MotoGP Runde 6 - Mugello - The Unbeatable

Jorge Lorenzo bejubelt seinen MotoGP Triumph in Mugello
Jorge Lorenzo bejubelt seinen MotoGP Triumph in Mugello (Fotoquelle: Movistar Yamaha MotoGP Team)

Fast wollte ich diesen Rennbericht mit Conchita Wurst beginnen. Wurst? Was hat denn die Dame, pardon, der Kerl, ähm, also was hat Conchita denn bitte mit MotoGP am Hut? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Und es ist mir nicht überliefert, ob sich Frau Wurst überhaupt für Motorradrennen interessiert. Und doch wäre sie, also besser gesagt ihr Titel fast in der Überschrift hier gelandet. Der Siegertitel des Eurovision Song Contest von 2014 als Überschrift wäre (fast) passend gewesen. Rise like Phoenix. Denn Mr. Unbeatable ist tatsächlich auch so etwas wie ein Phönix, der der Asche entstiegen ist. Nach einer schwachen Saison 2014 und dem „durchwachsenen“ Start in die Saison 2015 kann man das fast so ein bisschen so nennen. Bevor ich jetzt noch mehr zur Verwirrung beitrage, gehen wir den GP von Italien doch einfach mal Stück für Stück durch.

Partystimmung auf dem MotoGP Podest in Mugello: Andrea Iannone, Jorge Lorenzo und Valentino Rossi
Partystimmung auf dem MotoGP Podest in Mugello: Andrea Iannone, Jorge Lorenzo und Valentino Rossi (Fotoquelle: Movistar Yamaha MotoGP Team)

Das Podium

 

Er ist derzeit – so scheint es – unschlagbar. Jorge Lorenzo lässt im wahrsten Sinne des Wortes den Hammer fallen. Dritter Sieg in Folge. Nach Jerez und Le Mans gewinnt Lorenzo auch hier in Mugello. Und nicht irgendwie, sondern in ganz beeindruckender Art und Weise. In Runde eins leuchtete die Nummer 99 auf der Anzeige in Führung liegend auf. Und der Bediener der Anzeigentafel hatte hier anschließend nichts mehr zu tun, denn an dieser Zahl auf Platz eins änderte sich bis ins Ziel nichts mehr. Die schnellsten Zeiten in den ersten Runden (mit mittleren 1,47’ern) halfen Lorenzo, gleich einen komfortablen Vorsprung auf die Konkurrenz herauszufahren. Der Abstand wurde groß und größer und so konnte es sich der Spanier zum Ende hin sogar leisten, teils eine ganze Sekunde langsamer als die Verfolger zu sein. Bei einem Vorsprung von knapp achteinhalb Sekunden wahrlich kein Problem.

 

Lorenzo profitierte aber auch vom Kampf der Verfolger, die sich in vielen unterschiedlichen Kämpfen gegenseitig das Leben schwer machten und so zu keiner Zeit im Rennen um Platz eins mitkämpfen konnten. Andrea Iannone war mit Vorteil und Handicap zugleich ins Rennen gegangen. Vorteil in Form der Pole Position, seiner ersten in der MotoGP, aber auch dem Nachteil seines immer noch aktuellen Haarisses in der Schulter. Es war vor allem der Wille, der Iannone zu diesem zweiten Platz trieb. Wieder kam es für ihn zu Duellen mit Marc Marquez im Rennen (wie schon in Le Mans). Doch sein größtes Problem war der in den letzten sechs Runden heraneilende Valentino Rossi. Der Doctor war vom ominösen Startplatz acht ins Rennen gegangen – der Startplatz von dem er schon zwei Rennen in diesem Jahr gewonnen hatte. Eine Sekunde lag Rossi plötzlich nur noch hinter Iannone, doch dieser Rückstand sollte sich bis ins Ziel nicht mehr ändern. Iannone hielt dem Schmerz der Schulter und dem Druck von Rossi stand und fuhr als zweiter aufs Podest vor Valentino Rossi, der auch auf dem dritten Rang vom Publikum gefeiert wurde wie ein Sieger.

