herzlich weiter)

 

JF: Also ich brauche da schon mehr meine Zeit. Überhaupt für Dinge wie Kram zusammenpacken. Da muss man insgesamt schon zugeben, dass der Marcel zackiger ist.

Marcel Schrötter beim Training mit seiner Cross Maschine in der Nähe von Barcelona.
Marcel Schrötter beim Training mit seiner Cross Maschine in der Nähe von Barcelona.

Ihr lebt und trainiert nun seit einiger Zeit zusammen in Spanien. Ihr habt schon in diversen Interviews gesagt, dass die Trainingsbedingungen dort einfach besser sind. Was könnt Ihr dort besser machen als daheim?

 

MS: Also, wenn man sich alleine anschaut was ist, wenn wir Motocross fahren. Wenn es in Deutschland nicht irgendwo eine Halle in der Nähe gibt, ist es eigentlich unmöglich. Und klar macht es im Winter bei zwei Grad und Schnee auch nicht gerade Spaß draußen zu fahren. Es ist ja nicht nur, weil es viel mehr Möglichkeiten gibt, viel mehr Strecken, in allen Bereichen. Genauso beim Fahrradfahren. Du hast hier einfach das Wetter dafür im Winter und die Gegebenheiten.

 

JF: Ich glaube, jeder der selbst trainiert, versteht, dass es draußen einfach viel mehr Spaß macht und schöner ist. Es ist einfach unser Job, dass wir uns vorbereiten müssen. Und deshalb haben wir uns diesen Ort ausgesucht, weil es der beste Ort zum Trainieren ist.

 

Im Fußball sieht man beispielsweise immer wieder völlig durchstrukturierte Pläne für das Training. Von Fitness über Athletik, Taktiktraining oder auch Ernährung. Alles scheint durchgeplant und strukturiert. Wie sieht der Alltag da bei Euch aus?

 

JF: Wir haben einen wöchentlichen Plan durch unseren Coach, was wir am Vor- und Nachmittag machen sollen. Am Vormittag steht Ausdauertraining, wie Radfahren im Mittelpunkt. Nachmittags dann, so oft wie es derzeit möglich ist, entweder Motocross oder Supermoto – obwohl es dafür momentan doch noch ziemlich frisch ist. Also morgens eben Fitness und Ausdauer und mittags dann auf der Maschine sitzen. So sieht es momentan aus.

 

Gibt es da auch Sachen die man im Training lieber oder nicht so gerne macht?

 

(Beide wie aus einem Mund: Motocross!) MS: Klar, Motocross fahren steht da schon an erster Stelle. Einfach auch wegen des Spaßfaktors. Wir haben vor gut drei Jahren erst wieder richtig damit angefangen. Man ist zwar sein Leben lang immer ein bisschen gefahren - man ist ja schließlich damit aufgewachsen. Aber wir waren beide dann relativ schnell im Straßenrennsport. Trotzdem haben wir uns dann wieder ran getastet und fahren heute Strecken, die wir uns vor ein paar Jahren noch nicht getraut hätten.

 

JF: Man sieht einfach auch, wie wir uns in den letzten Jahren richtig verbessert haben. Jeder der ein Hobby oder eine Leidenschaft für etwas hat, der kann nachvollziehen, was das für ein Erfolgserlebnis ist, wenn man aus Spaß heraus etwas macht und sich stetig dabei verbessert.

 

Wie sieht Euer Ablauf dann während der Saison aus? Bleibt da noch viel Zeit für das Training?

 

MS: Da ist viel weniger Zeit und auch weniger geplant. Wenn man es jetzt in der Vorbereitung sieht, hat man ja „nur“ einige Tests, kommt dann von dort wieder nach Hause und kann seinen Plan abarbeiten. In der Saison sieht es dann einfach anders aus. Da sind dann die Termine von uns beiden auch teilweise unterschiedlich oder es kommt noch mal ein Test dazu. Oder die Reisepläne sind andere. Da wird dann eher spontaner trainiert.

Auch Jonas Folger hat viel Spaß beim Motocross Training.
Auch Jonas Folger hat viel Spaß beim Motocross Training.

Marcel, Du hast 2014 Deine mit Abstand erfolgreichste Saison hinter Dich gebracht. Nach immer wieder schwierigen Zeiten in den letzten Jahren. Kann man das so sagen, dass Du jetzt erstmals richtig in der WM angekommen bist?

