Drei Gründe, warum in der MotoGP keiner mehr Casey Stoner braucht

Casey Stoner in der Honda Box
Casey Stoner in der Honda Box (©HRC)

Stoner. Stoner. Stoner. Kaum ein Fahrer, der nicht zum aktiven Feld gehört, ist so in aller Munde. Viel wird spekuliert: Kommt er für ein paar Rennen zurück? Steigt er wieder ganz in die MotoGP ein? Wollen ihn wirklich die Fans zurück haben oder schreiben da nur ein paar Journalisten ein Comeback herbei?

 

Wir sagen: Niemand braucht in der MotoGP Casey Stoner. Warum?



1. Stoner hat im Paddock verdammt viel verbrannte Erde hinterlassen.

 

„Niemand kümmert sich einen Scheißdreck um uns Fahrer. Wir sind Spielzeuge und Puppen, die auf der Piste ihren Job verrichten sollen“. Peng. Das sitzt. Und weiter geht’s: „Wir werden nur noch wie Rennpferde behandelt. Die Verantwortlichen verlangen, dass wir rausfahren und so unbarmherzig wie möglich fighten, so schnell wie möglich fahren und möglichst viel riskieren. Es gibt nicht mehr viele Menschen die Respekt vor dem haben, was wir wirklich leisten“. Alles Zitate von Stoner, als er 2012 seinen Rücktritt bekannt gab. Harte Worte, gegen niemanden direkt und doch gegen alle gerichtet. Wenn man als Teamchef einen erfolgreichen Fahrer benötigen würde, müsste man die ganzen Schimpftiraden von damals vergessen und einzig und alleine sich darauf konzentrieren, dass Stoner ein verdammt guter und schneller Fahrer war. So jemanden will jeder gerne auf seiner Maschine sitzen sehen. Doch der Australier hatte seinerzeit mit vielem und vielen gebrochen. Wer seine Autobiografie liest merkt, dass sich Stoner in vielen Fällen völlig missverstanden von Verantwortlichen im Paddock, den Medien aber auch Fans gefühlt hat. Er wollte immer nur Rennen fahren. Der ganze Zirkus drum herum passte ihm nicht. Doch zum Spitzensport gehört eben einfach etwas mehr dazu, als nur schnell zu fahren. An dieser seiner Einstellung hat sich in seiner ganzen aktiven Zeit nichts geändert – insbesondere zum Ende hin. Immer schaute er ein wenig neidisch auf einen Valentino Rossi, dem die Fanherzen zujubelten. Stoner war respektiert, aber nicht geliebt. Aber er tat auch nichts dafür, sondern blieb ein unterkühlter und distanzierter Topfahrer. Warum sollte also überhaupt jemand wollen, dass er zurückkehrt? Ob die Begeisterung der Fans wirklich so groß wäre? Klar, jeder will entsprechende Duelle auf der Strecke sehen. Je mehr Fahrer fighten, umso spannender ist es. Aber ist es das – gerade in 2015 – nicht mehr als genug? Und genau damit kommen wir zu nächsten Argument:

 

2. Stoner ist raus aus dem Wettbewerb.

 

Wie jetzt? Casey fährt doch als Testfahrer für Honda. Wie soll er da raus sein? Schnelles Fahren verlernt man nicht. Ja und Nein. Klar war Stoner ein Topfahrer. Vielleicht ist oder wäre er es heute immer noch. Er ist seit einiger Zeit Testfahrer für Honda, bleibt seiner alten Rennfamilie somit erhalten. Doch das Testen einer MotoGP Maschine ist das eine, schnelle und erfolgreiche Rennen zu fahren das Andere.

 

Schauen wir uns beispielsweise an, wie es bei einem sehr guten Bundesligaspieler im Fußball läuft. Er spielt eine gute Saison, verletzt sich jedoch und fällt für mehrere Monate aus. Er macht sein erstes Spiel und viele sind verblüfft, dass er plötzlich nicht mehr so gut ist wie noch vor seiner Verletzung. Hat er plötzlich das Fußballspielen verlernt? Ganz sicher nicht. Doch so komisch das klingt: Ihm fehlt die Wettkampfpraxis. Und genauso ist es in jedem Hochleistungssport, auch in der MotoGP. Wir reden hier oftmals von Zehntelsekunden, die einen Platz zwischen Himmel und Hölle ausmachen. Stoner ist seit über zwei Jahren kein Rennen mehr auf diesem Niveau gefahren. Er ist älter geworden, die Technik hat sich verändert, es sind neue Gegner dazu gekommen. Vieles ist neu, an das sich der Australier erst wieder gewöhnen müsste. Dass er ab dem ersten Rennen bei einem möglichen Comeback direkt wieder um ein Podium wieder mitfahren würde: Nicht unmöglich, aber doch ein ganzen Stück unwahrscheinlich. Außerdem kommt dazu, dass eine junge Meute von sehr talentierten Fahrern schon im Hintergrund lauert. (Vinales, vielleicht bald Rins aus der Moto2 oder sogar Quartararo aus der Moto3) Und damit wären wir direkt bei:

