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KTM Sportchef Pit Beirer im MotoGP Interview: „Die Menschen machen den Unterschied“

KTM Sportchef Pit Beirer in der MotoGP 2017
Wir treffen einen prima aufgelegten KTM Sportchef Pit Beirer am Sachsenring. (© www.gp-fever.de, Steve Wobser)

Manchmal gibt es einfach diese Momente oder Begegnungen, die man beeindruckt verlässt. Dieses Treffen gehört zu dieser Kategorie. Ich treffe KTM Sportchef Pit Beirer am Sachsenring 2017 zum Gespräch. Mir begegnet ein Mann voller Leidenschaft und Feuer. Der mit jeder Faser diesen Motorradsport liebt und die Werte seiner Motorräder lebt. Der Warmherzigkeit ausstrahlt und einfach extrem positiv seine Botschaften vermittelt.

 

Seit 2017 fährt KTM in der MotoGP. Noch ist die Lernphase hoch. Aber das Projekt schreitet voran. Über diese Entwicklung sprechen wir mit Beirer. Und über die Selbstzufriedenheit bei Erfolgen, die Kunst, ein gutes Team zusammenzustellen und warum der Motorradsport seine Nummer eins ist.

Auf einer Skala von 0-10. Wie sportlich zufrieden ist ein Pit Beirer in der Mitte des Jahres 2017?

 

(Schmunzelt) Ja, das ist jetzt schwierig zu beantworten, denn ich sollte ja nicht zufrieden sein, bevor wir Rennen gewinnen. Aber man muss ja auch realistisch bleiben. Wenn ich das langfristige Ziel im Auge behalte, muss ich natürlich noch völlig unzufrieden Vollgas an meine Leute weitergeben. Aber das wäre vermessen. Ich muss eigentlich fast eine Zehn nennen. Wir sind ja realistisch in das Projekt gestartet, waren jetzt keine Traumtänzer und haben erwartet, im ersten Jahr unter den ersten zehn mitzufahren. Die ganzen Schwierigkeiten, die wir erwartet haben, sind auch eingetreten.

 

Wir haben im ersten Rennen auf dem letzten Platz im Qualifying angefangen – auch wie erwartet – waren über eine Sekunde hinter dem Vorletzten und jetzt haben wir mal einen achten Platz in Le Mans rausgehauen. Jetzt am Sachsenring haben wir uns einfach blitzsauber für diesen Startplatz qualifiziert und auch wieder ein paar gute Leute hinter uns gelassen. Die Entwicklung geht ständig nach oben. Nicht steil, aber sie geht kontinuierlich nach vorne. Und deswegen sind wir absolut zufrieden wie es läuft.

 

Mit welcher Maßgabe beziehungsweise welchen Zielen sind Sie in dieses erste MotoGP Jahr 2017 gegangen? Sollte es mehr ein Lern- und Lehrjahr sein?

 

Unser Ziel ist natürlich, das Projekt in den ersten beiden Jahren so zu platzieren, dass ich im dritten Jahr mit richtigen Zielen um Ergebnisse fahren kann. Dieses Jahr sind die Ergebnisse für mich eher zweitrangig. Für mich ist wichtig: Wie groß ist der Abstand im Qualifying zum Ersten und wie groß ist der Abstand am Ende des Rennens zum Ersten. Das sind meine zwei Parameter, die mich interessieren. Ob da zwischendrin mit Glück ein elfter Platz rausschaut ist nicht so wichtig. Wie groß sind die Abstände und wie kommt es zustande. Die Tendenz muss stimmen und die Abstände müssen geringer werden.

KTM Sportchef Pit Beirer in der MotoGP 2017
Letzte motivierende Worte von Pit Beirer vor dem Start von KTM in die erste MotoGP Saison. (© KTM)

Sie sind ja als KTM in ganz vielen unterschiedlichen Motorradsportklassen überall am Start. Warum ist KTM überhaupt den Schritt in die Königsklasse gegangen? War es für Sie die Entscheidung zu sagen, MotoGP ist vom Standing wie Formel 1 auf zwei Rädern und da wollen wir unbedingt mit dabei sein?

