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Die MotoGP Notizen aus Aragon - Das Imperium schlägt zurück

Jorge Lorenzo feiert seinen Sieg beim MotoGP Rennen in Aragon
Jorge Lorenzo feiert seinen Sieg beim MotoGP Rennen in Aragon (© Movistar Yamaha MotoGP Team)

So langsam aber sicher läuft es auf einen großen Showdown hinaus. Vor Aragon waren es noch 23 Punkte die Valentino Rossi von Jorge Lorenzo trennten, nach dem Großen Preis von Aragon sind es nur noch 14. Vor Aragon hätte ich eine Menge Geld gewettet, dass der Titel in der MotoGP nur und ausschließlich über Valentino Rossi führt. Nach Aragon würde ich den einen oder anderen Euro doch wieder von der Wette entfernen wollen. Nach den starken Auftritten Rossis in Silverstone und auch in Misano schlägt nun das Imperium mit dem Lorenzo Hammer zurück. Noch vier Rennen, 14 Punkte Differenz zwischen den Teamkollegen und WM-Leadern – das kann noch ein ganz heißer Ritt zwischen den Herren Rossi und Lorenzo im Kampf um die WM Krone werden. Was beim Rennen in Aragon los war? Wir dampfen das Rennwochenende in die folgenden Zeilen ein.

MotoGP - Das Podium

Harter Kampf um Platz zwei: Dani Pedrosa und Valentino Rossi
Harter Kampf um Platz zwei: Dani Pedrosa und Valentino Rossi (© Repsol Honda MotoGP Team)

Klare Sache? Klare Sache! Der Sieg in Aragon war in Aragon eine klare Angelegenheit. Schon direkt nach dem Start übernimmt Jorge Lorenzo die Führung und gibt diese bis ins Ziel nicht mehr ab. Man sieht: Wenn er seine Pace von Anfang an fahren kann, kommt kein Konkurrent auf der Strecke mehr mit.

 

Der größte Konkurrent in Aragon sollte eigentlich der Polesetter Marc Marquez werden. Doch schon in der ersten Runde rutschte dem Repsol Honda Werkspiloten das Vorderrad weg und somit auch alle Chancen auf einen möglichen Sieg. Der Weg für Lorenzo war frei. Schon nach zwei Runden sind es fast zwei Sekunden, die Lorenzo vor seinen Konkurrenten liegt. Ein Wert, der sich im Laufe des Rennens auf ein Polster zwischen 2,5 und 3,5 Sekunden einpendelt. Von hinten droht somit kaum Gefahr, ein ungefährdeter Sieg steht für Lorenzo somit in den Büchern.

 

Mit ein Grund für die Entspannung beim Yamaha Piloten: Der aufreibende, dramatische und hochklassige Kampf zwischen Dani Pedrosa und Valentino Rossi um die Plätze zwei und drei. Ab der vierten Runde lauerte Rossi bereits hinter Pedrosa, ohne jedoch anfänglich zu viel Druck auf den Spanier aufzubauen. Pedrosa hatte einen superben Tag erwischt, die Honda lag und fuhr perfekt. So perfekt, dass Rossi erst zum Ende des Rennens seine berühmte zweite Luft einsetzen wollte und konnte, um Pedrosa doch noch hinter sich zu lassen. Gut fünf Runden vor dem Ende versuchte der Yamaha Pilot dann Ernst zu machen. Doch jedes Überholmanöver konnte Honda Pilot Pedrosa retournieren und so war es der kleine Spanier, der zum Schluss hin mit 0,1 Sekunde Vorsprung den zweiten Platz verteidigen kann. Jorge Lorenzo gewinnt somit das Rennen in Aragon vor Dani Pedrosa und Valentino Rossi. Mit seinem Triumph kann Lorenzo den Rückstand in der Fahrerweltmeisterschaft auf 14 Punkte verkürzen.

MotoGP - Top

Dani Pedrosa kann sich zurecht über sein Podest bei der MotoGP in Aragon freuen
Dani Pedrosa kann sich zurecht über sein Podest bei der MotoGP in Aragon freuen (© Repsol Honda MotoGP Team)

Ganz ehrlich: Eigentlich hatte ich ihn schon abgeschrieben. Die Saison 2015 war für Dani Pedros bislang nämlich eine zum Vergessen. Nach dem Saisonauftakt in Katar der halbe Rücktritt, dann doch „nur“ das Fehlen in drei Rennen. Aber außer einem zweiten Platz am Sachsenring und Platz drei in Barcelona war Pedrosa zu keinen weiteren Highlights in der Lage. Es gab die Stimmen die sich fragten, ob und wie die Karriere des Spaniers weitergehen könnte. In Aragon liefert Pedrosa jetzt eine fulminante und atemberaubende Leistung ab. Wie er seine Maschine um die Kurven prügelte und gleichzeitig den von hinten immer stärker drückenden Valentino Rossi in Schach halten konnte, das war schon große Klasse. Selbst als Rossi schon überholt hatte, kämpfte sich der Spanier in der nächsten Kurve wieder vorbei. Niemand hätte Pedrosa einen Vorwurf gemacht, wenn er am Ende nicht mehr auf der letzten Rille um seinen zweiten Platz gekämpft hätte. Für Pedrosa geht es 2015 um nichts mehr. Doch er wollte es scheinbar sich und allen Kritikern zeigen, dass mit ihm in entsprechender Verfassung noch zu rechnen ist. Daher ziehe auch ich meinen Hut vor dieser Leistung und erkläre Senor Pedrosa zum Top dieses Wochenendes.

