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Drei Gründe, warum die Moto3 die beste WM Klasse ist

Die letzte Kurve eines Moto3 Rennens. Sehen wir hier vorne wirklich schon den Sieger? Sicher ist das in dieser Klasse nicht.
Die letzte Kurve eines Moto3 Rennens. Sehen wir hier vorne wirklich schon den Sieger? Sicher ist das in dieser Klasse nicht. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Jeder wartet an einem Rennsonntag auf die Jungs mit den dicken Mopeds. Wie in der Formel 1 ist es auch in der Motorrad Weltmeisterschaft die MotoGP, die die Zuschauer in ihren Bann zieht. Über 250 PS donnern da mit teils 350 km/h über die Piste. Ein echtes Biest, was da gezähmt werden muss. Umso verständlicher ist die Begeisterung dafür. Denn einen solchen Bullen muss man erst einmal reiten und die Kraft auf die Straße bringen. Wie harmlos, schon fast süß erscheint da im Gegensatz die Moto3 mit ihren gerade einmal gut 50 PS. Doch die haben es in sich. Denn die kleinste der drei WM Klassen ist die beste. Drei Gründe, die dafür sprechen.

1. Die Fahrer

Die schwächste, die kleinste Klasse. Das ist die Moto3 in der Motorrad Weltmeisterschaft. Ja, es ist gleichzeitig auch die Einstiegsklasse in die WM. Hier haben alle großen Karrieren begonnen. Egal ob sie Valentino Rossi, Marc Marquez oder auch Stefan Bradl heißen. Wer hier an den Start gehen kann oder darf, der kann schon mal nicht völlig blind sein. Aus den Nachwuchsserien wie dem Red Bull Rookies Cup oder der FIM Repsol CEV kommen die Fahrer zumeist, um hier ihre ersten Gehversuche zu machen.

 

Genau das macht es so interessant. Viele der Fahrer sind in den Nachwuchsklassen hoch gehandelt worden. Sie haben dort Siege eingefahren, waren in ihren Altersklassen sehr erfolgreich. Das Wort „Talent“ wird heute schnell und schon fast inflationär benutzt. Doch gerade der Sprung aus beispielsweise einem Rookies Cup kann zu einem bösen Erwachen führen. Dort ist für den Fahrer nämlich alles geregelt, er muss sich auch technisch um (fast) nichts kümmern. Jetzt, in der Moto3 WM, ist plötzlich alles anders. Es gilt, das Motorrad abzustimmen, neue Strecken kennenzulernen und sich mit der gesamten Technik auseinanderzusetzen.

In anderen Klassen zuvor hat er das in kleinerer Form vielleicht schon erlebt. Doch neben dem ganzen technischen Knowhow kommen jetzt auch noch andere Komponenten dazu. Sponsorentermine, Termine mit Presse und Medien, ein höheres Trainingsniveau, das erforderlich ist. Und: Andere Gegner, auf einem neuen Level. All das kann so einen jungen Fahrer schon überfordern und deshalb trennt sich hier die Spreu vom Weizen. Talent alleine reicht nicht mehr, jetzt sind auch anderen genannten Faktoren erforderlich.

 

Diese Entwicklung ist sehr spannend zu beobachten. Denn nur, wer es in der Moto3 schafft sich durchzusetzen, dem wird der Aufstieg in andere Klassen gelingen. Jemand, der in dieser Klasse festhängt, der wird es meist auch nicht weiter schaffen. Die Moto3 bedeutet für viele bereits Endstation ihrer Karriere. Diese Entwicklung zu beobachten ist fast schon das Spannendste an der ganzen Serie. Schafft ein Neuling diesen Sprung vom Talent zum Vollblut Racer? Kann er seine Arbeitsweise verändern und sich den neuen Bedingungen anpassen? Wie schnell schafft er diese Entwicklung? Alles Fragen, die in diesem Anfang einen Zauber innewohnen lassen.

Schon jetzt eine der positiven Überraschungen der Moto3 Saison 2016: Bo Bendsneyder aus den Niederlanden.
Schon jetzt eine der positiven Überraschungen der Moto3 Saison 2016: Bo Bendsneyder aus den Niederlanden. (© Red Bull KTM Ajo Moto3 Team)

2. Die Technik

Spartanisch, puristisch und doch auf dem letzten Stand der Technik. Ein Moto3 Bike ist irgendwie ein komisches Gefährt. Gerade einmal gut 80 kg bringt so eine Maschine auf die Waage. Mancher Motorroller ist da schwerer. Ein Moto3 Bike ist gefühlt nur ein schmales Gerippe mit Motor. Und doch steckt alles drin, was man im Motoradsport erwartet. Die Verkleidung ist komplett aus Carbon – Gewichtsreduktion lautet das Zauberwort.

