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Bo Bensneyder im MotoGP Interview: Der Einzelkämpfer

Bo Bendsneyder fährt in der Moto3 WM für das Red Bull KTM Ajo Team
Will in der Moto3 in der zweiten Saisonhälfte 2017 voll angreifen: Bo Bendsneyder. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Im Januar 2016 war alles noch ganz neu. Neues Team, neue Rennserie, die ersten Kilometer in der Weltmeisterschaft standen noch an. Bo Bendsneyder stand nach seinem Gewinn des Red Bull Rookies Cup vor einer ganz neuen Erfahrung in seiner Karriere. Nach unserem ersten Kennenlernen sind gut 18 Monate vergangen. Wir wollten daher wissen: Wie geht es Bendsneyder heute? Ist er angekommen in der WM und wohin führt sein zukünftiger Weg. Wir haben den einzigen Niederländer in der Motorrad-Weltmeisterschaft am Sachsenring zum Gespräch getroffen.

 

Seit unserem ersten Treffen sind gut eineinhalb Jahre vergangen. Wie fühlst du dich nach dieser Zeit in der Motorrad WM?

 

Prima. Wir haben einige gute Resultat eingefahren. Es ist eine schöne Erfahrung für mich, bei der ich mich sehr wohlfühle.

 

Für mich ist das ein bisschen schwierig mit einer Einschätzung. Vom Gefühl läuft 2017 bislang nicht so gut wie 2016. Wenn ich jedoch auf die Punkte schaue sehe ich, dass du bislang mehr WM Zähler eingefahren hast als letztes Jahr. Was stimmt denn jetzt? Ist dieses Jahr besser als 2016?

 

Also der Beginn des Jahres 2017 ist besser als letztes Jahr. Aber letztes Jahr war ja auch mein erstes Jahr in der WM. Es lässt sich somit nur schwer vergleichen. Aber ja: Wir haben 2017 ein paar Probleme. Aber bei meinem Heimrennen in Assen habe ich beispielsweise zuletzt ein gutes Resultat eingefahren, von daher geht es Stück für Stück voran.

 

Was war dein bislang schönster und schwierigster Moment seit du in der WM fährst?

 

Der beste Moment war ganz klar das Podium in Silverstone letztes Jahr. Das schwierigste Wochenende habe ich dieses Jahr in Argentinien erlebt.

 

Was war deine wichtigste Erfahrung, die du in dieser Zeit gewonnen hast?

 

Hart zu arbeiten. Immer weiter hart zu arbeiten. Das ist das Wichtigste was ich sagen kann, was ich bislang in der WM gelernt habe.

 

Was hat dich in der Zeit bzw. bei deinem Einstieg in die Moto3 am meisten überrascht?

 

Ehrlich gesagt gab es da nicht wirklich etwas. Es ist so gelaufen, wie ich es erwartet habe.

 

Wie würdest du deine eigene Entwicklung beschreiben?

 

Ich würde sagen, es ist sehr gut gelaufen. Zu Beginn habe ich mich Stück für Stück verbessert. Ich bin immer schneller geworden, damit kann ich zufrieden sein.

 

Was würdest du sagen ist der größte Unterschied von 2016 zu 2017?

 

Dieses Jahr kenne ich einfach schon sehr viel. Das Team, die Abläufe und auch die Strecken. Das empfinde ich als sehr positiv.

Bo Bendsneyder fährt in der Moto3 WM für das Red Bull KTM Ajo Team
Vollgas voraus für Bo Bendsneyder. Fährt er auch 2018 für das Ajo Team in der Moto3? (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Was hast du vom Team lernen können?

 

Immer hart zu arbeiten. Die Füße am Boden behalten und auf die Rennen zu konzentrieren.

 

Welche Tipps gibt dir Aki Ajo (sein Teamchef) mit auf den Weg, wenn es für dich hier und da etwas schwieriger ist?

 

Er ist sehr geradeheraus. Das ist etwas, mit dem ich gut umgehen kann. Das ist manchmal nicht so einfach, aber ich bekomme dadurch eine sehr klare Vorstellung davon, was ich besser machen kann.

 

Hat sich an deiner Arbeitsweise im Laufe der Monate etwas verändert?