Ein Comeback von Casey Stoner in der MotoGP. Wunschgedanke oder realistisch?
Ein Comeback von Casey Stoner in der MotoGP. Wunschgedanke oder realistisch? (©HRC)

3. Für Stoner ist kein Platz.

 

Denn wo soll Stoner fahren? Die Plätze bei seinem derzeitigen Team Honda sind besetzt. Klar, niemand weiß, wie lange das mit Dani Pedros noch funktioniert. Vielleicht muss Pedrosa am Ende der Saison doch aufhören, weil es mit seinem Arm einfach nicht mehr so funktioniert wie er es sich vorstellt. Also würde HRC den Platz neben dem Überflieger Marc Marquez durch Stoner besetzen.

 

Ganz ehrlich: Was würde Marquez davon halten? Der Spanier ist die Zukunft bei Honda, er ist die klare Nummer eins. Wenn man ihm einen Teamkollegen wie Stoner hinsetzen würde, könnten am Ende beide darunter leiden. Marquez, weil er sich vielleicht verletzt fühlen würde und herabgesetzt in seinem Status. Und Stoner, weil er vielleicht nicht ab dem ersten Moment die Topleistung abrufen könnte, die alle von ihm erwarten. Es gäbe Knatsch und Ärger in der Box bei Honda, spannungsfrei würde so etwas sicher nicht verlaufen. Ob sich Honda so etwas wirklich antun wollte?

 

Aber auch bei den anderen Teams sieht es nicht besser aus. Bei Yamaha sind die Plätze durch Jorge Lorenzo und Valentino Rossi besetzt. Keiner zeigt nur annähernd Absichten das Team zu verlassen. Tür zu. Auch bei Ducati: Warum sollten die Verantwortlichen jetzt, wo es endlich besser mit der Maschine läuft, ihre Piloten tauschen? Sowohl Andrea Dovizioso als auch Andrea Iannone zeigen gute bis sehr gute Leistungen. Die Maschine wird immer besser, ein Grund für einen Fahrerwechsel ist nicht ansatzweise am Horizont erkennbar. Was bleibt da an Teams noch übrig? Suzuki? LCR Honda? Vielleicht KTM 2017? Nein, nichts von dem macht irgendwie Sinn. Wenn Stoner wirklich wieder fahren wollte, dann nur mit entsprechend gutem Material. Doch da ist – aus unserer Sicht – derzeit weit und breit nichts in Sicht. Und ein Gedanke hierbei nur am Rande: Würde ich mir als Teamchef ein junges, hungriges Talent ins Team holen oder einen ehemaligen Weltmeister von dem ich heute nicht weiß, in welcher Verfassung er Rennen fahren könnte? Eben.

 

Was sind diese Gerüchte um ein mögliches Comeback von Casey Stoner also? Nur Schall und Rauch? Nur der Versuch einiger Medienleute, eine Suppe am Köcheln zu halten, die aber niemand essen will? Wir wissen es nicht. Wir stellen uns zum Schluss aber noch die Frage: Was wäre wenn? Was wäre, wenn Stoner wirklich zurückkommen würde? Was wäre mit seiner Lust? Dass er sich vielleicht noch einmal dem Wettbewerb stellen will, kann man sich gut vorstellen. Aber wären seine damaligen Gründe für den Rücktritt nicht Ruck Zuck wieder ganz aktuell auf dem Tisch? Sponsoren- und Medientermine. Testtage. Das ständige Reisen. Das vermeintliche vorgeführt werden. Nichts davon hätte sich geändert. Und wie schnell würde Stoner die Lust an alledem wieder vergehen?

 

Nein, tatsächlich spricht wenig bis nichts für ein Comeback des Australiers. Ein Duell mit einem Marquez wäre mit Sicherheit spannend (gewesen). Doch Stoner hat es bevorzugt, die Wettbewerbsstiefel in den Schrank zu stellen. Momentan hat man teils den Eindruck, er möchte zum Comeback gebeten werden. Er hat damals die Entscheidung getroffen, dem ganzen Zirkus in und um den Paddock Adieu zu sagen. Viele haben es seinerzeit unter sportlichen Gesichtspunkten nicht verstanden. Es gab mal einen schönen Filmtitel von James Bond: Sag niemals nie. Doch in diesem Fall wäre die bessere Wahl: Wir lassen alles so wie es ist. Kein Comeback. Kein Stoner mehr. Nur die Erinnerung an einen sehr guten MotoGP Fahrer.

 

(Markus Kahl)

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