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Die MotoGP Notizen vom Sachsenring 2016

Sandro Cortese 2016 in der Moto2 für IntactGP am Sachsenring
Es sollte 2016 der nächste Schritt kommen, doch bislang verlief die Saison für Sandro Cortese mehr als enttäuschend. (© IntactGP)

Muss ich jetzt tatsächlich die ganzen Regenlieder wieder anstimmen, die wir eigentlich schon ein Rennen zuvor auf den Plattenteller gelegt hatten? Ja, scheinbar schon. Denn nach der Wasserschlacht in Assen ging es auch am Sachsenring ziemlich feucht zur Sache. In den Notizen vom Sachsenring schauen wir auf merkwürdige Strategien, einen Wechsel in die Rente, überschätzte Potentiale und ein Alien im WM Modus.

 

Ein Weltmeister auf Abwegen. Ein Weltmeister säuft ab. Ein Weltmeister im KO-Modus. Überschriften ließen sich viele ausdenken. Auf den Punkt gebracht war die Frage des Sachsenrings zu Jorge Lorenzo nur diese: Was zur Hölle ist mit dem Weltmeister los? Das Assen und auch der Sachsenring – insbesondere bei Nässe – nicht zu den Lieblingsstrecken des Yamaha Piloten zählen: Geschenkt. Diese Erkenntnis gibt es nicht erst seit 2016. Das es bestimmte Strecken gibt, die ein Fahrer nicht besonders mag: Haken dahinter. Aber das man in einem Rennen oder besser gesagt sogar an einem ganzen Wochenende so dermaßen und urplötzlich dramatisch dem Feld hinterherfährt: Das ist wirklich neu.

 

In Assen vor drei Wochen kündigte sich das Drama von Lorenzo schon ein klein wenig an. Bereits in den Trainingseinheiten nur mittlere bis durchschnittliche Positionen. Die Erklärung: Der Regen. Die Regenschwäche (oder sollten wir besser Regenangst sagen) gibt Lorenzo mittlerweile selbst zu. Entsprechend das Ergebnis beim Spanier: Als zehnter erreicht er das Ziel in den Niederlanden. Jetzt am Sachsenring in Deutschland ging es mit den ungeliebten Bedingungen weiter. Regen und feuchte Piste am Freitag. Doch am Tag der Qualifikation blieb es trocken. Trotz dieser besseren äußeren Bedingungen lief für Lorenzo absolut nichts zusammen. Nicht mal in die direkte Qualifikation für die ersten zwölf Startplätze schaffte er es – der Umweg über das Pre-Qualifying musste genommen werden.

 

Das Rennen selbst war dann nur noch der Höhepunkt eines völlig misslungenen Wochenendes. Durchgereicht im Regen, gedemütigt unter trockeneren Bedingungen. Platz 15 am Ende, ein magerer WM Punkt. Selbst wenn einem der Regen nicht liegt sind das Ergebnisse, die eines Weltmeisters nicht würdig sind. Klar, es kann immer mal nicht laufen, solche Rennen erlebt jeder Fahrer einmal. Aber so saft- und kraftlos hat man Lorenzo selten erlebt. Immerhin: Die Erkenntnis zur Veränderung hat er selbst. „Es müsse was passieren“, so wird der Yamaha Pilot nach dem Rennen in diversen Medien zitiert. Allerdings, denn sonst wird der Kampf um die WM Krone recht bald eine ziemlich einseitige Angelegenheit.

Aber nicht nur Lorenzo war bei Großen Preis von Deutschland völlig von der Rolle, sondern scheinbar das ganze Yamaha Team. Natürlich tippt es sich vom warmen, trockenen Schreibtisch immer leicht auf den Bildschirm. Und klar fallen einem hinterher die Analysen immer leichter als mitten im Orkan. Aber die Frage was mit dem Yamaha Team am Sachsenring los war, die darf und muss man schon stellen. Lorenzos Teamkollege Valentino Rossi mit einer ordentlichen Vorstellung. Als dritter ging er in das Rennen. Auch zu Beginn war an der Spitze des Feldes gut mit dabei. Dann wurde die Strecke jedoch immer trockener und die Regenreifen bauten dramatisch ab. Dann passierte, was ich auch jetzt noch nicht glauben kann. Während viele zum Wechsel an die Box fuhren um ihre Maschine zu tauschen, blieb Rossi auf der Strecke. Ignorierte Runde um Runde die Aufforderung der Box zum Wechsel. Als er dann endlich – allerdings viel zu spät – tatsächlich aufs andere Bike stieg, passierte die nächste Überraschung. Statt auf Slicks zu gehen – die Strecke war auf der Ideallinie mittlerweile ziemlich trocken – fuhr Rossi mit Intermediates raus. Bei Jorge Lorenzo machte man das Gleiche.