 

Vor allem das Training zu Hause hat sich stark verändert. Ich habe seit Ende letzten Jahres einen neuen Trainer. Ich mache also noch mehr körperliches Training. Dazu kommt, dass ich jetzt sehr viel öfter Supermoto fahre. Zusammengefasst: Das Training zu Hause ist deutlich härter geworden.

 

Spürst du dieses Jahr mehr Druck als letztes Jahr?

 

Ja, ein bisschen schon. Das liegt auch an den fehlenden Resultaten. Aber ich komme langsam aber sicher heran. Aber in einer WM ist immer Druck, weil Ergebnisse von dir erwartet werden.

 

Dieses Jahr heißt dein Teamkollege Niccolò Antonelli. Letztes Jahr bist du zusammen mit dem späteren Weltmeister Brad Binder zusammengefahren. Wie war die Zusammenarbeit für dich?

 

Wirklich fantastisch. Ich habe von Ihm eine Menge gelernt. Er war ja der Schnellste von allen. Wir konnten die Daten immer miteinander vergleichen. Er konnte mir einige Tipps mit auf den Weg geben, die mir in meinem ersten Jahr sehr geholfen haben.

 

Welche konkreten Tipps konnte er dir mitgeben?

 

Ich gebe mal ein Beispiel: Wenn man hinter ihm fahren konnte, hat man schon gesehen, welche Linie er wählt oder wie er die Fahrt auf der Strecke angeht. Das war schon sehr lehrreich.

 

Was ist Brad Binder für ein Typ?

 

Sehr ruhig, aber auf der Maschine sehr aggressiv. Ich habe ihn als sehr fairen Sportsmann kennengelernt. Einfach ein richtig netter Kerl.

Bo Bendsneyder fährt in der Moto3 WM für das Red Bull KTM Ajo Team
Spricht offen und klar über das, was er bislang in der WM in rund 18 Monaten erlebt hat. Bo Bendsneyder. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Bei unserem letzten Treffen hast du von großer medialer Aufmerksamkeit gesprochen. Gibt es die immer noch bzw. was hat sich seitdem verändert?

 

Ja, es wird doch schon immer mehr. Aber man merkt es nicht nur am Medieninteresse für mich. Auch oder gerade durch die Rennen von Michael van der Mark in der Superbike WM gibt es mehr und mehr Leute die sich das anschauen. Natürlich ist Motorradsport noch längst nicht so populär wie Fußball. Gerade in meiner Heimatstadt Rotterdam ist Fußball klar die Nummer eins. Klar, in Assen und Drumherum ist die Nachfrage höher. Aber das liegt natürlich an der Rennstrecke.

 

Wirst Du jetzt öfter auf der Straße erkannt?

 

Nein, nein. Vor allem in Rotterdam ist es – wie schon eben erwähnt – nicht so populär. Da kommt keiner auf der Straße zu mir und fragt nach einem Autogramm.

 

Welche Ziele hast du dir für die zweite Saisonhälfte gesteckt?

 

Klar will ich mich verbessern. Gerade das Rennen in Assen war gut, darauf lässt sich aufbauen. Ich will mich dabei vor allem auf die Renngeschwindigkeit konzentrieren.

 

Letztes Jahr hast du in der zweiten Saisonhälfte dein erstes Podium eingefahren. Meinst du, das könnte 2017 wieder so passieren?

 

Das will ich hoffen. Ich werde es auf jeden Fall versuchen.

 

Hast du auch schon einen Blick auf 2018? Wenn wir uns nächstes Jahr wiedersehen, wird es das gleiche Motorrad im gleichen Team sein?

 

Schwierig, das jetzt zu beantworten. Wir werden sehen. Ich denke noch nicht viel an nächstes Jahr. Erst einmal gilt meine ganze Konzentration auf 2017 und der zweiten Saisonhälfte.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Bo.

(Das Gespräch führte Markus Kahl)

Bo Bendsneyder fährt in der Moto3 WM für das Red Bull KTM Ajo Team
WIr haben Bo Bendsneyder 2017 am Sachsenring zum Gespräch getroffen. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

 

Bo Bendsneyder fährt derzeit als “Einzelkämpfer”, sprich einziger Niederländer, in der Motorrad-Weltmeisterschaft um WM Punkte. Bendsneyder wurde 1999 in Rotterdam geboren. Er ist der erste Niederländer, der den Red Bull Rookies Cup (2015) gewinnen konnte. Seit 2016 fährt er in der Moto3 WM im Red Bull KTM Ajo Team.


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