· 

Rasante Sicherheit für die MotoGP

Safety Car Fahrer Carlos Ezpeleta im Gespräch mit MotoSports24
Safety Car Fahrer Carlos Ezpeleta im Gespräch mit MotoSports24 (©www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Die Aufgabe ist vielleicht ganz anders, als man es sich als Laie vorstellt. Das Safety Car spielt in der MotoGP eine ganz andere Rolle als in der Formel 1. Es agiert viel mehr im Hintergrund und ist doch immer präsent. Mit dem Fahrer Carlos Ezpeleta haben wir uns über die die technischen Daten, Aufgaben und Abläufe an einem Rennwochenende unterhalten.

 

MotoSports24: Wenn wir an das Safety Car in der Formel 1 denken wissen viele Zuschauer, was dessen Job ist, weil man es einfach oft auf der Strecke sieht. In der MotoGP ist die Präsenz nicht ganz so hoch. Können Sie in ein paar kurzen Worten die Aufgaben des Safety Cars an einem Wochenende beschreiben?

 

Carlos Ezpeleta: Viele Leute haben tatsächlich die traditionelle Vorstellung des Safety Cars wie in der Formel 1, beziehungsweise bei den Sportarten mit vier Rädern. Doch diese Einsatzweise gibt es sowohl bei der MotoGP wie bei Motorradrennen grundsätzlich nicht. Das Safety Car ist nicht auf der Strecke wenn die Motorräder fahren.

 

Zunächst einmal fährt das Safety Car jeden Morgen raus um eine Inspektion der Strecke vorzunehmen. Wir haben sechs Fahrzeuge, zwei Medizinfahrzeuge. Im Einsatz sind dabei verschiede Fahrzeuge der M Serie von BMW, die uns für die Weltmeisterschaft in einer Partnerschaft zur Verfügung gestellt werden. Das erste Medizinfahrzeug ist ein BMW X5 M, das zweite ein X4 M. Diese beiden Fahrzeuge gehen morgens am Tag des Rennens als erste auf ihre Inspektionstour auf die Strecke.

 

Das wichtigste Fahrzeug ist der X5 M der direkt hinter den Motorrädern auf der Einführungsrunde fährt. Der M4 fährt auch direkt hinter den Maschinen auf der Einführungsrunde, danach aber direkt wieder in die Boxengasse. Mit dem X5 M, den ich steuere, fahren wir hinter den Maschinen die erste Runde, falls ein Unfall passieren würde. Dann kann der Arzt direkt aussteigen und direkt eingreifen falls nötig. Das ist die einzige Zeit bei der die Fahrzeuge auf der Strecke sind. Die restliche Zeit dient es mehr repräsentativen zwecken für Gäste.

Carlos Ezpeleta vor der Safety Car Einsatzflotte am Sachsenring 2015
Carlos Ezpeleta vor der Safety Car Einsatzflotte am Sachsenring 2015 (©www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Gibt es überhaupt die Möglichkeit, dass das safety car während des Rennens auf die Strecke kommt?

 

Ja, aber das Rennen muss vorher durch rote Flaggen abgebrochen worden sein. Wir hatten beispielsweise während des Rookie Cup in den Niederlanden die Situation nach einem heftigen Unfall. Die roten Flaggen wurden geschwenkt und wir sind danach mit dem Medizinwagen auf die Strecke gefahren.

 

Was ist das Besondere an den Safety Cars die bei Ihnen eingesetzt werden? Gibt es da etwas Spezielles gegenüber den Serienmodellen?

Also die Autos die wir benutzen sind die normalen Serienmodelle. Ein paar Kleinigkeiten sind natürlich verändert. Der M4 hat beispielsweise einen Überrollbügel im Innenraum. Seit diesem Jahr benutzen wir beispielsweise auch das Modell mit Wassereinspritzung. Beim Rest der Fahrzeuge sind nur die Sitze speziell. Auch die Technik, sprich Motoren, sind die gleichen wie beim Serienmodell.

