MotoGP Runde 5 - Le Mans - Allez les bleu

Das MotoGP Podium in Le Mans 2015
MotoGP Podium in Le Mans 2015: Valentino Rossi, Jorge Lorenzo, Andrea Dovizioso (Foto: Dorna)

Kippt hier gerade was? Also ich meine von orange zu blau? Von Honda zu Yamaha? Man kann es kaum glauben. Denn es ist ja erst ein paar Monate her, als das Repsol Honda MotoGP Team den erneuten WM Titel mit ihrem Marc Marquez feierten. Dominanz von Honda, wohin das Auge blickte. Doch jetzt lernen wir als Zuschauer wieder aufs Neue die alte Sportlerwahrheit: Nichts ist so alt wie der Erfolg von gestern und auf dem kann, soll und darf man sich auf keinen Fall ausruhen. Doch dieser plötzliche und auch so heftige Einbruch und Wechsel in der Vorherrschaft in der MotoGP kommt dann doch ein wenig überraschend.

 

Allez les bleu lautet die Überschrift dieses Beitrags, denn passender könnte er nach diesem Rennwochenende in Le Mans kaum sein. Die Blauen (Yamaha) dominieren das zweite Europarennen (in Frankreich), holen im Rennen den Sieg und zweiten Platz. Siege befeuern Siege, doch die Zahlen sprechen 2015 eine deutliche Sprache. Zehn Podestplätze gab es für die Werksteams Honda und Yamaha 2015 zu besetzen. Yamaha fuhr sieben ein, Honda nur zwei. Marc Marquez gewann ein Rennen (in Austin), Valentino Rossi und Jorge Lorenzo jeweils zwei. Gerade Rossi erweist sich in diesem Jahr als Mr. Zuverlässig, fuhr er für Yamaha bis jetzt in jedem Rennen auf das Podium. Honda hat ein echtes Problem – und es ist nicht nur Marquez, der derzeit weit weg von seiner Topform der beiden Vorjahre scheint. Denn das Comeback von Dani Pedrosa in Le Mans war mehr als heißersehnt, fehlte dem Repsol Team erkennbar ein guter zweiter Fahrer. Pedrosas Comeback also wichtig, gekrönt aber von mehr Schatten als Licht. Der Spanier von Startplatz acht ins Rennen gegangen flog relativ schnell zu Beginn schon ab, konnte die Fahrt aber fortsetzen und das Rennen als 16er beenden. Sein Teamkollege Marquez wurde zu Beginn ein wenig durchs Feld gereicht, konnte aber immerhin nach einem tollen Duell mit Andrea Iannone als Vierter über die Ziellinie rollen.

Jorge Lorenzo feiert seinen Sieg in Le Mans
Jorge Lorenzo feiert seinen Sieg in Le Mans (Foto: Movistar Yamaha MotoGP)

Für die Yamaha Piloten lief es, wie schon eingangs erwähnt, deutlich besser. Jorge Lorenzo mit einem seiner guten und gefürchteten guten Starts führte das Feld von der ersten bis zur letzten Runde an. Sein Sieg: Nie gefährdet. Doch Lorenzo hebt nach diesem Erfolg nicht ab. „Zwei Rennen in Folge zu gewinnen nachdem ich vorher dreimal nicht mal aufs Podest gekommen bin ist ein großer Kontrast. Das sind natürlich bessere Resultate, aber man sollte jetzt nicht abheben, da sich die Dinge bei uns im Rennsport schnell ändern können – mit möglicherweise auch wieder schlechteren Ergebnissen für mich“, sagt er. Genauso stark der zweite Platz für Valentino Rossi, der nach diesen weiteren 20 Punkten für Rang zwei das Fahrerfeld in der MotoGP mit 102 Punkten anführt. Andrea Dovizioso komplettiert als Dritter das Podest auf seiner Ducati.

Andrea Doviziose auf dem 3. Platz in Le Mans
Andrea Doviziose auf dem 3. Platz in Le Mans (Foto: Ducati)

Das ist uns noch aufgefallen:

 

Die Ducati auch in Le Mans bärenstark. Auch wenn es nicht zum Sieg eicht konnte man in Le Mans sehr gut die Power der Italiener beobachten. Auf den vielen und langen Geraden konnten Iannone und Dovizioso immer wieder ihre Stärke ausspielen. Iannone am Wochenende in Frankreich somit folgerichtig auch mit dem schnellsten Speed aller Fahrer mit 316,6 km/h.

