MotoGP Runde 7 - Barcelona - Jetzt ist die Krise wirklich da

Jorge Lorenzo packt den Hammer aus. Barcelona ist Lorenzo Land.
Jorge Lorenzo packt den Hammer aus. Barcelona ist Lorenzo Land (© Dorna).

Drei Ausfälle in sieben Rennen. Das klingt nach einem Rookie, der noch einiges lernen muss. Doch wir sprechen in diesem Fall nicht von einem Frischling, sondern vom Doppelweltmeister der MotoGP 2013 und 2014. Für Marc Marquez droht 2015 zu einem echten Seuchenjahr zu werden. Doch nicht nur der Honda Pilot sah keine Zielflagge, sondern auch viele andere Fahrer nicht. Barcelona 2015: Ein bisschen wie ein kleines Sturzfestival. Neun von 25 Fahrern erreichten nicht ihr Ziel. Alles einzeln erklärbar, in der Summe aber für ein MotoGP Rennen doch ein wenig zu viel. Doch neben vielen Verlierern gab es auch jede Menge Gewinner in der siebten Runde der MotoGP 2015.

In Barcelona nicht zu stoppen: Die Movistar Yamaha mit Jorge Lorenzo und Valentino Rossi
In Barcelona nicht zu stoppen: Die Movistar Yamaha mit Jorge Lorenzo und Valentino Rossi (© Movistar Yamaha MotoGP Team).

Das Podium

 

Wird es jetzt langsam schon langweilig? Den Eindruck kann ich diesmal nicht bestätigen. Natürlich scheinen die Yamahas derzeit allen davonzufahren. Und doch wirken die Erfolge, im Gegensatz zur langen Siegesserie von Marc Marquez in 2014 (zehn Rennsiege in Folge), irgendwie fragiler. Natürlich hat Jorge Lorenzo einen Lauf und mit vier Siegen in Folge einen neuen, eigenen Rekord mit der längsten Serie an Rennsiegen aufgestellt. Und doch muss er jedes Mal hart um seinen Sieg fighten (mag möge sich nur mal sein Gesicht nach dem Rennen angesehen haben: Lorenzo war einfach platt). Aber klar ist auch: Wer momentan in der MotoGP erfolgreich sein will, muss an den Yamahas erstmal vorbei. Das war auch diesmal in Barcelona so. Niemand hat es hier geschafft, die Blauen auf den Plätzen eins und zwei zu verdrängen. Jorge Lorenzo siegt vor Valentino Rossi und Dani Pedrosa (Repsol Honda). Es klingt auf dem Papier genauso eindeutig, wie es dann auch auf der Strecke ausgesehen hat. Jorge Lorenzo von der ersten Runde an auf Platz eins, nie war der Sieg auch nur annähernd gefährdet. Annähernd gleich lief es bei Valentino Rossi, der mit einem durchwachsenen Startplatz sieben ins Rennen ging, aber nur drei Runden benötigte, um sich hinter Lorenzo auf dem zweiten Platz einzureihen. Somit war quasi nur noch der dritte Platz auf dem Podest zu vergeben und hier gab es etwas mehr Rangelei. Die ersten fünf Runden war Andrea Dovizioso (Ducati) auf einem guten Weg diesen dritten Rang für sich zu beanspruchen, nach seinem Ausfall übernahm Aleix Espargaro dann die Position, musst diese bereits aber nach einer Runde wieder abgeben. Dani Pedrosa erbte in Runde sieben den dritten Rang und gab ihn nicht mehr aus den Händen.

 

Spannend wurde es noch einmal gegen Rennende, als der Abstand zwischen Lorenzo und Rossi Stück für Stück bis auf eine knappe Sekunde zusammenschmolz. Doch Rossi konnte nicht an Lorenzo heranfahren, geschweige denn ihn überholen. Der dritte Platz von und für Dani Pedros geht für ihn voll in Ordnung, sein Abstand zu den Yamahas auf Rang eins und zwei ist mit fast 20 Sekunden Rückstand jedoch enorm.

Riesenjubel bei Stefan Bradl und seiner Crew nach dem Sieg der Open Class
Riesenjubel bei Stefan Bradl und seiner Crew nach dem Sieg der Open Class (© Athina Forward Racing Team).

MotoGP – Top

 

Endlich! Endlich! Endlich! Es machte den Eindruck, als ob Wackersteine von ihm abgefallen wären. Trotzdem sah Stefan Bradl nicht glücklich aus nach seinem fantastischen achten Platz in Barcelona. Sechsmal blieb Bradl 2015 der Erfolg verwehrt, drei Stürze bzw. Ausfälle waren schon zu beklagen. Die Maschine lief nicht, die Elektronik streikte ein ums andere Mal. Die Zweifler krochen schon aus allen Ecken und auch Bradls Rucksack wurde mit Selbstzweifeln auf dem Rücken voller und voller. Das Ziel vor Saisonbeginn war ganz klar der Sieg in der Open Klasse, doch noch vor dem Start in Barcelona war Bradl meilenweit davon entfernt. Doch jetzt, im siebten Umlauf in 2015, scheint sich der erste Knoten gelöst zu haben. Ein achter Platz, ein Ergebnis, mit dem der Deutsche sehr, sehr zufrieden sein kann. Im Interview nach dem Rennen war von einem strahlenden Bradls jedoch nichts zu sehen. Zu groß waren scheinbar noch immer Anspannung und Druck, die auf ihm gelastet hatten. Auch wenn es nur ein erstes positives Ergebnis ist: Darauf lässt sich aufbauen.