 

Absolut. Wenn man Rennsport lebt, atmet, isst, trinkt und träumt wie wir. Wir hatten ja große Ziele als wir angefangen haben, Sport intensiver zu betreiben. Wir wollten ja die Motocross WM gewinnen. Und das war in den Anfängen 2004, 2005 alles ziemlich weit weg. Irgendwann haben wir den Wind gedreht und haben Motocross dominiert. Die Enduro und die Rally WM waren schon ein bisschen länger unter Kontrolle. Dann sind wir zum Supercross nach Amerika, haben uns das vorgenommen. Ein eigentlich aussichtsloser Fall. Niemand hat an uns geglaubt, wir haben das umgedreht, haben drei Titel in Folge gewonnen. Dann sind wir nach dem krisenhaften Ausstieg 2008 im Jahr 2012 wieder eingestiegen, und zwar in der Moto3.

 

In jede Klasse, in die wir eingestiegen sind, haben wir mit einem WM Titel gekrönt. Dann bleibt halt so ein Traumziel MotoGP, da willst du irgendwann hin. Wir haben 2004 einen Ausflug auf der Motorenseite gewagt, der gründlich schiefgegangen ist. Jetzt hat sich in der Zeit auch das Unternehmen so entwickelt, dass wir eine Größe haben, wo wir uns den letzten Schritt trauen können. Und ohne dass wir irgendwelche Scharlatane und Einflüsterer aus dem Fahrerlager brauchten, sondern mit den eigenen Leuten, die wir bei KTM großgezogen haben. Deswegen war es ein Traum, den wir eine Weile mal wieder begraben hatten. Aber nach wirtschaftlichem Wachstum und sportlichen Erfolgen kam es dann doch mal wieder auf den Tisch. Und jetzt sind wir da.

 

Sportlicher Erfolg in der MotoGP muss auch immer wirtschaftlichen Erfolg für KTM nach sich ziehen

 

Wie viele Leute arbeiten jetzt bei diesem MotoGP Projekt eigentlich insgesamt mit?

 

Die Motorsportabteilung ist durch die MotoGP so etwa um die 70 Köpfe gewachsen. Wenn man noch mal andere Parameter mit zum Maßstab nimmt, also die Moto3 oder Moto2 mit Aki Ajo oder auch die WP Leute für die wir auch verantwortlich sind, sind wir mittlerweile 120 Leute im Fahrerlager. 2012 haben wir in der hinteren Ecke in einem LKW mit Aki Ajo mit zwei Leuten angefangen und jetzt sind wir mit einer Mannschaft dieser Größenordnung in allen Klassen vertreten. Das ist schon eine große Aufgabe geworden.

 

Lassen Sie uns über das Hier und Heute sprechen. Der Alltag kann einen ja oft ziemlich auffressen. Alles was man hat, das nimmt man oft als gegeben hin. Wenn man mal für eine Sekunde stehen bleibt und auf das schaut, was in den letzten Jahren passiert ist: Ist man da stolz auf das Erreichte?

 

Ja, absolut. Wir haben wirklich viel gearbeitet, viel gestrampelt. Viel Motivation und Herzblut ist da mit rein gewandert. Gerade das Herzblut ist fast das Wichtigste an dem Ganzen. Die logischen Gründe und das Geld hatten wir ja nie um so etwas zu machen. Es war immer im richtigen Moment, den Vorstand zu überzeugen, komm, lass uns das jetzt riskieren. Wie die Geschichte in Amerika. 70.000 Leute im Stadion, wir müssen da Rennen gewinnen. Machen wir. Da sind wir voll ins Risiko gegangen und haben es gemacht.

 

Mit den sportlichen Erfolgen hatten wir aber auch immer die Märkte mit im Blick, die sich mitentwickelt haben. Im Motorsport ist es ja so: Ich bin zwar emotionaler Racer, aber am Ende des Tages muss ja irgendjemand die Rechnung bezahlen. Und dazu müssen wir mehr Motorräder verkaufen. So einfach ist das. Wenn man sich entscheidet irgendwo reinzugehen, sportliche Erfolge feiert und der Markt direkte Reaktionen zeigt und dann die Projekte wieder gegenfinanziert sind: Dann habe ich natürlich auch als Sportchef Spaß zu sehen, der wirtschaftliche Kreislauf funktioniert. Sonst würden wir das Werkzeug nicht in die Hand bekommen, dass wir jetzt hier MotoGP fahren können.

KTM in der MotoGP 2017
In Qatar begann für KTM das MotoGP Abenteuer 2017. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

KTM hat – wie Sie gesagt haben – überall große Erfolge gefeiert. In wie weit lässt sich so ein Erfolg überhaupt planen?