 

Klar, die Strecke war noch nicht komplett trocken. Aber konnten die Yamaha Leute nicht sehen, welche Rundenzeiten Marc Marquez mit Slicks auf den Asphalt knallte? Der fuhr Kreise um die Konkurrenz. So verlor nicht nur Lorenzo wertvolle Plätze sondern auch Rossi, der damit endgültig raus war um den Kampf um die Podestplätze. Auch andere Teams verwechselten sich (scheinbar) am Ende, setzten zu spät aufs neue Bike und dann noch auf die falschen Reifen. Gerade in solchen chaotischen Momenten kann man ein Held werden, weil man die Gunst der Stunde richtig nutzt. Oder man ist eben der Depp – so wie scheinbar die Yamaha Truppe an diesem Tag. Doch die Ananas des Tages konnte man dann doch nicht so ohne weiteres überreichen. Denn: Die Strategie von Yamaha war ganz bewusst so gewählt. Das Problem der Maschine war nämlich, dass man die Reifen scheinbar nicht schnell genug auf Temperatur bringen konnte. Mit Slicks erschien es den Yamaha Leuten unmöglich, dies zu erreichen. Deshalb die (wie sich am Ende herausstellte) wohl „falsche“ Reifenwahl. Mit dem jetzigen Wissen kann man sagen: Das Rennen war von den Platzierungen sowieso schon daneben, da hätte man ruhig etwas mehr riskieren können. Somit das zweite Rennen in Folge ohne Podestplatz. Die Ansprüche von Yamaha sind andere.

Valentino Rossi 2016 in der MotoGP auf Yamaha am Sachsenring
Am Ende fuhr Yamaha dem Feld hinterher. Auch für Valentino Rossi war das Rennen alles andere als optimal. (© Movistar Yamaha MotoGP Team)

Dass, was Yamaha an diesem Sonntag falsch machte, das machten zwei Honda Piloten dagegen sehr richtig. Cal Crutchlow ergriff die Chance und peitschte seine Honda auf Slicks auf den zweiten Platz. Er fuhr wie entfesselt und bei ihm war in jeder Faser seines Körpers zu spüren, dass er diesen Podestplatz unbedingt wollte. Ein perfekter Sonntag, dazu dann noch im Parc Ferme die Nachricht via Telefon über die Geburt seines Kindes. Schöner hätte sein Tag nicht laufen können.

 

Man kam als Zuschauer an diesem Sonntag eigentlich nicht mehr aus dem Staunen heraus. In diesem Fall wurde man regelrecht überrumpelt. Ich bin ehrlich: Nach gut zehn Runden war für mich das Rennen für Marc Marquez gelaufen. Absolut gar nichts deutete für mich darauf hin, dass der Spanier dieses Rennen noch für sich entscheiden könnte. Die Regenreifen funktionierten im Nassen zu Beginn nicht wie gewünscht und so wurde Marquez Runde für Runde weiter durchgereicht. Bis auf Platz neun fiel er zurück, doch der Wettergott meinte es mit dem König vom Sachsenring gut. Dreimal war Marquez in der MotoGP in Deutschland bislang gestartet, dreimal gewann er dieses Rennen. Auch 2016 entschied er den Grand Prix dann doch für sich, in einer Art und Weise, die einem mit offenem Mund zurück lässt.

 

Ein anderes Wort als superaffenduperclever fällt mir dafür nicht ein, was Marquez gut zur Hälfte des Rennens machte. Er hatte nichts mehr zu verlieren und ging all-in. Die Strecke trocknete immer schneller ab und so fuhr Marquez als erster in die Box um auf eine Maschine mit Slicks und Trockenabstimmung umzusteigen. Was dann passierte, kann man mit Worten nicht beschreiben. Statt sich vorsichtig ranzutasten und auszuloten, was auf der Strecke möglich ist, knallte der Honda Pilot sofort eine Bestzeit nach der anderen raus. Teils bis zu acht Sekunden fuhr er schneller als der Rest des Feldes – pro Runde (!). Als die Konkurrenz mitbekam, was da eigentlich gerade passiert, war Marquez allen schon enteilt. Mit einer perfekten Mischung aus Können und einer dicken Portion Mut fuhr er Kreise um den Rest. Nach fünf Runden hatte er die Spitze übernommen. Der Wahnsinn in Tüten konnte mit dem vierten Triumph in Folge für Marquez am Sachsenring weitergehen. Wer damit der Topfavorit Nummer eins auf den WM Titel 2016 ist, das muss man nach diesem Erlebnis wirklich keinem mehr in die Bücher diktieren.