Der Unterschied zu Serienmodellen ist ziemlich klein, hier am BMW M6 zu erkennen
Der Unterschied zu Serienmodellen ist ziemlich klein, hier am BMW M6 zu erkennen (©www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Ist der Ablauf am Wochenende immer der gleiche an einem MotoGP Wochenende?

 

Ja, schon. Donnerstags und ab dann jeden Morgen fahren wir immer für eine sogenannte Timing Runde raus wo wir die technischen Dinge beim Fahrzeug und der Strecke checken. Am Samstag haben wir dann die Ausfahrt mit den Gästen. Das ist auch für uns Fahrer eine schöne Sache, da wir den Wagen mal etwas driften lassen können (lacht). Am Sonntag müssen wir dann mehr den vorgegebenen Abläufen für das Rennen folgen.

 

Welche besonderen Fähigkeiten muss man mitbringen um Fahrer eines Safety Cars zu werden?

 

Also die Hürden sind jetzt nicht so hoch wie in der Formel 1. Man muss nicht sehr schnell fahren beispielsweise. Ich selbst bin Touring Rennen in Spanien gefahren die ich auch gewonnen habe. Also, es macht keinen Unterschied ob du eins, zwei Sekunden schneller oder langsamer fährst. BMW freut sich natürlich wenn man eben auch Gästen mal zeigen kann, was auf der Strecke fahrbar ist, auch mit den Fahrzeugen. Daher ist es schon gut wenn jemand am Steuer sitzt, der das Fahrzeug auch gut beherrschen kann.

 

Wie viele Personen fahren das Safety Car an einem Wochenende?

 

Das sind tatsächlich nur zwei Personen. Wir haben die zwei Medizinwagen am Ende der Boxengasse und auf der Strecke. Dort sitzen die Krankenschwestern und der Fahrer dann während des ganzen Rennens drin sofern sie eingreifen müssen.

Die Namen der Fahrer am Einsatzfahrzeug
Die Namen der Fahrer am Einsatzfahrzeug (©www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Gab es eigentlich jemals die Diskussion oder die Idee, das Safety Car ähnlich wie in der Formel 1 einzusetzen?

 

Nein. Sicherheit geht in der MotoGP vor. Wenn also etwas Dramatisches passiert, wird immer mit der roten Flagge das Rennen abgebrochen.

 

Gibt es auch lustige Momente die man bei Ihrem Job erlebt?

 

Na klar. In Le Mans ist beispielsweise auch die Juniorennachwuchsklasse CEV gefahren. Bei den Rennen 2014 und auch 2015 gab es jeweils einen Unfall in der ersten Kurve der ersten Runde als ich im Wagen hinter ihnen her gefahren bin. Dieses Jahr hat niemand etwas im Auto gesagt als wir in der Startaufstellung gestanden haben nach dem Motto: Das wird nicht noch einmal passieren. Zum Glück ist ja auch nichts Schlimmes passiert, aber es war schon unglaublich, dass es ausgerechnet bei diesem Rennen zweimal identisch hintereinander passiert.

 

Möchten die MotoGP Fahrer eigentlich auch immer mal eine Runde mit dem Safety Car fahren?

 

(Lacht). Also gefragt haben sie mich oder uns noch nicht. Aber ich sehe schon wie sie bei den Runden mit den Gästen die Hälse lang machen um zu schauen, was gerade auf der Strecke passiert. Es ist natürlich immer was anderes mit einem Auto über die Strecke zu fahren und zu driften als mit einem Motorrad. Man muss einfach auch sagen, selbst ein Moto3 Motorrad ist schwieriger zu fahren als der Wagen. Es macht natürlich auch Spaß über die Piste zu driften und da schauen die Jungs schon mal gerne zu.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Ezpeleta.

(Das Interview führte Markus Kahl)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0