 

Ich glaube mittlerweile sehr stark daran, dass man das schon sehr gut planen kann. Rennsport ist einmal eine straffe Organisation, Motivation aber auch viel psychologische Arbeit. Die Mannschaft einfach menschlich zu formen und wenn dann die Teams eine gute Stimmung haben, gemeinsame Ziele haben, dann läuft ja alles von selber. Es gibt ja wohl wenig Sportarten, bei dem so zentral über das Head Office in allen Klassen mit fünf sechs Köpfen entschieden wird, welchen Weg wir gehen. Aber das Ergebnis ist immer das Gleiche. Als ich loslegen durfte, war meine Empfehlung an KTM: Lass uns erst die Hausaufgaben machen. Immer einen Schritt raus, nicht Champions engagieren und hinterher dann das Team und das Motorrad formen. Immer erst Hausaufgaben machen.

 

Dazu gehört eine Werkstatt, wo du vom Boden essen kannst. Dazu gehört die Mannschaft, die als Team und Freunde harmonieren. Die gemeinsam ein Motorrad entwickeln. Wenn dann der Topfahrer kommt und das sieht, Werkstatt ist sauber und das Team steht wie eine Wand hinter mir und ich habe ein gutes Motorrad, dann hast du Erfolg. Ob dann am Ende ein Gelände oder Straßenreifen auf dem Motorrad ist, ist eigentlich egal. Und ich kann das alles direkt planen und beeinflussen. Ich könnte keins dieser Motorräder bauen aber du musst die richtigen Leute zusammen bekommen. In den ganzen Sportarten hat es funktioniert jetzt müssen wir beweisen, dass wir das in der MotoGP ähnlich hinbekommen können. Der Beweis steht ja noch aus.

 

Wie Sie sagen, ist es die große Kunst, ein gutes Team zusammenzustellen. Gibt es dann diese Momente, wo man merkt: Das wird hier nicht funktionieren oder auch umgekehrt, das kann eine richtig gute Sache werden?

 

Ja, klar. Es ist ja nicht so, dass wir die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und alles funktioniert was wir anpacken. Ich denke nur, du musst ehrlich genug sein, um dir einzugestehen: Ich habe hier einen Fehler gemacht. Oder wir haben jetzt in die falsche Richtung entwickelt. Und dann musst du sofort einen Stopp setzen, die Richtung ändern und dann wieder weitermarschieren. Das ist eine ganz große Stärke von KTM, weil wir uns auch trauen die Richtung zu ändern. Du machst auf jedem langen Weg ein paar Fehler, aber man muss immer das Ziel im Auge haben. Aber du brauchst eben auch so einen Chefhäuptling wie den Stefan Pierer, der so visionär ist und so zu seiner Mannschaft hält. Der Selbstvertrauen in der Firma halten möchte. Das macht uns die Arbeit natürlich auch sehr viel einfacher.

KTM Sportchef Pit Beirer in der MotoGP 2017
KTM Sportchef Pit Beirer unterhält sich mit Teamchef Mike Leitner über die nächsten Schritte in der MotoGP. (© KTM)

Und was machen Sie, wenn es eben auch mal nicht so gut läuft? Es gibt ja sicher auch immer Phasen, wo Ergebnisse ausbleiben, es nicht vorangeht, wo dann auch so eine Motivation leiden kann. Wie kann es dann gelingen, aus negativer eine positive Stimmung zu machen?

 

Wir lassen schlechte Motivation und kleine Ziele einfach nicht zu. Ich glaube schon, dass ich selbst sehr positiv an die ganzen Dinge rangehe und ich möchte keine negativen Leute um mich rum. Und das spiegelt sich dann in den Teams dann auch wieder. Natürlich haben wir mittlerweile auch eine Größe, wo nicht jeder so ticken kann, wie wir das wollen. Es sind die Menschen, die den Unterschied machen und nicht das Material. Material kann jeder kaufen. Es sind die Menschen die geile Motorräder daraus machen. Und hier ist einfach der Faktor, dass die sich wohlfühlen bei uns, die Basis für alles.

 

Und wenn es irgendwo reibt und zwickt, dann müssen wir darauf schauen und dann muss man sich ab und zu auch mal von jemandem trennen. Weil, es kann sein, der ist individuell ein Hochkaräter, der zieht mir von der Stimmung aber 15 Leute runter. Dann trenne ich mich aber von dem Hochkaräter und versuche ein neues Teammitglied zu finden, dass die 15 Leute wieder Spaß am Arbeiten haben. Das sind so Grundrezepte, wo man hin und wieder sicherlich auch mal ein etwas unschönes Gespräch hat, aber schlechte Stimmung darf man auf Dauer nicht zulassen.

