MotoGP Runde 9 - Sachsenring - Marc Marquez reloaded

Selfiealarm auf dem Podium der MotoGP am Sachsenring: Dani Pedrosa feiert mit Marc Marquez und Valentino Rossi
Selfiealarm auf dem Podium der MotoGP am Sachsenring: Dani Pedrosa feiert mit Marc Marquez und Valentino Rossi (© Gerhard Schiel Photo)

Kann ein MotoGP Rennen langweilig sein? Mmmh. Der Bauch sagt nein, doch Augen und Verstand sagen: Es ist möglich. Also so ein bisschen. Vielleicht. Möglicherweise. Wobei langweilig möglicherweise doch das falsche Wort ist. Unspektakulär würde es wohl besser beschreiben. Ein Rennen ohne besondere Höhepunkte, mit einigen wenigen Überholmanövern an der Spitze. Aber: Auch solche Rennen kann und muss es geben. Es geht nicht immer nur höher, schneller weiter. Warum das Rennen trotzdem in der Nahbetrachtung mehr zu bieten hatte als zunächst angenommen, analysieren wir jetzt.

Das Podium

In der ersten Runde mit Sahnestart: Jorge Lorenzo überholt beide Hondas außen und setzt sich an die Spitze
In der ersten Runde mit Sahnestart: Jorge Lorenzo überholt beide Hondas außen und setzt sich an die Spitze (© Movistar Yamaha MotoGP Team)

Was ein Start. Und dann kam der Einbruch. Nicht auf dem Podium, trotzdem eine Zeile wert. Der Start von Jorge Lorenzo war schon allererste Sahne, wie er die beiden Hondas in der ersten Kurve außen umrundet und so die Führung übernimmt. Aber ein guter Start macht eben noch keinen Sieger. Und auch keinen Podiumsbesucher. Lorenzo kann das Tempo nicht halten und muss sich so mit dem undankbaren vierten Platz begnügen.

 

Doch jetzt Konzentration aufs Podest. Marc Marquez reloaded. Genau so muss man es festhalten. Nach einer echten Durststrecke (muss man bei einem Werksteam wohl so sagen), gewinnt Marquez nach sechs Rennen ohne Sieg wieder ein Rennen. Klar, zwei Podestplätze zwischendurch sind in Ordnung. Wenn man allerdings den Maßstab hat, Weltmeister werden zu wollen, reichen diese Platzierungen – wie man in der WM Tabelle sieht – einfach nicht aus. Doch es gibt ein kleines, aber entscheidendes Detail was Marquez seit dem letzten Rennen in Assen wieder zurück auf die Siegerstraße bringt: Das 2014er Chassis. Honda muss sich mit der Neuentwicklung für 2015 irgendwie selbst ins Bein geschossen haben. Das Rennen von Marquez: Heute völlig fehlerlos. Geduldig legt er sich Jorge Lorenzo zurecht und überholt ihn in Runde fünf. Der Platz an der Sonne, den er bis zum Ende nicht mehr hergibt. Hinter dem Honda Piloten liefern sich Teamkollege Dani Pedrosa und Yamaha Pilot Valentino Rossi ein durchaus interessantes Duell. Lange hält Rossi die Position hinter Marquez auf Platz zwei, doch in der 17. Runde macht Pedrosa ernst und zieht am Italiener vorbei. Es bleibt zwar recht eng zwischen den beiden, aber an Pedrosa kommt Rossi nicht mehr vorbei. Er arrangiert sich mit dem letzten freien Platz auf dem Podest – ein gern genommener, denn er baut damit auch seine WM-Führung auf Teamkollege Lorenz auf jetzt 13 Punkte aus.

MotoGP - Top

Obenauf am Sachenring: Marc Marquez
Obenauf am Sachenring: Marc Marquez (© gp-photo.de, Ronny Lekl)

He is back. Man muss es auch an diesem Wochenende wieder so machen. Der Sieger des Rennens ist gleichzeitig auch der große Gewinner des Wochenendes. Nach einer langen Durststrecke ist Marc Marquez zurück auf dem Platz an der Sonne. Was ist so plötzlich passiert, dass Marquez wieder siegen kann?

 

Zwei Faktoren kommen begünstigend zusammen. Erstens: Die Strecke. Seit 2010 hat am Sachsenring in schöner Regelmäßigkeit ein Honda Pilot gewonnen. Zuletzt dreimal Marc Marquez, davor dreimal Dani Pedrosa. Der Sachsenring liegt den Hondas einfach. Zweitens: Der Chassis Wechsel. Honda hatte über lange Strecken der Saison massive Probleme mit dem neuen 2015er Modell. In Assen wurde wieder auf das Vorjahresmodell zurückgegriffen. Und siehe da: Plötzlich sind die Hondas wieder konkurrenzfähig. Zweimal ein Bonus ergibt einen Sieg. An diesem Wochenende hat für Marquez einfach alles gepasst.

