· 

MotoGP Weltmeister 2015 per Gerichtsurteil?

Valentino Rossi 2015 in der MotoGP in Mugello
Volle Konzentration auf den WM Titel: Valentino Rossi (©www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Die Wogen nach dem vorletzten MotoGP Rennen der Saison 2015 in Sepang schlagen weiter hoch. Nach dem Rennen wurde Valentino Rossi von der Race Direction wegen der Berührung mit Marc Marquez und dem folgenden Sturz von Marquez mit drei Strafpunkten belegt. Durch die insgesamt vier Strafpunkte auf dem Konto von Rossi, muss dieser nun beim letzten Lauf in Valencia vom letzten Startplatz aus ins Rennen gehen. Rossi hat gemeinsam mit seinem Rennstall schon am Tag der Entscheidung Berufung eingelegt, diese wurde von den verantwortlichen Stewarts des Motorradweltverbands (FIM) abgelehnt. Valentino Rossi hat nunmehr am heutigen Tage beschlossen, gegen diese Entscheidung in letztmöglicher Instanz vorzugehen und den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) angerufen. Motosports24 beantwortet die wichtigsten Fragen zu diesem Vorgang.

 

War die Entscheidung der Race Direction in Sepang nicht endgültig?

 

Ja und nein. Durch die Bestätigung der FIM Stewarts nach dem Einspruch des Yamaha Teams war die Entscheidung endgültig. Allerdings besteht nach dem Regelwerk der FIM die Möglichkeit, den Internationalen Sportgerichtshof im äußersten Fall anrufen zu können. Diesen Passus hat Rossi für sich gezogen.

 

Warum kann Rossi überhaupt den Sportgerichtshof anrufen?

 

Weil er die mildeste aller möglichen Strafen seitens der Race Direction erhalten hat. Wäre Rossi im Rennen disqualifiziert worden oder er hätte eine Durchfahrtsstrafe durch die Boxengasse erhalten, wäre das Urteil nicht anfechtbar gewesen, ein Gang zum Gerichtshof nicht mehr möglich.

 

Was will Rossi beim Gerichtshof erreichen?

 

Rossi möchte, dass die Strafpunkte aus Sepang wieder gestrichen werden. Entweder ganz oder zumindest zum Teil. Eine Streichung oder Reduzierung würde dazu führen, das Rossi ganz normal seinen Startplatz in der Qualifikation herausfahren könnte und von diesem dann auch ins Rennen gehen kann. Er akzeptiert das Urteil der Race Direction nicht, weil es für ihn zu hart erscheint.

 

Was macht der Gerichtshof jetzt mit diesem Einspruch?

 

Die CAS hat diesem erst einmal stattgegeben. Er wird nun die Beweise noch einmal unter entsprechender Anhörung prüfen. Eine übliche Prüfung sowie ein entsprechendes Urteil sind normalerweise nicht vor sechs bis zwölf Monaten zu erwarten. Da Rossi jedoch die Dringlichkeit angezeigt hat, wird der Gerichtshof eine frühere Entscheidung treffen.

 

Wann gibt es ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs?

 

Die Entscheidung wird spätestens am 6. November 2015 verkündet, somit rechtzeitig vor Qualifikation und Rennen in Valencia.

 

Ist dieses Urteil bindend?

 

Für Valentino Rossi ja. Allerdings ist es laut Reglement des Gerichtshofs möglich, das eine dritte Person als direkt betroffene des Urteils gegen diese Entscheidung vorgeht. Es wäre somit denkbar, das beispielsweise Marc Marquez oder Jorge Lorenzo ebenfalls mit einem Einspruch beim Gerichtshof vorstellig werden.

 

Kann es also passieren, dass wir in Valencia also noch keinen endgültigen Weltmeister für 2015 feiern können?

 

Im schlimmsten Fall ist das so, wie schon in der Frage zuvor ausgeführt, weil es noch zu längeren juristischen Auseinandersetzungen kommen könnte.

 

Gab es so einen Fall schon einmal in der MotoGP?

 

Nein, so einen Fall hat es in der MotoGP noch nicht gegeben. Wegen anderer Fragen wurde schon der Gerichtshof angerufen, nicht jedoch in einer so brisanten Frage, wo es um eine mögliche Entscheidung in der WM geht.

 

Welche Folgen hätte ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs, sollte er das Urteil der Race Direction aufheben?

 

Zuerst einmal dürfte Valentino Rossi ganz normal am Qualifying in Valencia teilnehmen und von diesem Startplatz aus auch ins Rennen gehen. Das wichtigste daran wäre jedoch, dass die Folgen über dieses Urteil hinaus jetzt noch nicht absehbar wären. Man kann jedoch davon ausgehen, dass ein mögliches Urteil zugunsten von Rossi die zukünftigen Entscheidungen der Race Direction völlig aushebeln würde, da jeder Fahrer zukünftig ein Urteil gegen sich durch den Gerichtshof prüfen lassen könnte und dies vielleicht auch tun würde. Das sehen auch profilierte Sportjuristen so. Ein mögliches Beispiel gäbe es schon in der Moto3 in der laufenden Saison. WM Leader Danny Kent wurde durch diverse Urteile der Race Direction in der Startaufstellung zurückversetzt. Hätte er diese Urteile angefochten und Recht bekommen, hätte er durch bessere Startplätze möglicherweise schon die nötigen Punkte für einen WM Titel beisammen. Dem Weg zum Gerichtshof wären durch ein solches Urteil Tür und Tor geöffnet, es könnte zu dauerhaften juristischen Auseinandersetzungen in der Motorrad Weltmeisterschaft kommen.

 

Was passiert, wenn der Gerichtshof den Einspruch von Rossi ablehnt?

 

Dann bleibt alles wie bisher. Sprich: Das Urteil der Race Direction behält seine Gültigkeit, Rossi muss vom letzten Startplatz aus in Valencia ins Rennen gehen.

(Markus Kahl)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0