 

Motivation als Grundvoraussetzung, um bei KTM zu arbeiten

 

Da passt die nächste Frage ja gut: Was muss denn jemand mitbringen um ein Teil dieser KTM DNA zu werden?

 

Ungeheure Motivation. Aber natürlich muss er auch was können. Wenn ich also jetzt einen Ingenieur brauche, der mir eine Kurbelwelle entwickeln soll, kann ich natürlich keinen Bäcker einstellen. Aber die Motivation, die Lust auf Erfolg und Siege ist wirklich wichtiger als die Qualifikation. Wir haben oft schon die Fälle gehabt wo man die Wahl zwischen zwei Leuten hatte und du hast dich für die Personen mit der vermeintlich schlechteren Qualifikation entschieden, der aber mit dem Team arbeiten wollte und der entwickelt sich dann. Dagegen hast du dann diesen Hochkaräter der einfach meint, er ist der Gescheiteste und lässt keine Ideen oder keine zweite Meinung zu.

 

Es ist ja auch nicht so, dass es streng nach Organigramm geht und nur der von oben darf dem unten sagen wo es langgeht. Sondern wir wollen ein durchlässiges System, dass eben auch der ganz normale Mechaniker Wünsche und Infos platziert. Dass das Wissen von vielen Köpfen in das Projekt kommt und eben nicht nur von oben runter. Denn dann ist das Projekt im Zweifel auch nur so stark wie dieser eine Kopf. Man muss schon versuchen ein breiteres Wissen in die Projekte zu bringen.

KTM in der MotoGP 2017
KTM fährt nicht nur MotoGP... (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)
KTM in der MotoGP 2017
...sondern auch in Moto3 und Moto2 mit. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

In der MotoGP ist es noch ein langer Weg auf dem Sie sind. In anderen Rennsportklassen hatten Sie dagegen schon jede Menge Erfolge zu feiern. Gibt es einen Moment, an dem man von sportlichem Erfolg satt sein kann oder vielleicht auch etwas träge wird?

 

Nein. Erfolg ist die einzige Droge die wir zu uns nehmen und dass man immer hungriger wird nach Siegen. Was ein bisschen schade ist, dass wir echt wenig Zeit haben Siege zu genießen. Die Straßen WM ist im November zu Ende, da ist das Material für Dakar schon wieder unterwegs. Dann kommt die Dakar, dann kommt Supercross, dann geht die Straßenmeisterschaft schon wieder los. Wenn du in einem der Teams selber arbeitest und du erreichst am Ende des Jahres einen Erfolg, dann kannst du ihn mal eine Weile genießen.

 

Wir, in der Firma, haben kaum Zeit, um das zu machen. Es macht uns deswegen nicht weniger hungrig nach neuen Siegen. Und natürlich baut sich ein gewisser Druck auf. Wenn du schon so viel gewonnen hast, wartet natürlich jeder darauf, dass es mal Niederlagen gibt. Man möchte sich das dann auch anschauen, wie wir Niederlagen verarbeiten. Das ist auch Teil des Ganzen, dass wir da ein bisschen unter Druck stehen. Aber das wollen wir ja auch. Wir wollen ja nicht einfach sagen, jetzt ruhen wir uns darauf aus. Stillstand ist im Motorsport definitiv Rückschritt, du musst dich immer entwickeln.

 

Zurück zur aktuellen Saison. In der Moto3 hinkt KTM ein wenig hinterher. Ist es tatsächlich jetzt ein Brad Binder, der einem im Team fehlt, doch eher ein Ressourcenabzug durch das MotoGP Projekt oder etwas ganz anderes?

 

Von allem ein bisschen was. Alles, was ich eben erzählt habe, gilt hier natürlich im Umkehrschluss und deshalb schmerzt die Niederlage in der Moto3 gewaltig. Die ist uns alles andere als egal. Unser Motorrad hat seit Jahren den Charakter, dass du es schon recht druckvoll fahren musst. Das geht mit so Haudegen wie einem Jack Miller, Miguel Oliveira oder Brad Binder. Man kann das ein bisschen erklären: Wenn die lange geradeausfahren, sehr spät bremsen, das Motorrad dann brutal runterhauen. Dieses Vertrauen ins Vorderrad haben. Die können mit der KTM unglaublich schnell fahren. Wenn ich dagegen versuche damit sehr rund zu fahren, früh zu bremsen und auch früh wieder Gas zu geben, ist momentan wahrscheinlich die Honda stärker.