MotoGP - Flop

Volle Schräglage nur im Training: Scott Redding
Volle Schräglage nur im Training: Scott Redding (©gp-photo.de, Ronny Lekl)

Diesen jungen Mann in diese Kategorie einzuordnen fällt mir nicht ganz leicht. Vor allem, weil es das zweite Mal in Folge ist. Aber man muss den Faktor Sympathie einfach mal knallhart zur Seite schieben und ganz nüchtern die Ergebnisse betrachten. Und die sprechen nicht für Scott Redding. Viele Gerüchte kommen jetzt vor dem „silly summer“ auf. Die Zeit, in der die Verhandlungen über neue Verträge fürs kommende Jahr in vollem Gange sind. Wenn man diesen Gerüchten vertrauen darf, dann wackelt der Stuhl bei Scott Redding beim MarcVDS Team bedenklich. Aber wie das mit Gerüchten so ist: Es sind eben keine Fakten und so heißt es: Abwarten.

 

Redding macht es den Kritikern am Sachsenring jedoch leicht, stürzt nämlich bereits in der ersten Runde. Heißt zusammengefasst: 1/3 der Hinrunde hat der Brite die Zielflagge nicht gesehen. Zweimal holte er ein einstelliges Ergebnis, beim Rest Ergebnisse zwischen Platz 11 und 13. Keine Ergebnisse die Redding angestrebt hat. Vielleicht tut ihm die Sommerpause jetzt ganz gut um danach noch für einen Stimmungsumschwung zu sorgen.

Was sonst noch los war

  • MotoGP am Sachsenring ohne deutsche Beteiligung. Stefan Bradl musste wegen eines Kahnbeinbruchs in der rechten Hand zuschauen. Präsent war er trotzdem bei vielen Terminen von Sponsoren und des Teams. Ersatz gab es für ihn im Team durch Claudio Corti, der das Rennen jedoch mit technischen Problemen nicht zu Ende fahren kann.
  • Hier gab es wohl keine Stallorder. Unbemerkt von den Kameras gab es beim Suzuki Team das heißeste Duell des Wochenendes. Maverick Vinales und Teamkollege Aleix Espargaro lieferten sich ein gnadenloses Duell um den zehnten Platz, dass Espargaro am Ende mit 0,021 Sekunden Vorsprung für sich entscheidet. Beide Suzuki Piloten waren extra zum Wochenende in einer neuen Lackierung angetreten. Grund ist der 30. Geburtstag der Suzuki GSX-R Maschine.
  • Andrea Dovizioso bleibt bei Ducati der Pechvogel der Stunde. Am Sachsenring gab es den dritten Ausfall aus den letzten vier Rennen. In Le Mans gab es den letzten Podiumsbesuch, danach (fast) nur noch Ausritte ins Kiesbett. Der Italiener sehnt die Sommerpause herbei.
  • Hector Barbera bleibt Führender in der Open Class. Mit Platz 13 am Sachenring sammelte Barbera erneut drei Punkte. Der Spanier liegt damit fünf Punkte vor Loris Baz, dem Teamkollegen von Stefan Bradl beim Forward Racing Team.
  • Wieder unglaubliche Zuschauerzahlen. Am ganzen Wochenende pilgerten weit über 200.000 Zuschauer an den Sachsenring, alleine am Renntag über 90.000. Es war wieder einmal total Party angesagt mit vielen Events und Angeboten für die Besucher. Ein Rennen, das in dieser Form einfach nur eine Bereicherung im WM-Kalender ist.
Fotofinish auf der Ziellinie: Maverick Vinales und Aleix Espargaro auf Suzuki
Fotofinish auf der Ziellinie: Maverick Vinales und Aleix Espargaro auf Suzuki (© Suzuki Ecstar Team)
Schnell unterwegs: Hector Barbera sammelt wichtige Punkte in der Open Klasse
Schnell unterwegs: Hector Barbera sammelt wichtige Punkte in der Open Klasse (© gp-photo.de, Ronny Lekl)

Die Moto2

Abflug in der letzten Kurve vor der Zielflagge: Franco Morbidelli und Tito Rabat
Abflug in der letzten Kurve vor der Zielflagge: Franco Morbidelli und Tito Rabat (© Gerhard Schiel Photo)