 

MS: Ein klares njein. Ich selbst wusste eigentlich schon immer dass ich mehr kann als ich die Jahre zuvor gezeigt habe. Wenn ich an den Anfang zurück denke, war das natürlich als Neuling in der WM schon eine andere Hausnummer als zuvor. Wenn ich alleine an die Reisen, das Training, den Druck oder die Tatsache denke zu wissen, das läuft jetzt im Fernsehen. Wenn man als junger Mensch dorthin kommt passieren plötzlich Ergebnisse wo man sich hinterher fragt, warum. Ich bin doch eigentlich ganz normal gefahren. Das war auf jeden Fall ein wichtiger Punkt, gerade in meinem ersten Jahr. Im zweiten Jahr habe ich dann schon einen Unterschied gemerkt, mich viel erfahrenen gefühlt. Dann kam dazu, dass ich bis letztes Jahr meist mit unterlegenem Material unterwegs war. Mein erstes Jahr auf Honda war sicher ein Top Team und eine Top Maschine. Mit dem Motorrad hätte ich einhundertprozentig besser fahren können als ich es gezeigt habe. Aber da spielten die eben erwähnten Faktoren eine große Rolle. Vielleicht hat da ein deutscher Fahrer auch gegenüber seinem spanischen Kollegen einen kleinen Nachteil, weil die mit anderer Einstellung und Vorbereitung reinkommen.

 

Dann die WM 2011 und 2012 mit Mahindra. 2011 war noch einigermaßen, 2012 dann ein absoluter Tiefpunkt. Es waren einfach Jahre, wo ich gar keine Chance hatte um zu zeigen, dass ich mehr kann als nur um die Plätze 15 bis 20 mitzufahren.

 

Dann kommt dazu, dass es direkt in die Moto2 ohne den großen Erfolg in der Moto3 ging. 2012 dann das Break mit dem Team, weil es keinen Sinn mehr gemacht hätte weiterzufahren. 2013 war dann schon besser. Teils mit recht guten Ergebnissen. 2014 war dann die erste Saison wo einfach alles gepasst hat. Ich habe seit 2013 einen Manager, der im Hintergrund alles regelt. Wo einfach alles besser läuft, die Sponsoren zufrieden sind, ich lockerer bin, ich mich besser vorbereiten und viele Tests vorher fahren konnte. Es ist einfach sehr, sehr wichtig, dass man im Kopf frei ist. Und dann natürlich die Zusammenarbeit mit dem Team, die gut gelaufen ist. Das war der Hauptgrund, warum es 2014 nach vorne gegangen ist. Ich denke, da ist immer noch viel Platz für Verbesserungen. Aber das war jetzt zum ersten Mal eine Saison wo man sagen kann, das war ordentlich, selbst auf einem Motorrad, das viele als schwierig bezeichnen. Aber wir arbeiten hart daran und ich denke, mit dem, was wir hatten, haben wir es gut gemacht. Und ich bin überzeugt, dass wir es in diesem Jahr noch besser machen.

 

Dein erstes Moto2 Jahr, Jonas, war ja von vielen Highlights, aber auch unglücklichen Momenten geprägt. Was nimmst Du aus 2014 für die neue Saison mit?

 

JF: Das Wichtigste war, dass ich nicht viel erwartet habe von der ersten Moto2- Saison. Und genau mit dieser Unbekümmertheit hat es am besten funktioniert. Ab Saisonmitte habe ich mir selbst zu viel Druck gemacht. Auch wenn ich mir dann selbst gesagt habe, sieh es doch einfach mal etwas lockerer, konnte ich es nicht so steuern. Klar, man könnte es steuern, aber ich musste einfach erst lernen, mit einem solchen Druck umzugehen. Das war bei mir einfach ziemlich schwer. Es ist dann viel passiert, teils kam aber noch Pech dazu. Was ich also für mich mitnehme? Das ich nicht nur körperlich sondern auch mental stärker werden muss. Denn es spielt sich unheimlich viel im Kopf ab. Besonders im Rennsport spielt sich da meiner Meinung nach gut 80% der Leistung im Kopf ab. Da kann und will ich zulegen.

