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99 Fragen an Stefan Bradl

Stefan Bradl 2012 im Interview zum Saisonende der MotoGP in Valencia
Stefan Bradl 2012 im Interview zum Saisonende der MotoGP in Valencia (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

99 Fragen? Ja sind die denn wahnsinnig? Nö, sind wir nicht. Unsere Vorgabe war klar: 99 Fragen so schnell wie nötig und so knackig wie möglich zu beantworten. Dabei liegen in unserer Schublade noch mehr als genug Fragen, wir mussten also schon auswählen. Stefan Bradl spricht über vieles, was ihr und wir schon immer wissen wolltet. Stefan spricht über sein erstes Bike, Sprach- und Kochkünste, Teamwechsel, Geschwindigkeit und auch über Motorradsportnachwuchs. Dann fangen wir mal an. Los geht’s, die Zeit läuft…

1 Motosports24: Wie geht es Dir?

 

Stefan Bradl: Mir geht es wieder gut. Nach einer Mandelentzündung bin ich wieder auf dem Weg der Besserung.

 

2 Wie sehr hat Dich die Saison 2015 geschlaucht? Auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht) bis 10 (ich weiß momentan nicht mal, mehr wie ich heiße).

 

Ich sage eine Sieben.

 

3 Wenn Du Deine Saison 2015 in ein bis maximal drei Sätzen zusammenfassen müsstest, was wäre Deine Antwort?

 

Es war ziemlich durchwachsen, erst einmal von der Gesamtposition im Klassement und dann natürlich vor allem mit dem Teamwechsel. Zum Schluss gab es dann doch noch ein kleines Happy End. Dennoch hätte ich mir das Jahr etwas anders vorgestellt. Aber der Sport bringt immer wieder Überraschungen hervor.

 

4 Was war sportlich für Dich der beste Moment des Jahres 2015?

 

Die besten Platzierungen in diesem Jahr. Einmal Platz acht in Barcelona und Platz zehn in Malaysia.

 

5 Und was war er privat?

 

Schwierig zu beantworten. Daher belassen wir es einfach privat.

 

6 Du bist jetzt drei verschieden Maschinen in der MotoGP gefahren. Honda, Yamaha und jetzt Aprilia. Welche war für Dich am fahrbarsten?

 

Bis jetzt war schon die Honda am fahrbarsten, auch weil ich die Maschine die längste Zeit gefahren bin. Natürlich auch, weil ich hier die meiste Zeit für die Abstimmung hatte und mit dem Bike auf der Strecke verbracht habe. So war ich am vertrautesten mit der Honda.

 

Über die Yamaha und auch die Aprilia, die ich jetzt jeweils ein halbes Jahr gefahren bin, kann ich gar nicht so viel sagen. Es sind beides fahrbare Maschinen. Mit der Honda habe ich aber eben auch die besten Ergebnisse erzielt. Aber ich hoffe, dass ich das in Zukunft mit der Aprilia auch zustande bringen werde.

 

7 Könntest Du Dir vorstellen, jemals wieder für Dein erstes MotoGP Team LCR zu fahren?

 

Grundsätzlich kann ich mir das schon vorstellen. Denn in dieser Szene ist doch so einiges möglich und deshalb sollte man niemals nie sagen.

 

8 Dein erster Gedanke, als Du zum ersten Mal in die Aprilia Box in diesem Jahr gekommen bist.

 

Gut. Ich habe einige Gesichter natürlich schon gekannt, weil man sich im Fahrerlagerleben schon oft gesehen hat. Insgesamt war es also sehr gut, weil das Team einen sehr professionellen Eindruck gemacht hat und ich mich von Anfang an wohl gefühlt habe.

 

9 Bei Aprilia fühlst du Dich offensichtlich sehr wohl. Das zeigen auch die Ergebnisse. Bei Honda zuvor (insbesondere zum Ende hin) schien das nicht immer der Fall zu sein. Wie ist dieser Unterschied aus deiner Sicht zu erklären?