Stefan Bradl 2016 in der MotoGP für Aprilia am Sachsenring
Quasi schon bald ein Bild aus alten Zeiten? Stefan Bradl vor dem Abschied aus der MotoGP. (© Aprilia Racing Team Gresini)

Von einem anderen Fahrer müssen wir uns wohl schon jetzt langsam aus der MotoGP verabschieden. 2015 stoppte ihn ein Bruch in der Hand, 2016 ein Crash im morgendlichen Warm-Up. Stefan Bradl und der Sachsenring: Zwei, die vermutlich keine dicken Freunde mehr werden. Bei sehr nassen Bedingungen flog Bradl am Morgen des Rennens ab. Prellungen und eine Gehirnerschütterung machten den Start anschließend unmöglich. Doch neben des sportlichen auf der Strecke, verursachte Bradl auch abseits einigen Gesprächsstoff. Der Platz bei Aprilia ist für 2017 definitiv weg, was scheinbar „nur“ noch als Option bleibt ist der Wechsel zu einem kleineren Privatteam, um 2017 weiter MotoGP fahren zu können. Doch Bradl hat scheinbar – so ist zu hören und zu lesen – auch Angebote aus der Superbike WM. Bradl selbst bezeichnet diese Motorradklasse als 2. Liga des Motorradsports. Und doch ist er laut aktuellen Medienberichten fest entschlossen, freiwillig diesen Weg in die „2. Liga“ zu gehen.

 

Für mich ist dieser Schritt nur schwer nachzuvollziehen. Die Ausgangslage ist wie folgt. Bradl kann nur noch die Option „kleines Privatkundenteam“ in der MotoGP ziehen. Bei einem solchen Team wollte Bradl 2015 auch durchstarten. Das Ergebnis kennen wir: Bei Forward Yamaha war nach der Hälfte das Jahres Schluss, denn das Team war durch die Inhaftierung des Teamchefs urplötzlich handlungsunfähig und pleite. Sind diese Erinnerungen so stark bei Bradl, dass er diese Option für sich ausschließt? Möglich wäre es. Doch was würde ihn stattdessen in der Superbike-WM erwarten? Immer wieder wird dort das Honda Team genannt, das angeblich Interesse an Bradl hat. Doch die dort verwendete Maschine hinkt dem Feld schon eine ganze Weile meilenweit hinterher, ist technisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Ob dort ausgerechnet 2017 der ganz große Schritt kommt? Hinzu kommt, dass es keine Selbstläufer ist, dass ein MotoGP Pilot in der Superbike-WM direkt Kreise um den Rest des Feldes fährt. Man schaue sich die Wechsel der letzten Jahre an: Mehr als Mittelfeldplätze und vereinzelte vordere Überraschungen war für diese Piloten nicht drin. Das mögliche Argument von Bradl – ein Wechsel in die Superbike-WM um endlich wieder ums Podest mitfahren zu können – ist somit nicht wirklich standfest.

 

Man braucht dort Zeit zur Eingewöhnung und genauso funktionierendes Material. Und der Schritt zurück, von der Superbike-WM wieder in die MotoGP, ist eigentlich unvorstellbar. Jedenfalls hat es diesen Wechsel so noch nicht gegeben. Und versetzen wir uns in die Lage eines Teamchefs: Wen würde er wohl verpflichten wollen? Ein junges, hungriges Talent aus der Moto2 oder einen Superbike Fahrer, der langsam aber sicher auf die 30 zugeht? Die Frage beantwortet sich von selbst. Die wahren Gründe für diesen Schritt kennt Stefan Bradl nur selbst. Jedes weitere Wort von mir ist daher pure Spekulation. Doch anhand der geschilderten Fakten wäre dieser Schritt (aus meiner Sicht) wohl nicht der Richtige.

Apropos Schritt. Den wollten zwei Deutsche Moto2 Fahrer 2016 auch machen. Sandro Cortese im vierten Jahr bei IntactGP und Marcel Schrötter durch seinen Wechsel von Tech3 hin zur gewünschten Kalex beim AGR Team. Schauen wir uns die Fakten an. Cortese hatte in seinem ersten Jahr der Moto2 insgesamt 19 WM Punkte herausgefahren. Im zweiten Jahr wurden es in der Endabrechnung 85, im dritten Jahr 90. 2016 kommt er nach der Hälfte der Rennen auf 15 WM Punkte. Neun Rennen stehen in diesem Jahr noch aus. Drei der neun absolvierten Rennen endeten ohne Zielankunft. 2015 kam Cortese viermal nicht ins Ziel. Das sind die Zahlen, bei denen man (leider) nur einen Schluss draus ziehen kann: Es geht nicht nur nicht voran, sondern mindestens drei Schritte zurück. Es ist null Entwicklung erkennbar. Im vierten Jahr der Moto2, mit dem mehr an Erfahrung, kann man schon fast von einem Desaster sprechen.