Verloren und doch gewonnen. Johann Zarco wird am Sachsenring „nur“ zweiter. Doch dieser zweite Platz ist für den Franzosen viel Wert. Denn: Sein ärgster Verfolger in der WM, Tito Rabat, kann keine Punkte mitnehmen. Allerdings auf höchst dramatische Weise. Letzte Kurve vor Start – Ziel, den dritten Platz zum Greifen nah. Franco Morbidelli auf der Innenbahn direkt neben Rabat. Morbidelli verliert die Kontrolle über seine Maschine, rutscht weg und räumt Rabat mit ab von der Strecke. Beide landen mit spektakulärem Überschlag im Kies. Beide raus, beide ohne Punkte, beide ohne Podestplatz. Bei Rabat tut es einem im doppelten Sinne weh. Denn der Weltmeister von 2014 hatte sich vor einer guten Woche erst das Schlüsselbein gebrochen. Die Operation folgte sofort und nicht mal eine Woche später ist Rabat wieder am Start. Selbst wenn er „nur“ vierter geworden wäre, diese Leistung hätte mehr als ein „Hut ab“ verdient. Doch nun der Crash und der bange Moment, ob er sich jetzt noch ernsthafter verletzt hat. Rabat hat Glück im Unglück, denn die Verletzung bricht nicht wieder auf. Dafür kommt eine neue mit dazu, denn beim Sturz bricht er sich eine Rippe.

 

Während also Rabat und Morbidelli im Kies das Podest abgeben, profitiert Alex Rins vom Sturz der Konkurrenten und erbt Platz drei. Johann Zarco wird zweiter, verliert den harten Kampf gegen Xavier Simeon. Simeon hat richtig Grund zur Freude, denn sein Sieg am Sachsenring ist gleichzeitig der erste Sieg in seiner Motorrad WM Karriere.

 

Richtig düster wird das Bild, wenn man sich beim Heimspiel das Ergebnis der deutschen Piloten anschaut. Florian Alt kann aufgrund einer im freien Training erlittenen Gehirnerschütterung gar nicht antreten. Marcel Schrötter wird bereits in der fünften Runde von der Strecke abgeräumt. Sandro Cortese fährt zwar kurzzeitig um Platz sechs, doch plötzliche Taubheitsprobleme im Arm werfen ihn im Laufe des Rennens auf Rang elf zurück. Genauso wenig läuft es für Jonas Folger, der nach Gripp Problemen und einem Ausritt ins Kiesbett nur den 14 Platz belegt. Eine insgesamt sehr enttäuschende Bilanz.

Die Moto3

Das Moto3 Podium am Sachsenring: Efren Vazquez, Danny Kent, Enea Bastianini
Das Moto3 Podium am Sachsenring: Efren Vazquez, Danny Kent, Enea Bastianini (© gp-photo.de, Ronny Lekl)

Die Rennen der kleinsten Klasse in der Motorrad Weltmeisterschaft sind vor allem meist eins: Eng, eng und nochmal eng. Ein eng beieinander liegendes Feld aus manchmal sieben, acht, neun Fahrern die um einen Sieg kämpfen. 2015 eher die Regel als die Ausnahme. Beim Grand Prix am Sachsenring war das diesmal nur zum Teil so, denn Sieger Danny Kent zog ab der ersten Runde von der Front weg seine Kreise. Nur Teamkollege Efron Vazquez war lange Zeit in der Lage das Tempo von Kent mitzugehen. Für den Rest des Feldes blieb nur noch der letzte Platz auf dem Podium übrig, um den sich ein großes Feld von Fahrern balgte. Kent und Vazquez zogen dem Rest davon, ab der sechsten Runde wuchs der Vorsprung von einer bis auf knapp zehn Sekunden an. In der Moto3 Welten an Abstand. Kent gewinnt somit mit rund 7,5 Sekunden Vorsprung vor Teamkollege Vazquez, der wiederum gute zwei Sekunden vor Enea Bastianini als Drittplatziertem ins Ziel rollt. Bastianini holt sich diesen Platz mit einem fingergroßen Vorsprung von 0,027 Sekunden vor Romano Fenati und bleibt damit ärgster Verfolger von WM-Leader kennt. Der hat jetzt schon 66 Punkte Vorsprung im WM Klassement. Der WM Titel scheint somit schon in greifbarer Nähe.

 

Auch hier noch schnell ein Blick auf die deutschen Starter: Philipp Oettl wird guter Elfter, fährt mit dem Verfolgerfeld ins Ziel (nur knapp zwei Sekunden Rückstand auf das Podium). Wildcard Pilot Maximilian Kappler scheidet nach einem Crash vorzeitig aus, während Jonas Geitner als 27er und letzter die Ziellinie überfährt.

 

(Markus Kahl)

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