Maverick Vinales in der Startaufstellung der MotoGP in Mugello
Maverick Vinales in der Startaufstellung der MotoGP in Mugello (Fotoquelle: Suzuki Racing MotoG Team)

MotoGP – Top  

 

Neben den Fahrern auf dem Podium stach noch ein Ergebnis heraus. Der siebte Platz von Maverick Vinales. Ein ganz stiller junger Mann, der seine erste Saison in der MotoGP absolviert. Einige fragten sich, ob sein Aufstieg aus der Moto2 zu schnell sein würden und vor allem, ob der Schritt zu Suzuki der richtige wäre. So ein wenig steht er im Schatten von Teamkollege Aleix Espargarao, der immer wieder durch spektakuläre Zwischenergebnisse auffällt. Doch Vinales punktet weder durch einen spektakulären Auftritt auf oder neben der Strecke, sondern vielmehr durch seine soliden Ergebnisse. Durch seinen siebten Platz in Mugello (das beste Resultat in der MotoGP für ihn) zieht er in der WM Wertung jetzt sogar am Teamkollegen vorbei. Viele sehen Vinales als den kommenden Fahrer in der WM. Wenn er so weiter macht könnte das tatsächlich klappen.

Marc Marquez im Kampf um die Plätze in der MotoGP in Mugello
Marc Marquez im Kampf um die Plätze in der MotoGP in Mugello (Fotoquelle: Repsol Honda MotoGP Team)

MotoGP – Flop

 

Die Entwicklung in den letzten Jahren kannte nur eine Richtung: Nach oben. Doch jetzt kann man schon nicht mehr nur von einem Stillstand sprechen sondern von einer ziemlichen Krise. Ein Rennen kann immer mal nicht laufen, doch für Marc Marquez sind es derer schon zu viele 2015. Letztes Jahr noch Dauerseriensieger mit zehn Siegen in Folge, gelingt ihm derzeit (fast) nichts. Klar, ein Sieg in Austin war mit dabei. Aber zwei Nuller in sechs Rennen sind für einen Mann wie Marquez einfach zwei zu viel. Auf einmal spürt er Druck – vielleicht auch welchen, den er sich selbst macht. Die Leichtigkeit ist weg und ein neues Gefühl ist da. Eins, was Marquez so noch nicht wirklich kennengelernt hat. Und mit dem er erst lernen muss umzugehen?

Was sonst noch los war

 

Die tragische Figur. Gerade beim Heimrennen wollte Andrea Dovizioso auf seiner Ducati glänzen. Doch der Italiener musste seine Maschine vorzeitig abstellen. Chattering am Hinterreifen machte das Bike unfahrbar. Von Startplatz drei sollte es sein Rennen werden, doch daraus wurde dann leider nichts.

Mugello war auch das Rennen der vielen Ausfälle. Nur 18 von 26 Startern erreichten das Ziel. Dabei verabschiedeten sich so bekannte Namen wie Marc Marquez, Cal Crutchlow aber auch Rookie Jack Miller vorzeitig.

Normalerweise heißt es: Die Ducati sind wegen ihrer Motorenpower auf der Geraden unschlagbar. Den Beweis konnte man beim Auftakt in Katar sehen, wie ein ums andere Mal Valentino Rossi auf der Geraden abgefangen wurde. Doch diesmal fiel auf, dass Marc Marquez auf vielen geraden Stücken der Strecke nicht nur mit den Ducatis mithalten konnte, sondern teilweise sogar vorbeizog. Die reinen Zahlen sprechen eine andere Sprache (da hatten die Roten noch gut 5-10 km/h Vorteil), nur auf der Strecke sah es fürs Auge anders aus.

Das Repsol Honda 2015 nicht wirklich in die Gänge kommt lässt sich jetzt auch an ganz einfach Zahlen fest machen. Denn in der Teamwertung liegt das Team nach Mugello nur noch auf Platz vier in der Gesamtwertung – sogar noch hinter dem Team Tech 3.

Das Moto2 Podium in Migello mit Johann Zarco, Tito Rabat und Dominique Aegerter
Das Moto2 Podium in Migello mit Johann Zarco, Tito Rabat und Dominique Aegerter (Fotoquelle: Dorna)

Die Moto2

 