 

250 ccm darf der Hubraum des Motors maximal groß sein, ein Zylinder darf das Motörchen nur haben und rund 50 PS. Klingt schon fast nach einem Scooter – die Motoren sehen hier ähnlich aus. Der Unterschied ist nur: Ein Scooter beschleunigt nicht in gut drei Sekunden auf Tempo 100, ein Moto3 Bike dagegen schon. Schon in der kleinsten Klasse sind viele Komponenten der Maschine nah dran an den großen MotoGP Bikes.

 

Traktionskontrolle und Launch-Control bei der Elektronik, WP-Gabel beim Federbein, Sechs-Gang Schaltung, Bremsen von Brembo. Ja, im Detail ist vieles natürlich einfacher gehalten. Keine Karbonbremsen, kein Prototyp. Aber genau das macht die Sache doch richtig spannend. Während ein MotoGP Bike vermutlich (mindestens) hohe sechsstellige Summen kostet (die genauen Preise verschweigen die Hersteller natürlich), ist man mit einem Moto3 Bike für unter 50.000 Euro dabei. Gewiss, auch keine kleine Summe. Für ein echtes Rennmotorrad scheint das aber noch bezahlbar.

 

Das macht diese Klasse auch technisch also so interessant. Die Technik ist preislich überschaubar, relativ leicht zu handhaben und zu verstehen. Trotzdem ist es so professionell, wie es für ein echtes Sportbike gehört. Diese Art von relativ einfacher Technik macht natürlich auch die Vergleichbarkeit der Maschinen einfacher. Natürlich unterscheidet sich eine Honda von einer KTM oder einer Mahindra. Aber die Unterschiede dürften doch deutlich kleiner sein als bei einem MotoGP Bike. Eine Technik auf Augenhöhe macht den Fahrer natürlich zu einem noch wichtigeren Faktor.

Fabio Quartararo in der Moto3 in Misano 2016 für Leopard Racing.
Kaum zu glauben, was mit einem Motorrad mit nur gut 80 kg Gewicht machbar ist. Hier fliegt Fabio Quartararo mit einer KTM seines Leopard Teams um die Kurven in Misano. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

3. Die Spannung

Der wichtigste aller drei Punkte. Es soll kann und wird niemand behaupten, dass die Rennen der MotoGP so gut wie ordentliche Schlaftabletten sind. Mit Sicherheit nicht. Aber die kleinste Klasse der Weltmeisterschaft ist dagegen doch noch viel mehr Garantie auf Spannung und Action. Um zu verstehen was ich meine, müssen ein paar Zahlen herhalten.

 

Rennen eins der Saison 2016 in Qatar. Die ersten sieben Fahrer innerhalb von 0,7 Sekunden im Ziel, der Zweite hat gegenüber dem Sieger 0,007 Sekunden Rückstand. Le Mans. Die ersten drei Piloten innerhalb von nicht einmal 0,4 Sekunden im Ziel. Mugello. Fünf Fahrer an der Zielflagge und der Unterschied beträgt nicht einmal 0,1 Sekunde zwischen ihnen. Barcelona, Assen, Spielberg. Die Liste ließe sich fortsetzen. Dazu acht Sieger in 14 Rennen – mehr Spannung und Abwechslung geht eigentlich kaum. Gut, werden jetzt manche einwenden, die MotoGP hat auch acht verschiedene Sieger 2016. Stimmt, aber hier ist es die Ausnahme, 2016 ist ein besonderes Jahr. Für gewöhnlich ist die MotoGP bei der Siegerauswahl konservativ. Das kann man jedoch bei der Moto3 nicht behaupten.

 

Denn hier ist das Fotofinish die Regel und nicht die Ausnahme. Spannung und Abwechslung von der ersten bis zur letzten Kurve, bedingt auch durch die technisch relativ gleichen Maschinen. Natürlich sind unter den ersten Plätzen auch meist die gleichen Namen zu finden. Aber einen Dauersieger gibt es meist nicht, da oft noch in der letzten Kurve nicht klar ist, wer denn jetzt eigentlich die Nase vorne hat. Kann man also mehr Action von einer Rennserie erwarten?

 

Wohl kaum. Alleine wenn man sich die Entwicklung vieler Fahrer in 2016 anschaut. Leute wie Joan Mir, Nicolo Bulega, Fabio Di Giannantonio oder auch ein Bo Bendsneyder fahren heuer ihre erste Saison in der Weltmeisterschaft. Was sie tun ist: Sie wirbeln das Feld durcheinander. Belegen in ihrem ersten WM Jahr gleich Podestplätze oder gewinnen sogar schon ein Rennen. Neue Namen, viel Spektakel, tolle Fights auf der Strecke, Spannung bis zur letzten Kurve, dazu immer wieder viele frische, unverbrauchte Gesichter. So soll Racing sein und so ist es in der Moto3. Daher ist sie für mich die beste Serie in der Motorrad Weltmeisterschaft.

(Markus Kahl)

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Kommentare: 1
  • #1

    Bernd#46 (Freitag, 07 Oktober 2016 17:11)

    Stimme ich voll und ganz zu!!