Karel Abraham mit skeptischem Blick in seiner Box.
Karel Abraham mit skeptischem Blick in seiner Box (© AB Racing).

MotoGP – Flop

 

Es lässt sich kurz machen. Einer der bisher größten Verlierer des Jahres 2015 heißt Karel Abraham. Beim Tschechen gilt die alte Fußballerweisheit: Erst lief es schlecht und dann kam auch noch Pech hinzu. Sieben Rennen, fünf Ausfälle. Ein 17er und ein 21er Platz. Sportlich läuft überhaupt nichts zusammen. Dann jetzt in Barcelona auch noch ein übler Abflug per Highsider. Abraham verletzt sich dabei schwer, kugelt sich den großen Zeh am linken Fuß aus. Blitzoperation noch vor dem Rennstart und die Prognose für einen Ausfall von vier bis sechs Wochen. Keine Punkte 2015 (2014 waren es zu diesem Zeitpunkt schon 13), dazu der Hauptsponsor noch vor dem Saisonstart weg. Und sportlich läuft, wie gesagt, nichts zusammen. Nicht umsonst wollen die Gerüchte nicht verstummen, dass 2015 die vielleicht letzte Saison für Abraham in der MotoGP sein könnte.

Was sonst noch los war

 

  • Sinkt der Stern von Ducati schon wieder so ein ganz klein wenig? In Katar kämpften sie zum Saisonstart um den Sieg. Und bis auf Jerez waren sie in jedem Rennen auf dem Podium. Doch jetzt in Barcelona der zweite Ausfall von Andrea Dovizioso in Folge und auch Andrea Iannone schafft es nicht unter die ersten drei. Zufall oder Abwärtstrend?
  • Massive Probleme scheinbar auch bei Cal Crutchlow. Der Brite vom CWM LCR Honda Team war gut in die Saison gestartet. Zweimal siebter, dazu dritter in Argentinien. Doch in Barcelona setzte es den dritten Nuller in Folge. Irgendwas scheint mit Fahrer und Bike gerade gar nicht zu passen.
  • Nach der sensationellen Doppelpole wurde Suzuki im Rennen schon in der ersten Kurve auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Regelrecht durchgereicht wurden Aleix Espargaro und Maverick Vinales. Während Espargaro nach kurzem Schnuppern am Podium zum dritten Mal in Folge ausfiel, kämpfte sich Teamkollege Vinales bis auf Rang sechs ins Ziel. Sein bislang bestes Ergebnis in seiner ersten MotoGP Saison. Mit Suzuki ist weiter zu rechnen.
  • Der Ausfall von Marc Marquez – der dritte bereits in diesem Jahr. Ein Dani Pedrosa, der mit fast 20 Sekunden Rückstand immerhin auf Platz drei ins Ziel rollt, selbst aber auch gesundheitlich noch nicht zu 100 Prozent wieder fit ist. Honda droht eine Seuchensaison. Die Fahrer WM ist wohl weg und auch bei der Konstrukteurs WM sieht es düster aus. Nur Rang drei hinter Yamaha und Ducati. Und ein Ende der Probleme ist nicht absehbar. Quo Vadis Honda?
Schwieriges Wochenende für Ducati und Andra Dovizioso
Schwieriges Wochenende für Ducati und Andra Dovizioso (© Ducati)
Probleme bei Cal Crutchlow in Barcelona
Probleme bei Cal Crutchlow in Barcelona (© CWM LCR Honda).
Starker Auftritt von Maverick Vinales und Suzuki.
Starker Auftritt von Maverick Vinales und Suzuki (© Suzuki)
Lichtblick Für Honda: Dani Pedrosa auf dem Podium.
Lichtblick Für Honda: Dani Pedrosa auf dem Podium (© Repsol Honda)

Das Moto2 Podium in Barcelona mit Alex Rins, Johann Zarco und Tito Rabat.
Das Moto2 Podium in Barcelona mit Alex Rins, Johann Zarco und Tito Rabat (© Dorna).