War es das Wochenende der Comebacker? Fast scheint es so. Tito Rabat war als letztjähriger Weltmeister 2015 noch gar nicht richtig in Schwung gekommen. Doch zuletzt zeigte sein Trend immer weiter nach oben. Fast könnte man sagen: Er arbeitete sich auf dem Podium immer vorwärts. Platz drei in Jerez, Platz zwei in Le Mans und nun in Mugello der erste Sieg 2015. Die Erleichterung war Rabat bei der Champagnerdusche deutlich anzumerken. Genauso glücklich sah Dominique Aegerter aus. Im letzten Jahr noch mit dem ersten Sieg seiner Karriere belohnt ging es auch in der Gesamtwertung der WM immer weiter nach oben. Doch 2015 war bislang ein echtes Desaster. Der Umstieg von Suter auf die Kalex bereitete Aegerter doch mehr Kopfzerbrechen als jemals selbst erwartet. Umso größer war seine Freude über Platz drei. Über den Zweitplatzierten muss man nicht viele Worte verlieren: Der WM Leader Johann Zarco sammelt derzeit einfach fleißig Punkte. Bis auf Katar jedes Mal auf dem Podium ergibt den Beinahmen: WM Favorit. Wer Weltmeister werden will muss – so scheint es – an Zarco vorbei.

Und was machten die Deutschen Fahrer? Fangen wir beim Unglücksraben Jonas Folger an. Er kann, wie es scheint, 2015 nur Hopp oder Topp. Zwei Siege stehen in den Büchern, genauso wie schon zwei Ausfälle. Nach Le Mans der nächste Nuller. Auf dem Weg zu einem möglichen Podestplatz rutscht Folger über das Vorderrad auf Platz drei liegend von der Strecke. Die WM Hoffnungen dürfte damit in weite Ferne gerückt sein.

Bester Deutscher wird in Mugello Sandro Cortese, der sich mit diesem achten Platz langsam aber sicher an die gewünschten Platzierungen ran robbt.

Marcel Schrötter landet knapp außerhalb der Punkte auf Platz 16. Er klagt weiterhin über dicke, dicke Probleme mit seiner Maschine und muss in den Trainings und dem Rennen mehr kämpfen als er will.

Den letzten Platz in der Fahrerliste belegt Florian Alt. Der Moto2 Neuling kommt von den hinteren Plätzen einfach nicht weg. Auch wenn er von Fortschritten spricht, die Resultate sprechen in nackten Zahlen eine andere Sprache.

Fotofinish in der Moto3 in Mugello. Miguel Oliveira siegt vor Danny Kent und Romano Fenati
Fotofinish in der Moto3 in Mugello. Miguel Oliveira siegt vor Danny Kent und Romano Fenati (Fotoquelle: Dorna)

Die Moto3

 

Das Gleiche wie in jedem Rennen möchte man sagen. Die Moto3 ist und bleibt die Klasse, in der es am engsten zugeht. Sechs, sieben, acht Fahrer innerhalb einer Sekunde sind bei der Fahrt über die Ziellinie keine Seltenheit. Doch diesmal waren es teilweise mehr als zwölf Fahrer die vorne Rad an Rad um die Führung kämpften. In fast jeder Kurve wechselte die Führung, irgendwann verlor man den Überblick, wer da eigentlich gerade vorne war. Spannend zu beobachten: WM Leader Danny Kent. Der Engländer fuhr von der Pole Position los, musste sich aber innerhalb des Rennens teilweise um Platz acht herum einsortieren. Doch statt sich vorne im Kampf um Platz eins aufzureiben, sah sich Kent das Rennen aus gesicherter Entfernung an. Erst in den letzten zwei Runden machte er ernst und quetschte sich an seinen Konkurrenten vorbei bis ganz nach vorne. Eine schon fast weltmeisterliche Vorstellung. Beinahe hätte es sogar zum Sieg gereicht, doch auf den letzten Metern Rettete Miguel Oliveira auf seiner KTM einen Vorsprung von 0,071 Sekunden vor Kent über die Ziellinie. Ein besonderer Sieg für Oliveira. Denn es war nicht nur der erste seiner Karriere, sondern gleichzeitig der erste Gewinn eines Portugiesen in der Motorrad Weltmeisterschaft.

Während Oliveira also feiern konnte, musst ein anderer Fahrer Bike und Knochen neben der Strecke einsammeln. Vor der Saison sprachen manche schon von einem möglichen WM Titel, doch jetzt ist der Rookie endgültig auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Fabio Quartararo scheidet nach einem erneuten Sturz (wie schon zwei Wochen zuvor in Le Mans) aus. Der 16jährige zahlt nun doch Lehrgeld in seiner ersten WM Saison.

Und noch schnell ein Blick auf Philipp Oettl: Von Startplatz 21 ins Rennen gegangen landet Oettl nur auf Platz 22 und damit weit außerhalb der Punkte.

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