MotoGP - Flop

Nach der Pole Position gab es bei Marc Marquez noch allen Grund zu strahlen. Nach dem MotoGP Rennen in Aragon jedoch nicht mehr. Sturz und raus.
Nach der Pole Position gab es bei Marc Marquez noch allen Grund zu strahlen. Nach dem MotoGP Rennen in Aragon jedoch nicht mehr. Sturz und raus. (© Repsol Honda MotoGP Team)

Wie passend. Wir bleiben in dieser Kategorie einfach beim gleichen Rennstall. Nach Dani Pedrosa als Top kommt Teamkollege Marc Marquez als Flop. Nach der ersten Saisonhälfte schien Marquez wieder auf einem guten, teils sehr guten Weg. In Indianapolis und San Marino gab es zwei Siege, in Brünn einen zweiten Platz. Fast schien es so, als ob der alte Marquez wieder da wäre, der Sieg auf Sieg folgen lassen würde. Doch nach Silverstone im Regen, wirft Marc Marquez jetzt auch im trockenen in Aragon seine Maschine weg. Und das bereits in der ersten Runde, ohne erkennbaren Grund. Unerklärlich? Unerklärlich. Waren schwache Ergebnisse in der ersten Saisonhälfte noch mit der (scheinbar) schwer zu fahrenden Honda zu erklären, muss man sich jetzt schon fragen: Was ist los mit Mr. Perfect? Fünf Stürze in der Saison 2015 sind mindestens vier zu viel. Marquez war in den letzten Jahren immer ein Fahrer der wusste, wie er seine Maschine am Limit bewegen muss und kann. Teils tänzelte er mit seinem Bike auf der Strecke – zumindest sah es so aus. Doch diese Fehlerlosigkeit und Stärke ist 2015 wie verschwunden. Somit kann das Ziel nur lauten: Volle Konzentration schon jetzt auf 2016.

Was sonst noch los war

Ohne Fortune in seinem MotoGP Rennen in Aragon: Stefan Bradl
Ohne Fortune in seinem MotoGP Rennen in Aragon: Stefan Bradl (© Aprilia Racing Gresini Team)

Problemchen und Probleme prägten das Wochenende für Stefan Bradl. Viel Feintuning an der Abstimmung stand im Vordergrund der Arbeiten in den Trainings. Die richtige Abstimmung für das Rennen wollte nicht gelingen und so kam, was kommen musste. Nur ein 18. Platz und ziemliche Enttäuschung beim Deutschen. „Die Performance der Maschine war zu Beginn sehr gut. Doch im Laufe des Rennens hat der Hinterreifen mehr und mehr Grip verloren, so dass ich ab Rennmitte mit stumpfen Waffen gegen die Konkurrenz fahren musste und keine Aussicht auf eine bessere Platzierung mehr hatte“, sagt Bradl. Irgendwie schade, zumal Teamkollege Alvaro Bautista auf Platz 13 immerhin zwei WM Punkte einfahren konnte.

Beste Platzierung der Saison 2015: Aleix Espargaro in Aragon
Beste Platzierung der Saison 2015: Aleix Espargaro in Aragon (© Suzuki Racing Team)

 

Lichtblick für Suzuki. Nach einigen schwächeren Ergebnissen kann Aleix Espargaro mit einem sechsten Platz im Rennen glänzen. Das beste Ergebnis für ihn in der laufenden Saison und ein Schritt für Suzuki wieder in die richtige Richtung. Hinzu kommt, dass er Teamkollege Maverick Vinales ebenfalls weit hinter sich lassen kann, denn der drohte Espargaro langsam aber sicher den Rang abzulaufen. Durch diesen sechsten Platz zieht Espargaro auch in der WM Fahrerwertung mit zwei Punkten an Vinales vorbei.


Pol Esgaragro bei seinem MotoGP Rennen in Aragon
Pol Esgaragro bei seinem MotoGP Rennen in Aragon (©Team Tech 3 Racing)
Bradley Smith vor der berühmten Steinwand in Aragon
Bradley Smith vor der berühmten Steinwand in Aragon (© Team Tech 3 Racing)

Durchwachsenes Wochenende für das Tech3 Team. Nach dem sensationellen zweiten Platz von Bradley Smith in Misano, war in Aragon nur Mittelklassekost angesagt. Immerhin ein Platz vor dem Teamkollegen, aber die Ränge acht und neun lassen jetzt nicht unbedingt jemanden in Jubelstimmung verfallen. Immerhin: Weit weg von der Musik waren beiden Tech3 Piloten nicht, denn der fünftplatzierte Andrea Dovizioso lag gerade einmal eine gute Sekunde vor Smith und Espargaro, der Weg von der Hausmannskost zum gehobeneren Dinner somit nicht weit.