 

Und wir brauchen einfach so einen Haudegen, der das Motorrad richtig daher prügelt, dann kann er damit schneller fahren wie mit allen anderen. Den haben wir momentan nicht auf dem Motorrad sitzen. Und das ist eben auch die Schwierigkeit der Moto3. Die Topfahrer wollen aufsteigen in die Moto2. Die, die den Absprung nicht schaffen, wollen bleiben. Dann musst du wieder neue Junge suchen, von denen du noch nichts weißt. Also du bist immer so ein bisschen am Kaffeesatz lesen. Ein Jahr gelingt dir das besser, ein Jahr schlechter. Wenn wir jetzt die Moto3 beobachten seit dem Projektstart 2012: Das ist ja fast wie ein Pendel.

 

2012 haben wir ganz knapp gewonnen, 2013 dominiert. 2014 und 2015 eine brutale Klatsche kassiert. 2016 haben wir dann mehrere Rennen vor dem Ende wieder den Titel geholt. Und klar, der, der in Rückstand gerät, entwickelt dann wieder ein bisschen besser. Ich gebe das ehrlich und offen zu, die Honda hat derzeit ein extrem starkes Motorrad. Die jungen Fahrer scheinen sich da etwas leichter zu tun. Aber wir haben die Gegenmaßnahmen gestartet und werden in Brünn jetzt die ersten Updates mit reinbringen um einfach auch zu zeigen, dass man sehr wohl auch mit diesem Motorrad Rennen gewinnen kann.

KTM in der MotoGP 2017
Alle KTM Motorräder aller Klassen für 2017 vereint. (© KTM)

Was dagegen extrem positiv überrascht, ist das Projekt in der Moto2. Haben Sie damit gerechnet, dass das gleich so einschlägt?

 

Nein. Also wir sind in der MotoGP besser als erwartet. In der Moto2 um Welten besser als erwartet. Dass wir teils schon um Siege mitfahren und in der WM ganz vorne mit dabei sind, haben wir wirklich nicht erwartet. Unter dem Strich haben wir schon ein sehr großes Kompetenzteam, die wissen, wie man ein Motorrad baut. Und deshalb ist ja selbst eine neue Klasse zu erschließen keine Harakiri Aktion. Drum bin ich auch gewaltig stolz auf die. Denn Kalex ist in dieser Klasse einfach Top Niveau und derzeit die Referenz.

 

Zum Schluss würde mich einmal ganz persönlich interessieren: Warum ist für Sie Motorradrennsport die Nummer eins, auch im Vergleich zum Automobilrennsport?

 

Mich fasziniert Rennsport generell. Aber was bei den Zweirädern mehr übrig bleibt, ist der Kampf Mann gegen Mann. Wir können das beste Equipment bauen, am Ende des Tages entscheiden dann trotzdem die Fahrer, wer gewinnt. Wenn ich mir nur die Zweikämpfe Rossi-Marquez in den letzten Jahren anschaue und was da alles passiert ist. Es bleibt mehr für die Fahrer übrig. Und es nicht von vorneherein klar, wenn ich auf einem bestimmten Motorrad sitze, bin auf Platz eins oder zwei. Und es wird nicht über die Boxenstrategie oder die Ingenieure von daheim gelenkt.

 

Ich glaube einfach nicht, dass Massen von Zuschauern an die Rennstrecke kommen weil 100 Ingenieure die Rennen entscheiden oder weil die am Boxenfunk hören, die Fahrer müssen jetzt Benzin sparen. Das können die zu Hause mit einem sechs Liter Auto auf der Autobahn machen. Die Leute kommen an die Rennstrecken wegen den Athleten. Da dürfen wir uns auch nicht überschätzen als Hersteller. Die Fans kommen für die Fahrer. Und deshalb müssen auch die Fahrer entscheiden, wer das Rennen gewinnt. Somit ist einfach erklärt, warum mir momentan Motorradrennsport mehr Spaß macht als Automobilrennsport.

 

Vielen Dank für das Gespräch. Herr Beirer.

(Das Gespräch führte Markus Kahl.)

KTM Sportchef Pit Beirer in der MotoGP 2017
Warmherzig, motiviert, extrem erfolgshungrig. So lernen wir Pit Beirer im persönlichen Gespräch kennen. (© www.gp-fever.de, Steve Wobser)

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