Die Moto2

 

Dieses Rennen hatte es wirklich in sich. Spannung bis zur allerletzten Kurve. Wenn man sich rein die Führenden der einzelnen Runden ansieht müsste man schnell zur Erkenntnis kommen: Tito Rabat hatte das Rennen bis zur letzten Runde komplett im Griff. Doch dem war gar nicht so. Zwar führte er das Feld 18 von 22 Runden an, doch am Ende siegte Johann Zarco. Nie war es Rabat in der ganzen Zeit gelungen einen größeren Vorsprung als 0,2 Sekunden vor dem Hintermann herauszufahren. Und so wurde es zu einer regelrechten Hetzjagd um Rang eins zwischen eben Tito Rabat, Alex Rins, Johann Zarco und Sam Lowes. Der WM-Führende Zarco war nicht nur ein glücklicher Gewinner in Barcelona, sondern auch ein verdammt cleverer. Denn er schaute sich den Fight zwischen Rabat und Rins lange als Dritter an, bevor er erst Rins in der vorletzten und Rabat in der letzten Runde mit einem sehr erfahrenen Konter auf die Plätze verwies. Eine schon fast weltmeisterliche Leistung von Zarco, der damit weiterhin souverän das WM-Klassement anführt. Alex Rins und Tito Rabat komplettieren das Podium neben Zarco.

Eher unbefriedigend verlief das Moto2 Rennen in Barcelona aus deutscher Sicht. Jonas Folger hatte gesundheitlich angeschlagen den zweiten Startplatz herausgefahren, musste aber in der ersten Runde kräftig Federn lassen. Ein schlechter Start brachte ihn mitten ins Getümmel. Er musste ausweichen um eine Kollision zu vermeiden und wurde so weit hinten ins Feld zurückgereicht. Mit einem tollen Kampf und hervorragenden Rundenzeiten reichte es zu Rang sieben. Eine mehr als bravouröse Leistung, denn Folger war nach dem Rennen aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung froh, überhaupt das Ziel erreicht zu haben.

Mit großen Zielen war auch Sandro Cortese ins Rennen gegangen. Seine Maschine lief in allen Trainingssessions sehr gut und so war die Zuversicht für ein erfolgreiches Rennen groß. Doch schon in der ersten Runde kollidierte Cortese unverschuldet mit Xavier Simeon und schied aus.

Ohne Punkte blieb auch Marcel Schrötter, der als 16er die Punkteränge jedoch ganz knapp verpasste. Auch in Barcelona hatte Schrötter massiv Probleme seine Tech3 Maschine fahrbar abzustimmen. Lange kämpfte er um bessere Platzierungen im Rennen, verpasste den WM Punkt auf Platz 15 aber um 0,3 Sekunden.

Florian Alt war von Startplatz 23 ins Rennen gegangen und erreichte als 21er das Ziel. Ein klein wenig konnte er sich damit von den ganz hinteren Plätzen entfernen, doch er bleibt weiterhin von einem Top20 Ergebnis entfernt.

Sein Lachen steckt einfach an: Der zweitplatzierte Enea Bastianini
Sein Lachen steckt einfach an: Der zweitplatzierte Enea Bastianini (© Gresini Racing Team Moto3)

Die Moto3

 

The same procedure as every race. Möchte man in der Moto3 sagen. Und ja, es ging auch diesmal mächtig eng bis ins Ziel zu. Eine Gruppe von sechs Fahrern hatte sich gegen Mitte des Rennens vom Feld abgesetzt. Danny Kent, Enea Bastianini, Efren Vazquez, Niccolo Antonelli, Miguel Oliveira und Jorge Navarro trennte im Ziel keine Sekunde voneinander. Viel war in den letzten Runden taktisch geprägt. In fast jeder Kurve kam es zu Führungswechseln. Fast hatte man den Eindruck, niemand wollte auf Platz eins liegend in die letzte Runde gehen, um nicht von einem Konkurrenten noch im Windschatten überholt zu werden. Doch Danny Kent fasste sich in der letzten Runde ein Herz, übernahm die Führung und rettet den ersten Platz und damit seinen vierten Sieg 2015 ins Ziel. Er bleibt damit souverän WM-Leader. Kent siegte vor Bastianini und Teamkollege Vazquez.

Während Danny Kent vom WM Titel scheinbar kaum noch abzuhalten ist, geht es für einen anderen Fahrer immer weiter zurück in der Ergebnistabelle. Rookie Fabio Quartararo war wie ein Blitz in die Saison eingeschlagen. Ein zweiter Platz im zweiten Rennen ließ aufhorchen, doch dem 16jährigen Franzosen geht momentan scheinbar etwas die Puste aus. Zweimal (in Le Mans und Mugello) war er nach einem Sturz ausgeschieden. In Barcelona wollte er es jetzt besser machen, auf einer Strecke, die er durch seine Zeit in der Repsol CEV Meisterschaft zu genüge kennt. Doch Quartararo schafft es am gesamten Wochenende nicht, zusammen mit seinem Team ein für ihn fahrbares Bike auf die Trecke zu stellen. Ein enttäuschender 14er Rang kam dabei nur heraus. Immerhin Punkte, immerhin kein Sturz, aber kein Ergebnis, mit dem sich Quartararo wirklich zufrieden zeigte.

Noch ein Blick auf Philipp Oettl. Der einzige deutsche Vertreter in der Moto3 fuhr mit einem tollen zehnten Rang sechs WM Punkte ein.

 

(Markus Kahl)

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Kommentare: 1
  • #1

    Hiromi Kuroi (Dienstag, 16 Juni 2015 16:41)

    Ausführlich und gut Kommentar. Finde ich es gut.