 

Honda hatte massiv Probleme am Wochenende. Das Wetter in Le Mans am Renntag ungewöhnlich freundlich und verhältnismäßig warm (18 Grad). Das sorgte für massive Probleme am Vorderrad. Alle Honda Fahrer klagten darüber, Marquez konnte seine Maschine immerhin als vierter abstellen. Cal Crutchlow und auch Scott Redding schmissen ihre Maschinen dagegen aus genau diesen Gründen weg.

Stefan Bradl: Vorzeitiges Aus in Le Mans
Stefan Bradl: Vorzeitiges Aus in Le Mans (Foto: Forward Racing Team)

Aus deutscher Sicht:

 

Es lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Ein Desaster. Für den einzigen deutschen Start im Feld, Stefan Bradl, war auch Le Mans ein Wochenende zum Vergessen. Er bekommt die Probleme mit der Elektronik auf seinem Bike einfach nicht in Griff. Hinzu kommt wohl auch die Schwierigkeit, dass er bei den auftauchenden Problemen zu schnell die Flinte ins Korn wirft. Die anderen Open Fahrer kämpfen mit den gleichen Problemen, von ihnen ist jedoch nichts (oder fast nichts) an Klagen zu hören. Bradl macht jedenfalls schon in der zweiten Runde einen Bremsfehler und landet im Kies. Es passt dieser Ausfall (leider) zur gesamten Situation: Nichts läuft zusammen.

Das Moto2 Podium in Le Mans: Tito Rabat, Tom Lüthi und Johann Zarco
Das Moto2 Podium in Le Mans: Tito Rabat, Tom Lüthi und Johann Zarco (Foto: Dorna)

Die Moto2

 

Das Rennen lässt sich schnell zusammenfassen. Die ersten vier Runden ist es noch ein richtig enger Fight zwischen Lokalmatador Johann Zarco, Thomas Lüthi und Esteve Rabat. Zarco führt die ersten vier Runden an, doch dann übernimmt Lüthi die Führung und gibt sie bis zum Ende nicht mehr her. Lange kann Zarco Rabat auf Distanz halten, doch acht Runden vor Schluss zieht auch der Spanier am Franzosen vorbei. Thomas Lüthi siegt so souverän und verdient vor Rabat und Zarco und kann damit seinen ersten Erfolg im Jahre 2015 feiern.

 

Aus deutscher Sicht läuft es dagegen alles andere als erfreulich. Jonas Folger, zwei Wochen zuvor noch Sieger in Jerez, stürzt in der 17. Runde. Sein Trainingspartner Marcel Schrötter wird auf Platz 13 bester deutscher Fahrer. Sandro Cortese fährt einen enttäuschenden 14. Platz ein. Und Florian Alt landet gar nur auf Platz 23.

Das Moto2 Podium in Le Mans: Tito Rabat, Tom Lüthi und Johann Zarco
Enea Bastianini führt das Moto3 Feld in Le Mans kurzzeitig an (Foto: Gresini Racing)

Die Moto3

 

Klassischerweise die spannendste Rennserie, da es hier – im Gegensatz zu Moto2 und MotoGP – meist immer eng zugeht. Das war auch diesmal nicht anders. Ein wirklich spannendes Rennen, mit einem ziemlich überraschenden Ausgang. Denn den späteren Sieger Romano Fenati hatte man so gar nicht auf dem Radar, obwohl er es von Platz fünf gestartet gar nicht so weit bis Platz eins hatte. Doch alle schauten gespannt auf den Polesetter und Lokalmatador Fabio Quartararo. Immer in der Spitzengruppe vorne mit dabei hatte man lange das Gefühl, er lauere nur auf den richtigen Moment im Rennen. Doch statt Party auf dem Podium gab es nur einen Ausflug ins Kies. Das Aus nach 17 Runden. Somit kam es zum wirklich großartigen Kampf zwischen Romano Fenati, Enea Bastianini und Franceso Bagnaia, die bis ins Ziel in jeder Kurve die Positionen tauschten. Fenati siegt schlussendlich vor Bastianini und Bagnaia.

Einen tollen Fight liefert auch der WM Führende Danny Kent, der von Startplatz 31 noch auf Platz vier vorfährt. Und noch ein Blick auf den einzigen deutschen Vertreter Philipp Oettl: Der holt sein bislang bestes Saisonergebnis und beendet das Rennen als zehnter.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0