 

Das kann man so nicht sagen. Ich fühle mich bei Aprilia wohl, ich habe mich aber auch bei Honda wohl gefühlt – bei Forward war es tatsächlich nicht ganz so der Fall. Bei Honda hatte ich sehr viel Druck am Schluss, mit dem ich vielleicht ein bisschen besser hätte umgehen sollen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Aber ich sage mal, die Zeit bei Honda habe ich schon sehr genossen, insbesondere bei LCR. Aber ich kann das jetzt auch bei Aprilia genießen, weil ich ähnliche Umstände vorfinde bezüglich der Leute und wie der Rückhalt vom Team ist. Von daher würde ich das auf eine Ebene setzen und sagen, dass der Unterschied gar nicht so groß ist. Natürlich hat sich die MotoGP und das Level ein bisschen verändert und ich bin vom Material mit der Aprilia noch nicht ganz so konkurrenzfähig, wie es in den Jahren zuvor mit der Honda war. Daher kann man das nicht immer so genau vergleichen. Aber den Wohlfühlfaktor würde ich gleich setzen.

 

10 Welche Ziele kannst/wirst du Dir für 2016 stecken können?

 

Wir wollen in die Top 10. Wir wollen auf jeden Fall regelmäßig in die Punkte fahren. Das ist uns, also Alvaro (Bautista) und mir 2015 einige male gelungen. Von daher erwarten wir uns vom neuen Motorrad einen großen Schritt.

 

11 Die ersten Tests für 2016 sind schon absolviert worden. Kannst du jetzt schon sagen, was sich beim 2016er Modell Deiner Aprilia gegenüber 2015 verändern wird?

 

Nein. Das 2016er Motorrad bin ich noch nicht gefahren. Das war alles noch die 2015er Maschine nur mit neuen Reifen und neuer Elektronik. Das 2016er Modell werden wir zum ersten Mal im Februar in Malaysia testen.

Stefan Bradl 2007 am Sachsenring in der 125er Klasse
Stefan Bradl 2007 am Sachsenring in der 125er Klasse
Stefan Bradl 2007 am Sachsenring in der 125er Klasse

Lange ist es her. Stefan Bradl bei seinen ersten Schritten in der Weltmeisterschaft 2006 (KTM)

und 2007 (Blusens Aprilia) in der 125er Klasse. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

12 Gibt es eine Eigenart/Besonderheit der 2016er Maschine bei der Du schon jetzt sagen kannst, dass sie Dir entgegen kommt?

 

Keine Ahnung, was das 2016er Motorrad haben wird. Wie eben schon gesagt, ich bin es noch nicht gefahren.

 

13 Konntest Du als Fahrer eines so „jungen“ Werksteams wie es Aprilia ist, entscheidend Einfluss bei der Weiterentwicklung nehmen?

 

Ja, weil ich einige Hinweise geben konnte die in die Entwicklung vom neuen Motorrad einfließen werden. Also ich denke schon, dass ich da einen entscheidenden Einfluss nehmen konnte. Einfach weil ich auch schon einige Erfahrung mit anderen Motorräder habe.

 

14 2016 wirst Du erstmals auf einer komplett neuen Werksmaschine an den Start gehen. Macht das für Dich zu einer ganz besonderen Saison?

 

Es wird etwas besonderes sein. Aber im Endeffekt macht es keinen großen Unterschied, ob man eine Werksmaschine hat oder ein Kundenmotorrad, wie das bei LCR. Man will immer das Bestmögliche. Man hat bei einem Werksmotorrad natürlich schon den Vorteil, dass man schneller auf etwas reagieren kann

 

15 Könnte 2016 die bisher wichtigste Saison deiner Karriere werden?

 

Jede Saison ist wichtig. Das kann man so salopp jetzt nicht sagen.

 

16 Findest Du es gut, dass es ab 2016 keine Open Class mehr in der MotoGP geben wird?

 

Ja, finde ich gut. Die Zweiklassengesellschaft hat mir nie gefallen.

 

17 In vielen Bereichen (vor allem Elektronik) werden sich die 2016er Maschinen in der MotoGP angleichen. Erwartest Du somit auch ein engeres Zusammenrücken des Feldes?