 

Ein alter Förderer von Dir, Marcel, hat ein paar interessante Aussagen gemacht. Toni Mang hat vor kurzem in einem Interview darüber geklagt, dass die meisten jüngeren Fahrer bei Problemen mit der Maschine den Technikern nur halbgare Informationen zuwerfen würden, die wenig konkret wären. So wäre es immer ein Stochern im Nebel, um etwas zu verbessern. Was haltet Ihr von der Aussage und wie gut muss man sich demnach als Fahrer technisch bei der Maschine auskennen?

 

JF: Eines mal vorweg: Jeder Fahrer macht unterschiedliche Aussagen. Der eine sagt vielleicht sogar zu viel oder sagt es zu genau und dann doch das Falsche. Aber es stimmt, das Wichtigste ist die Kommunikation mit dem Chefmechaniker, weil der im Endeffekt das Motorrad auf den Fahrer abstimmen muss. Man muss jetzt kein Techniker sein und man muss das Motorrad nicht in und auswendig kennen – glaube ich. Aber die Kommunikation muss einfach einwandfrei laufen. Und man muss genau übermitteln können, was tatsächlich auf der Strecke passiert. Und zwar so, dass es der Mechaniker das auch versteht. Aber das ist dann manchmal nicht so einfach, gerade wenn es hier und da auch mit der Sprachverständigung nicht so gut funktioniert.

 

MS: Ich denke, um noch mal auf die konkrete Frage zurück zu kommen, bei Toni war es zu seiner Zeit einfach noch viel wichtiger, als es heute der Fall ist. Damals gab es ja die ganzen Datenaufzeichnungen noch nicht. Wenn sich ein Fahrer gut auskannte und genau sagen konnte, was das Motorrad unter ihm gerade macht, war das eine sehr große Hilfe. Heutzutage ist das vielleicht nicht mehr so wichtig, weil man anhand der ganzen Daten sehr viel ablesen und auch kontrollieren kann, ob die sich mit den Aussagen des Fahrers decken. Aber es stimmt schon. Umso mehr du es selbst spürst und es übermitteln kannst, umso leichter machst du es deinem Mechaniker, die richtige Abstimmung zu finden. Wichtig ist einfach, dass du deine Gefühle, dein Empfindungen so gut wie möglich vermitteln kannst. Es geht nicht darum zu sagen, welche Schraube jetzt wie verstellt werden muss, sondern um eine klare und eindeutige Kommunikation.

Volle Konzentration von Marcel Schrötter vor dem Start in ein Moto2 Rennen.
Volle Konzentration von Marcel Schrötter vor dem Start in ein Moto2 Rennen. (www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Wie schnell merkt ihr an einem Rennwochenende, es passt mit der Maschine für Euch?

 

JF: Wenn ich ein Superwochenende gehabt habe, war schon vom ersten Training an ein gutes Gefühl da. Es ist einfach so, dass, wenn die Maschine „passt“, man nicht mehr viel macht bzw. machen muss, weil man es eigentlich nicht mehr besser machen kann. Denn ein perfektes Motorrad gibt es nicht.

 

Also gibt es die perfekte Maschine nicht?

 

MS: Nein, die perfekt Maschine gibt es nicht. Denn eine Strecke besteht ja aus vielen verschiedenen Elementen. Man muss immer einen guten Kompromiss finden und vor allem, du musst immer ein gutes Gefühl für das Motorrad haben. Das ist das Wichtigste. Bei mir war es jetzt in der letzten Saison eher so, dass wir oft lange gebraucht haben, bis wir eine gute Abstimmung gefunden haben. Ich denke, dass es in diesem Jahr wesentlich leichter werden wird. Wenn du im ersten Training unter den Top 3 bist, wäre es ja Schwachsinn, groß umzubauen. Du versuchst dann nur noch Kleinigkeiten zu verändern, um das Gefühl noch besser zu bekommen.

 

Mal weg von der Maschine hin zu Eurem Alltag. Wie sieht so ein Rennwochenende für Euch generell aus? Gibt es da immer die gleichen Abläufe?

 

Beide: Eigentlich ist das immer gleich.

 

JF: Jeder hat seinen Tagesablauf, so wie man ihn verinnerlicht hat. So wie jeder zu Hause seine Arbeit ziemlich gleich erledigt. So ist das bei uns auch. Was man als erstes macht, wie man sich anzieht, wann man essen geht, was man isst.