 

Es tut mir weh und auch persönlich leid, zu so einem harten Urteil kommen zu müssen. Denn im persönlichen Umgang sind das alles umgängliche und nette Jungs mit denen man da zu tun hat. Aber die reinen Fakten sprechen sportlich eben eine ganz eigene Sprache. Und die Bilanz ist, das kann man drehen und wenden wie man will, einfach schlecht. Beim Blick auf die Bilanz von Marcel Schrötter wird es leider auch nicht wirklich besser. 12 Punkte standen 2015 zur Halbzeit für ihn auf der Uhr, 2016 sind es 22. Nicht mal eine Verdopplung von einem ganz niedrigen Niveau. Es passieren eben auch 2016 Ergebnisse wie in Mugello, wo Schrötter von einem tollen Startplatz fünf aus am Ende nur 18er wird. Oder jetzt am Sachsenring: Wahnsinns Beginn von Startplatz neun aus bis vor an die Podestplätze. Doch dann rutscht Schrötter die Maschine ins Kies. Klar, das waren unglaublich schwierige Bedingungen auf der Strecke. Aber diese Bedingungen galten eben für alle.

 

Gerade solche Rennen sind es aber, die man als Außenseiter nutzen kann, um sich durch ein ungewöhnliches Ergebnis mit Selbstvertrauen auszustatten und auf sich aufmerksam zu machen. Weder Cortese noch Schrötter ist das bislang in dieser Saison gelungen. Und es ist eben ein Unterschied, die Maschine einmal auf einen guten Startplatz zu stellen, einige Runden an der Spitze mitzufahren oder eben ein Rennen auf dem Podium zu beenden. Die Ansprüche und Ziele sind bei beiden andere als der momentane Stand in der WM. Aber leider muss man jetzt zur Hälfte der Saison festhalten: Es reicht scheinbar nicht zu mehr. Nur die Reifen oder die Abstimmung alleine sind an solchen Resultaten nicht Schuld. Ich schreibe es wirklich nicht gerne, aber so wird es in der Zukunft sicher nicht leichter einen entsprechenden Platz in der WM zu behalten oder zu bekommen.

Marcel Schrötter 2016 in der Moto2 am Sachsenring
Volle Konzentration voraus. Doch das reichte für Marcel Schrötter am Sachsenring nicht. Er flog im Regen von der Strecke ab. (© AGR Team)

Wie schafft man jetzt den Übergang von Deutschen Fahrern zur Deutschen MotoGP Strecke? Egal. Harter Schnitt, anderes Thema. Im Rahmen des Deutschland Grand Prix kam die Mitteilung vom Promotor Dorna über die Vertragsverlängerung des MotoGP Rennens in Deutschland bis 2021. Man lese genau: In Deutschland, nicht speziell für den Sachsenring. Steht somit das Aus am Sachsenring unmittelbar bevor? Vielleicht ja, vielleicht nein. Ich denke, die Veranstaltung an dieser Rennstrecke steht mit einer Chance von 50/50 auf der Kippe. Ich höre viele Stimmen – vor allem Seitens der Besucher – die rufen: Die MotoGP muss am Sachsenring bleiben, alles andere funktioniert nicht. Wenn man sich die Zuschauerzahlen anschaut muss man dem ohne Frage Recht geben. Über 212.000 Zuschauer am gesamten Wochenende des Deutschland Grand Prix, da muss man eigentlich nicht fünf Sekunden darüber nachdenken, ab 2017 einen anderen Standort anzusteuern.