 

Keine Ahnung. Ich denke am Schluss wird sich das Feld wieder wie 2015 einsortieren. Es wird vielleicht etwas dauern, bis die Teams mit der Elektronik zurechtkommen. Aber wenn das der Fall ist, kann ich mir vorstellen, dass da keine großen Unterschiede mehr gegenüber dem Vorjahr sind.

 

18 Wenn sich vieles angleicht: Welche Bereiche werden dann noch bei den Teams den größten Unterschied ausmachen?

 

Geld.

 

19 Nach den ersten Tests: Gibt es bereits Fortschritte der neuen Einheitselektronik?

 

Es hält sich in Grenzen (grinst). Die Fortschritte könnten größer sein.

 

20 Hat Michelin angekündigt den Vorderreifen zu modifizieren, um die so von vielen Fahrern monierte Rückmeldung zu verbessern? Wenn ja: In welchen Bereichen?

 

Ja, die müssen noch verbessern und zwar richtig viel. Speziell, was das Vorderradgefühl anbelangt. Der Vorderreifen verliert einfach die Haftung – ganz plötzlich – und dann liegt man am Boden. Das sollten sie verbessern und ich bin mir sicher, dass sie da auch Verbesserungen erreichen werden.

 

21 Dein schwierigster Konkurrent bislang auf der Rennstrecke?

 

Schwer zu sagen. Kein spezieller. Sicher war Marc Marquez 2011 in der Moto2 mein schwierigster Konkurrent. Da ging es um die Weltmeisterschaft und am Ende der Saison hat es sich extrem zugespitzt. Da waren dann schon auch einige Nerven im Spiel. Bei ihm genauso wie bei mir.

 

22 Was kann man grundsätzlich von Konkurrenten in der MotoGP noch lernen? Einmal von Weltmeistern wie Marquez, Rossi und Co. und evtl. auch vom eigenen Teamkollegen?

 

Man kann sich immer etwas abschauen wenn man denen hinterherfährt. Im Prinzip gibt es da kein Geheimnis. Wenn man ihnen auf manchen Strecken folgt, kann man vielleicht eine neue Linienwahl entdecken oder ein anderes Fahrverhalten. Das ist immer abhängig davon wie man selbst zurechtkommt.

Stefan Bradl 2008 in der damaligen 125er Klasse in Donington
Stefan Bradl 2008 in der damaligen 125er Klasse in Donington (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)
Von Anfang an an der Seite von Stefan Bradl: Papa Helmut
Von Anfang an an der Seite von Stefan Bradl: Papa Helmut (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

2008 in Estoril. Stefan Bradl auf seiner Aprilia in der 125er Klasse. Seine erfolgreichste Saison übrigens in dieser Rennserie mit Gesamtplatz vier.
2008 in Estoril. Stefan Bradl auf seiner Aprilia in der 125er Klasse. Seine erfolgreichste Saison übrigens in dieser Rennserie mit Gesamtplatz vier. Und den Blick kennen wir heute noch. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

23 Es heißt, Valentino Rossi habe in den letzten Jahren noch einmal sehr an der Veränderung seines Fahrstils gearbeitet um noch erfolgreicher zu werden. Wie schwer ist es überhaupt seinen Fahrstil zu verändern?

 

Das dauert schon ein bisschen, bis man seinen Fahrstil verändern kann. Es ist nicht so schwer ihn zu verändern. Aber wenn man dann am Limit fährt und pusht verfällt man wieder so ein bisschen in den alten Rhythmus. Man muss also versuchen, sich Stück für Stück das Neue sich anzueignen, auch dann unter Drucksituationen und unter Höchstanspannung den neuen Fahrstil einzusetzen, wenn er denn gut ist. Das ist dann meistens bei mir so, dass es etwas braucht bis ich den neuen Fahrstil anwenden kann, damit es dann auch in einer Drucksituation funktioniert.

 

24 Es sieht oft so aus, als ob ihr Profis bei einem Unfall/Sturz einfach aufsteht, euch kurz schüttelt, ihr wieder aufs Bike steigt und die nächste Runde wieder am Limit fahrt. Wie kann man eine solche Reaktion erklären?