 

Das klingt ja schon fast ein bisschen abergläubisch. Seid Ihr sehr abergläubisch?

 

MS: Nicht sehr, aber teilweise schon. Das geht wahrscheinlich jedem Rennfahrer so.

 

JF: Ich weiß nicht. Jeder hat da wohl so ein bisschen seine Abläufe. Bei mir ist es beispielsweise wie ich den Helm aufsetze oder welchen Handschuh ich zuerst anziehe. Das sind so Sachen, die man einfach verinnerlicht hat. Und wenn man dann merkt, dass man es anders macht, fängt man noch mal von vorne an.

 

Ihr habt in der Vergangenheit schon ganz unterschiedliche Ergebnisse erzielt. Mal kämpft man in einem Pulk um die Plätze 15 bis 20, dann wiederum fährt man aber auch ganz vorne, vielleicht sogar in den Top 5 mit. Gibt es da auf der Strecke einen Unterschied – außer der reinen Platzierung?

 

JF: Ja, da gibt es schon einen großen Unterschied. Je weiter man hinten fährt, umso schwerer wird es für einen. Denn hinten geht es einfach „wilder“ zu. Vorne fährt einfach jeder am Limit. Man kann sagen, vorne wird cleverer gefahren als im Mittelfeld oder noch weiter hinten.

In der Moto2 gibt es keine Haltungsnoten. Hier gäbe für Jonas Folger aber eine glatte 10.
In der Moto2 gibt es keine Haltungsnoten. Hier gäbe für Jonas Folger aber eine glatte 10. (www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Kann man sagen, die Leute fahren vorne weniger so, dass schneller ein Unfall passiert?

 

JF: Das vielleicht jetzt nicht, aber es wird mehr mit dem Kopf gefahren. Es werden keine unüberlegten Sachen gemacht. Und hinten ist es wirklich so, dass manchmal wirklich Fahrer dabei sind, die regelrecht „kopflos“ unterwegs sind und dann eben Sachen machen, wo man dann als Hinterherfahrender drei Sekunden pro Runde nach vorne verliert. Und klar, es natürlich tausendmal schöner vorne zu fahren, wegen der Position an sich, aber vor allem eben auch wegen der Fahrweise. Es ist einfach ein saubereres Fahren als im Mittelfeld.

 

MS. Das Leben weiter vorne wird einem schon erleichtert. Bei mir war das beste Ergebnis ein siebter Platz und da war es so, dass ich am Anfang des Rennens den Anschluss zur Spitze halten konnte und gesehen habe, dass der Abstand nach hinten größer wird. Das ist dann schon die erste Erleichterung, weil man einfach weiß, von hinten kann jetzt nicht viel kommen. Wenn ich jetzt nicht noch einen Fehler mache, bin ich schon mal in einer guten Position. Du schaust nur nach vorne und ziehst mit. Aber wenn du im Mittelfeld hängst, also ab den Plätzen zehn und abwärts, merkst du, dass eben alle nach vorne wollen. Und dann passieren einfach verrückte Sachen von manchen Fahrern, weil sie es mit Gewalt probieren wollen. Die machen dann auch das Rennen langsamer, weil sie in jeder Sekunde versuchen zu überholen – dann eben auch unkontrolliert oder mit einem blöden Manöver. Es geht einfach wilder zu und so kann man keinen eigenen Rhythmus fahren. Es geht dann einfach nur noch darum, Positionen gut zu machen – oder eben nicht. Es ist in jeder Runde einfach ein Kampf. Und vorne ist es da sehr viel „entspannter“ , sage ich mal.

 

Marc Marquez wurde in einem Interview im letzten Jahr gefragt, welchen jungen Fahrer er in ein Team aufnehmen würde, wenn er Team Manager wäre. Neben seinem Bruder würde er Jonas Folger nehmen. Wie sehr ehrt Dich so eine Aussage, wie empfindest Du das? Spürst Du durch so eine Aussage auch Druck?

 

JF: Nein, Druck sicher nicht. Ich habe schon ein bisschen grinsen müssen, als ich das gehört habe. Ich kenne den Marc ja auch schon lange. Es ist schon schön zu hören, dass er das über mich sagt. Ich empfinde das schon als Motivation.