 

Aber wie das eben oft im Leben ist; jede Medaille hat zwei Seiten. Denn die MotoGP Veranstaltung am Sachsenring muss schon seit Jahren ums Überleben kämpfen. Damit ist man jedoch in guter Gesellschaft. Ich sage nur: Stichwort Formel 1. Schon seit Jahren gehen da jedoch die Zuschauerzahlen dramatisch zurück, der Deutschland GP konnte 2015 noch nicht einmal mehr durchgeführt werden, weil die finanzielle Basis schlicht nicht mehr gegeben war. Die Schwierigkeiten fehlender Zuschauer hat man am Sachsenring zwar nicht, dafür ganz andere Baustellen. Das Hauptproblem ist dort die unglaubliche Zerstückelung der beteiligten Parteien. Es gibt nicht einen Veranstalter, der alles unter seinen Fittichen hat, sondern viele Einzelinteressen von Gesellschaften, Privatpersonen und Gemeinden, die alle Mitsprachrecht haben und haben wollen. Die alle unter einen Hut zu bringen scheint genauso schwer zu sein wie ein Kamel durch das berühmte Nadelöhr zu bringen.

 

Was also tun? Ich habe den Eindruck, eine wirklich langfristige und zufriedenstellende Lösung ist am Sachsenring aufgrund dieser völlig unterschiedlichen Interessenlagen fast nicht möglich. Der Veranstalter will bis Ende August ein fertiges Konzept vorlegen, so dass eine Fortführung des Rennens auch über 2016 hinaus gewährleistet werden kann. Aber wie tragfähig diese Beine sind, die dieses Modell halten sollen, dass ist heute einfach nicht abschätzbar. Somit haben wir den klassischen gordischen Knoten. Doch wie soll der zerschlagen werden? Lösungsmodell eins: Der Wechsel an einen anderen Standort. Immer wieder hört man in diesen Tagen, dass der Nürburgring eine Alternative sein könnte. Der große Vorteil ist die gute und bestehende Infrastruktur. Und ganz ehrlich: Auch dort gab es schon mehr als genug Spektakel und Alarm. Warum soll das nicht auch mit der MotoGP möglich sein?

Heulen die MotoGP Motoren ab 2017 nicht mehr am Sachsenring?
Heulen die MotoGP Motoren ab 2017 nicht mehr am Sachsenring? (© IntactGP)

Es gibt viele Stimmen aus dem Fanlager die sagen, wenn die MotoGP vom Sachsenring weggeht, gehe ich zu keinem Rennen mehr, egal wo es stattfindet. Ist der MotoGP Boom an der sächsischen Strecke daher nur ein regionales Großereignis, wo man sich wie zu einem Volksfest trifft? Fast scheint es so. Denn was spricht denn dagegen – wenn ich den Sport des Sports willen besuche – diesen Besuch an einer anderen Stelle zu machen? Dieses sture festhalten an der Folklore am bisherigen Standort kann ich zwar in kleinen Teilen nachvollziehen, aber zu ganz großen Teilen eben auch nicht. Man muss das ganz nüchtern betrachten: Wenn eine wirtschaftlich tragfähige Lösung am Sachsenring nicht machbar ist, dann geht es eben nicht. So bedauernswert das vielleicht auch sein mag. Aber niemand hat etwas davon, wenn Jahr für Jahr (vielleicht am Ende durch Steuergelder) ein Rennen bezuschusst werden muss, was ausschließlich eine regionale, aber keine nationale Strahlkraft besitzt und nicht kostendeckend arbeiten kann.

 

Modell zwei kann somit der Sachsenring nur dann sein, wenn man die Probleme langfristig und zufriedenstellend lösen kann. Ich habe große Zweifel, ob das gelingen kann. Schon in den letzten Jahren hat man nur unter größten Anstrengungen diesen Event stemmen können. Warum soll sich das ausgerechnet für 2017 und die Folgejahre urplötzlich ändern? Denn die Rahmenbedingungen sind jedes Jahr aufs Neue gleich. Hinzu kommt, dass die Strecke bei Fahrern ziemlich unbeliebt ist – das sei am Rande auch erwähnt. Idealerweise wäre doch folgendes Szenario. Ein Rennen, was sich wirtschaftlich tragen kann, an einer Traditionsrennstrecke, die für Fahrer gute Möglichkeiten bietet, die gleichzeitig trotzdem von Fans angenommen wird und auch eine nationale und vielleicht sogar internationale Strahlkraft besitzt. Unmöglich? Ich meine, nein. Doch dazu müssen sich alle Beteiligten bewegen. Der Veranstalter ADAC, der bei einem möglichen Wechsel des Standorts ganz genau darauf achten muss, alle Beteiligten mitzunehmen. Genauso aber auch die Besucher und Anhänger, die nicht von Grund auf jeden Vorschlag außerhalb des Sachsenrings kategorisch ablehnen sollten. Ich würde mir für den Motorradsport in Deutschland eine gute Lösung wünschen, mit denen am Ende doch viele gut leben könnten – wo auch immer das am Ende sein mag.

 

(Markus Kahl)

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