 

Part of the job. Meistens. Zum Glück.

 

25 Wie gehst Du ganz persönlich mit Stürzen/Unfällen um?

 

Gar nicht groß darüber nachdenken. Wichtig ist, dass man wirklich gesund ist und dass einem nichts Schlimmes passiert. Und dann einfach wieder rauf aufs Motorrad und es schnell verarbeiten.

 

26 Wie arbeitest Du grundsätzlich daran mit dem großen Druck umzugehen, dem Du und MotoGP Fahrer insgesamt ausgesetzt sind?

 

Mit Druck umzugehen ist eine Sache, mit der man groß wird. Es ist sicher nicht einfach, von Anfang an damit umzugehen. Aber ich glaube, man lernt auch mit den Jahren damit besser umzugehen und darf sich da einfach nicht zu sehr einen Kopf machen. Es ist schlussendlich eine Sportart und man darf es nicht zu eng sehen. Man muss eine Lockerheit drin haben. Es ist sich nicht immer so leicht getan wie gesagt. Aber ich habe da einen für mich guten Weg gefunden.

 

27 Wie bereitest Du dich jetzt im Winter auf die neue Saison vor?

 

Trainieren.

 

28 Eine Trainingsart, die ich ganz besonders mag.

 

Rennradfahren ist eine Trainingsart, die mir gut gefällt. Speziell im Sommer. Im Winter ist das natürlich weniger angenehm.

 

29 Eine Trainingsart, die ich überhaupt nicht gerne mache.

 

Blindes dahinlaufen. Ausdauertraining im Wald zum Beispiel. Es ist etwas zäh, ist aber nichts, was ich jetzt überhaupt nicht gerne mache. Ist eben ein bisschen wenig Action dahinter, aber wenn man den richtigen Partner hat, dann ist es gar nicht so schlimm.

 

30 Wie trainierst Du deine Konzentration um viele Runden am Stück immer die (fast) gleichen Rundenzeiten hinzubekommen?

 

Das ist etwas, was ich noch nie trainiert habe. Man ist einfach auf der Rennstrecke fokussiert und schaut, Kurve für Kurve das Beste aus dem Motorrad herauszuholen.

 

31 Was magst Du an deiner Sportart am meisten?

 

Das Adrenalin, was man bekommt und die Genugtuung nach einem guten Arbeitstag. Das ist, was einem sehr nahe geht und was tief drinnen einem eine wahnsinnige Genugtuung gibt. Das kann dann auf der anderen Seite auch das extreme Gegenteil sein. Aber das ist das Faszinierende an meiner Sportart.

 

32 Was kannst du an deinem derzeitigen Job gar nicht leiden?

 

Das sind Verletzungen, weil die einfach doof sind.

 

33 Ist für Dich Sport nur erfolgreich, wenn du Titel oder Podestplätze einfährst?

 

Das kann man so nicht spontan sagen. Man muss schauen, dass man das Beste herausholt. Ich bin schon Rennen gefahren, da bin ich nicht mal in die Punkte gekommen, war aber trotzdem zufrieden, weil ich gewusst habe, ich habe mein Bestes gegeben. Man muss das immer situationsabhängig sehen. Wenn man sein Bestes gibt, muss man mit sich zufrieden sein und die Umstände betrachten. Im Prinzip ist es aber schon wichtig Erfolg zu haben, was dann eben Podestplätze und Siege bedeuten.

Stefan Bradl 2009 in Assen in der 125er Klasse
2009 schon im kommenden Weltmeisterteam... (©www.gp-photo.de, Ronny Lekl)
...Stefan Bradl fährt in der 125er Klasse für das Kiefer Racing Team.
...Stefan Bradl fährt in der 125er Klasse für das Kiefer Racing Team. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Trotzdem ist 2008 das erfolgreichste Jahr für Stefan Bradl in der 125er Klasse mit insgesamt sechs Podestbesuchen, davon zwei Siege.
Trotzdem ist 2008 das erfolgreichste Jahr für Stefan Bradl in der 125er Klasse mit insgesamt sechs Podestbesuchen, davon zwei Siege. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

34 Wann merkst Du, ob Du ein gutes oder schlechtes Rennen fährst?

 

Wenn ich mit mir zufrieden bin oder wenn ich es eben nicht bin.