Marcel Schrötter fährt in der Saison 2015 für das Tech 3 Team in der Moto2.
Marcel Schrötter fährt in der Saison 2015 für das Tech 3 Team in der Moto2. (www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Über die mangelnde oder fehlende Nachwuchsförderung in Deutschland ist jetzt in der Winterpause wieder viel gesprochen worden. Wir wollen das gar nicht in der Tiefe diskutieren. Ich stelle mal die These in den Raum, dass Motorradrennsport vor allem eine Frage der individuellen Lust und Entscheidung ist und nicht, wie Beispielsweise beim Fußball, eine Frage von Teamförderung. Kann es vielleicht ganz einfach nur so sein, dass nicht genug junge Leute in Deutschland Lust auf diese Sportart haben?

 

JF: Also, was ich bei mir zu Hause mitbekomme: Es fahren extrem viele Leute Motorrad. Und es gibt auch sehr viele, die sich für den Sport interessieren. Auch junge Leute. Die sich Motorräder kaufen, einen Führerschein machen, am Wochenende in die Berge fahren, weil es einfach eine Leidenschaft ist. Ich glaube das Hauptproblem ist einfach, wie es vermarktet und übertragen wird. Es ist keine Hilfe für einen Sport, wenn er schlecht vermarktet wird. Das ist das erste Thema. Und schlechte Vermarktung ist dann gleichbedeutend mit fehlenden Sponsoren. Das ist ganz einfach.

 

Erlebst Du das auch schon bei Deinem Cousin Valentin, der ja selbst im ADAC Minibike Cup fährt. Spielt das da auch schon eine Rolle?

 

JF: Nein, der Valentin ist ja noch ganz am Anfang. Ich muss aber sagen, ich war schon bei Rennen mit dabei. Mich hat das wirklich fasziniert, wie schnell die Jungs da schon unterwegs sind. Ich habe den Eindruck, dass das Niveau höher ist als zu meinen Zeiten. Das Schwierigste ist dann die Zeit danach. Was macht man nach dem Minibike Cup? Dann gibt es den ADAC Juniorcup, der auch mit guten Maschinen unterwegs ist. Aber was macht man dann? Die deutsche Meisterschaft hat an Niveau verloren – meine ich – weil das Starterfeld fehlt. Und ab dann wird es schwer sich zu steigern oder sich mit stärkeren Fahrern zu messen. Der nächste Schritt wäre dann die spanische Meisterschaft. Aber das ist dann schon sehr viel teurer und natürlich auch schwerer.

 

Wenn ihr einen Wunsch für die Nachwuchsförderung und Entwicklung frei hättet, welcher wäre das?

 

JF: Ein Wunsch ist, ganz einfach mehr Förderung. Talente gibt es viele.

 

MS: Ein Unterschied ist es schon mal, wo man überhaupt trainieren kann. Das ist in Deutschland einfach schwieriger als in Spanien. Da geht es schon mal los. Und dann natürlich, wie Jonas eben sagte, die Förderung von Institutionen wie dem ADAC oder auch dem DMSB. Die müssten einfach viel mehr machen. Der ADAC macht den Minibike Cup, der sehr gut funktioniert. Dann geht es zwar in den Junior Cup, aber das ist keine Klasse, um sich richtig zu verbessern. Denn da sind auch viele Anfänger mit dabei oder auch Einsteiger, die schon älter sind. Bei uns war das so, dass wir damals aus dem Mini in den Junior Cup kamen und sofort gewonnen haben. Man lernt dann einfach nicht viel. Auch die IDM ist einfach nicht mehr das, was sie vor ein paar Jahren noch war. Klar kommt dazu, dass das alles auch eine Menge Geld kostet – auch für die Teams. Das können sich dann viele Fahrer einfach nicht mehr leisten. Ich bin der Meinung, dass man die Besten aus diesen Serien nehmen sollte, um ihnen den Einstieg zu ermöglichen. Egal in welcher Klasse. Zu meiner Zeit gab es dann zwar einen Zuschuss, aber mit rund 10.000 Euro kommt man eben nicht wirklich weit. Besser wäre sicher eine Lösung, solchen Leuten einfach für eins, zwei Jahre in einem Team zu fördern, so wie man das beispielsweise auch in Spanien macht. So etwas gibt es bei uns einfach nicht.