Die Moto2

Der Jubel kannte keine Grenzen. Tito Rabat nach seinem Moto2 Sieg in Aragon
Der Jubel kannte keine Grenzen. Tito Rabat nach seinem Moto2 Sieg in Aragon (© Estrella Galicia 0,0 Marc VDS Team)

Drama zu Beginn des Rennens. Nach nur zwei Runden muss der Moto2 Umlauf mit der roten Flagge schon wieder gestoppt werden. Xavier Simeon und Dominique Aegerter krachen auf der Piste so unglücklich zusammen, dass ein Rennabbruch unumgänglich ist. Der im ersten Moment recht harmlos aussehende Sturz, entpuppt sich bei der weiteren Untersuchung für Aegerter als wahrer Horror und vermutlich auch das Saisonende. Vier Rückenwirbel, Rippen sowie rechtes Handgelenk und der Mittelhandknochen gebrochen. Dazu noch eine Lungenprellung. Nicht das Wochenende des Schweitzers.

 

Nach dem Restart des Rennens wird die Sache schnell einseitig. Alex Rins, Tito Rabat, Sam Lowes und Jonas Folger fahren sich einen Vorsprung vor dem Rest des Feldes fix heraus. Zuerst führt Rins, bevor in der siebten Runde Rabat an ihm vorbei zieht. Sieht es erst so aus, als ob Rabat klar schneller als Rins fahren könnte, entwickelt sich in der Folge ein heißer Kampf um den Sieg in der Moto2. Mit 0,096 Sekunden Vorsprung rettet Tito Rabat seinen Sieg über die Zielflagge vor Alex Rins, Sam Lowes und Jonas Folger.

 

Mit dem vierten Platz sichert sich Folger nicht nur das beste Ergebnis aller deutschen Fahrer im Feld, sondern auch seine persönlich beste Platzierung seit dem Sieg in Barcelona. Trotzdem: Die Formkurve bei Folger zeigt wieder klar nach oben nach zwei sechsten, einem fünften und jetzt dem vierten Platz in Folge. Ein Blick auf die anderen deutschen Piloten: Sandro Cortese holt mit Platz 13 zwei WM Punkte, Marcel Schrötter auf Rang 15 immerhin noch einen. Florian Alt beendet das Rennen in Aragon als 21er.

Die Moto3

Kein Fahrer freut sich bei Siegen auf dem Podium so intensiv und schön wie er: Moto3 Pilot Miguel Oliveira
Kein Fahrer freut sich bei Siegen auf dem Podium so intensiv und schön wie er: Moto3 Pilot Miguel Oliveira (© Ajo Motorsport)

Miguel Oliveira heißt der strahlende Sieger der Moto3 in Aragon. Fasst möchte man von einem Start Ziel Sieg reden – Oliveira bog als Führender in die erste Kurve ein – doch das würde den engen Duellen in der Moto3 nicht gerecht werden. Wie so oft bildete sich in eine führende Gruppe von Fahrern, in der jeder als Sieger in frage gekommen wäre. Erst ganz am Ende zog sich das Feld etwas auseinander, wenn teilweise auch etwas unfreiwillig.

 

In den letzten zwei Runden waren es neun Fahrer die noch um den Sieg kämpften. Brad Binder führte gemeinsam mit Miguel Oliveira das Feld an und es sah so aus, als ob beide Fahrer mit dem kleinen Vorsprung gegenüber dem restlichen Feld das Rennen unter sich ausmachen könnten. Doch in der letzten Runde kommt plötzlich Enea Bastianini, der Sieger aus Misano, von hinten herangeschossen. Mit dem Willen, erneut das Rennen für sich entscheiden zu können, übertreibt er es aber leider ein bisschen und erwischt bei der Aufholjagd Brad Binders Hinterrad. Die Folge: Beide fliegen ab. In diesem Moment sieht es so aus als ob der WM Führende Danny Kent vom Ausfall seines ärgsten Verfolgers Bastianini profitieren könnte. Doch in der letzten Kurve übertreibt es Kent scheinbar. Ohne Fremdeinwirkung oder Bedrängnis rutscht ihm das Hinterrad weg. Kent fliegt in hohem Bogen von der Maschine und wirft somit wichtige Punkte im WM Kampf weg.

 

Nach dem Ausfall der beiden Führenden in der WM bleibt es somit vier Rennen vor Saisonende beim bisherigen Vorsprung von 55 Punkten von Danny Kent gegenüber Enea Bastianini. Philipp Oettl wird in Aragon hervorragender fünfter, profitiert dabei aber auch vom Ausfall der drei Piloten in der letzten Runde. Nach dem dritten Platz in Indianapolis ist Aragon somit das beste Saisonergebnis für Oettl.

(Markus Kahl)

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