 

35 Dein letzter Gedanke vor dem Start in ein Rennen.

 

Gibt keinen Gedanken.

 

36 Fühlst du Dich manchmal überfordert, wenn Du als einziger Deutscher in der MotoGP das Aushängeschild für die Sportart sein sollst?

 

Daran habe ich mich gewöhnt.

 

37 Hättest Du mit Deinen Aussagen am Sachsenring 2015 zum Motorradsportnachwuchs in Deutschland mit einer solch medialen Welle gerechnet?

 

Gerechnet habe ich nicht damit, aber ich war auch nicht überrascht.

 

38 Was nimmst Du positives von allen dort folgenden Statements mit?

 

Nichts. Weil die Leute, die dazu etwas gesagt haben, einfach keine sinnvollen Statements abgegeben haben.

 

39 Hat sich nach Deiner Kritik schon irgendetwas in die richtige Richtung entwickelt?

 

Nein, mit Sicherheit hat sich da noch nichts in die richtige Richtung entwickelt. Da muss man bei mehreren Leuten mal auf den Tisch hauen.

 

40 Was machen beispielsweise die Spanier im Nachwuchsbereich richtig?

 

Die haben einfach andere Voraussetzungen. Die haben wärmeres Wetter, sie haben mehr Rennstrecken und sie haben deutlich mehr Interesse. Und das betrifft nicht nur potentielle Förderer sondern auch den Nachwuchs, der mehr Lust auf den Sport hat.

 

41 Eine gute Fee schenkt Dir die Erfüllung eines Wunsches. Welcher wäre das für den Deutschen Nachwuchsbereich?

 

Das wäre, dass der deutsche Nachwuchs richtig gefördert wird. Das die jungen Kinder sehen, dass sie eine Chance haben und einen Weg erkennen, wo es am Ende hingehen kann. Aber momentan ist für den deutschen Nachwuchs kein Weg geebnet, der bis in die höchste Rennsportklasse führen kann. Es ist klar, dass das kein Selbstläufer ist, aber es ist momentan auch keine Struktur dahinter im nationalen Bereich das man sagen kann, wir können junge Leute aufbauen um ihnen eine Chance zu geben um in die Weltmeisterschaft zu kommen. Da fehlt es von vorne bis hinten. Und das wäre ein Wunsch von mir, dass die Struktur einfach anders aufgebaut wird – von allen nationalen Förderern. Das dort mehr Know-how eingebracht wird und der Wille erkennbar wird, dass sie deutsche Fahrer wieder in die höchste Rennsportklasse bringen wollen.

 

42 In welchem Alter hast Du mit dem Biken angefangen?

 

Ich war vier, als ich zum ersten Mal auf einem Mini Motocross gesessen habe.

 

43 Ging die Initiative von Dir oder Deinen Eltern/Deinem Vater aus?

 

Mein Vater hatte mir ein kleines Moped mitgebracht, was dann erst einmal lange in der Garage gestanden hat. Und irgendwann habe ich gesagt, ich will es mal ausprobieren. Also kein Druck, sondern ich hatte Lust darauf.

 

44 Im Rückblick: Was ist der wichtigste Tipp, dem Du jemanden mitgeben kannst, wenn er einen Weg einschlagen wollte, wie Du ihn gegangen bist?

 

Es gibt nicht nur den einen Tipp. Es sind so viele Momente in so vielen Jahren die sich im Rückblick als entscheidend erwiesen haben, da gibt es nicht nur einen Ratschlag.

Stefan Bradl in der Moto2 2010 mit dem Kiefer Racing Team
2010 folgt der Aufstieg in die Moto2 mit dem Kiefer Racing Team (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)
Stefan Bradl in der Moto2 2010 mit dem Kiefer Racing Team
WM Platz 9 steht Ende 2010 in der Moto2 in den Büchern . (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

45 Was war Dein Lieblingsbike in Deiner bisherigen Laufbahn?

 

Die Honda RC 213V.