 

JF: Was ich fast noch vergessen hätte ist der Rookies Cup von Red Bull. Das ist – finde ich – die beste Chance um den Aufstieg ganz nach oben zu schaffen. Das ist einfach eine ganz große Geschichte, die da auf die Füße gestellt wurde. Weil sehr viele der Fahrer die Chance erhalten, in die WM zu kommen.

Der Blick von Jonas Folger in Zukunft. Die liegt 2015 erst einmal weiter beim AGR Team in der Moto2.
Der Blick von Jonas Folger in Zukunft. Die liegt 2015 erst einmal weiter beim AGR Team in der Moto2. (www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Welchen Sport verfolgt oder mögt Ihr neben Eurem eigenen?

 

(Beide lachen und wie aus einem Mund: Motocross)

 

MS: Bei mir ist es aber auch schon noch ein bisschen mehr. Ich bin eigentlich recht sportlich, habe schon viel versucht und mit etwas angefangen. Ich habe von klein auf Fußball gespielt, selbst heute spiele ich hin und wieder mit, wenn ich mal zu Hause bin. Aber ich mag auch so Sachen wie Skifahren oder Eishockeyspielen.

 

JF: Bei mir hat Sport eher weniger mit dem Ball zu tun. Ich fahr z.B. viel Downhill, klettere gerne oder gehe einfach auch mal mit ein paar Freunden wandern.

 

Wenn ihr Euch einen Fahrer aus der Geschichte als Teamkollegen aussuchen könntet, wer wäre das?

 

(Beide überlegen lange).

 

MS: Schon jemand wie Valentino Rossi. Also, es wäre ja irgendwie schlecht eine Legende zu nehmen, denn dann hätte man immer Druck von der Seite. Wobei, ein guter Fahrer hilft schon um sich gegenseitig zu pushen. Wenn einer dann oft schneller ist als der andere holt man schon mehr raus. Nur so wird man besser. Es hilft einem - wenn man damit umgehen kann. Es ist schwer, einen Namen zu nennen. Aber es wäre schon schön zu sagen, man wäre mal Teamkollege von einem Valentino Rossi oder Casey Stoner gewesen.

 

Welche fünf Personen würdet Ihr zu einem Abendessen einladen?

 

JF: Ganz klar, meine Tochter würde ich natürlich gerne mit dabei haben.

 

MS. Also Familie geht ja immer vor, aber außerhalb, gar nicht so einfach. Ich fände es schon cool, auch mal andere Rennfahrer wie einen Ken Roczen mit dabei zu haben. Oder außerhalb der Rennstrecke eine Selena Gomez (lacht).

 

JF: Dann werfe ich noch Miley Cyrus in den Ring (beide lachen). Eminem würde bei mir vielleicht noch dazu gehören oder Dr. Dre. Valentino Rossi würde auch noch auf der Einladungsliste stehen.

 

Wenn Ihr in einem Film mitspielen könntet, welche Rolle würdet Ihr übernehmen?

 

(Beide lachen und überlegen lange)

 

JF: Also, wenn wohl eher so ein Actionheld. Wo es richtig zur Sache geht.

 

MS: Also, Rocky wäre ich gerne. Die Rolle als Rocky, da bist du auch schon irgendwie ein Held.

 

JF: So ein Geheimagent wäre schon nicht schlecht. Also wenn ich mir eine Rolle aussuchen könnte, wäre ich gerne so etwas wie ein Special Agent, so wie James Bond.

 

MS: Jonas hat schon irgendwie Recht. So ein Actionfilm mit Sprüngen vom Hochhaus oder unmögliche Aufträge erfüllen, das sind schon so Sachen, von denen man als Kind ja schon geträumt hat. Einfach Dinge, die man im normalen Leben nicht machen kann. Oder vielleicht wäre auch so eine Rolle in einem Partyfilm nicht schlecht. Ein bisschen was verrücktes, was in seinem normalen Leben nie vorkommen würde.

 

Wenn Ihr am Ende Eurer Zeit als Rennfahrer einen Satz über Euch lesen könntet, wie würde der heißen?

 

MS: MotoGP Legende und mehrfacher Weltmeister.

 

JF: Dem kann ich mich nur anschließen.

 

Marcel, Jonas: Vielen Dank für das Gespräch.

(Das Gespräch führte Markus Kahl)

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