 

46 Welcher Aufstieg von einer in die andere Klasse (z.B. Moto2 in MotoGP) war bislang am schwierigsten und warum?

 

Ja, es war tatsächlich der Aufstieg von der Moto2 in die MotoGP. Wenn man in der MotoGP zum ersten Mal Gas gibt und denkt „alter Schwede, was ist denn hier los“. Man weiß eigentlich gar nicht, wie sich der Körper daran gewöhnen, wie man sich festhalten und wie man so überhaupt noch eine schnelle Runde fahren soll. Die Leistung in dem Moment war so etwas von unglaublich, dass ich gar nicht gewusst habe, dass das ein menschlicher Körper überhaupt aushalten kann. Oder fahren kann. Aber man gewöhnt sich daran.

 

47 Wenn Du eine Entscheidung in Deiner Karriere ändern könntest, welche wäre das?

 

Hätte, Wenn und Aber gibt es bei mir nicht. Denn ich lebe nicht in der Vergangenheit.

 

48 Der bislang schwierigste Moment in Deiner Karriere?

 

Verletzungen. Das ist immer das, was wehtut.

 

49 Wie neidisch bist du auf die Aufmerksamkeit des Fußballs im Vergleich zur MotoGP?

 

Da brauchen wir nicht darüber reden.

 

50 Hast Du den Eindruck, dass Fußball alle anderen Sportarten mittlerweile medial erdrückt?

 

Auch da brauchen wir nicht darüber sprechen.

 

51 Wenn Du heute plötzlich die Sportart wechseln müsstest, welche Sportart würdest Du wählen?

 

Wie gesagt. Hätte, Wenn und Aber. Allerdings ist ein Hobby von mir Tennisspielen. Das könnte ich mir vorstellen. Bin ich aber zu klein dafür.

 

52 Bei welcher Sportart/welcher Mannschaft/welchem Sportler würdest Du gerne mal einen Tag mittrainieren?

 

Mit Roger Federer. Das wäre ein Traum.

 

53 Mit wem würdest Du gerne mal einen Tag lang tauschen (im Sport oder auch einer anderen Person)?

 

Mit Roger Federer.

 

54 Welches Titelfoto ziert Dein Smartphone?

 

Ein Landschaftsbild von meiner Heimat.

 

55 Wie oft schaust Du am Tag auf Dein Smartphone?

 

Zu oft.

2011 dann das bislang erfolgreichste Jahr der Karriere. Stefan Bradl wird Weltmeister in

der Moto2. Vier Siege, fünf zweite und zwei dritte Plätze fährt Bradl ein, holt 274 WM Punkte.

(© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

56 Die wichtigsten drei Apps, auf die Du auf keinen Fall mehr verzichten wolltest?

 

WhatsApp, Musikplayer und das Mailprogramm.

 

57 Bei Facebook und im Internet wird in letzter Zeit viel geschimpft und beschimpft. Auch Du bekommst oft Dein Fett ab. Liest Du eigentlich Kommentare über Dich im Internet?

 

Das ist ehrlich gesagt nicht der Rede wert. Es gibt so viele Leute die wissen, wie es besser geht. Von daher lache ich meistens eher darüber und befasse mich nicht wirklich damit.

 

58 Was sind die drei prominentesten Namen in deinem privaten Telefonbuch?

 

Das bleibt privat.

 

59 Welche fünf Menschen würdest du zu einem Abendessen einladen?

 

Das bleibt auch privat.

 

60 Welche Person (noch lebend oder auch schon verstorben) würdest Du gerne einmal treffen?

 

Wie schon gesagt, Roger Federer würde ich echt gerne mal treffen. Dazu noch Ayrton Senna – das wäre ein Traum. Und Pierce Brosnan, der ehemalige James Bond Darsteller.

 

61 Wenn Du eine Rolle in einem Film spielen könntest, welche wäre das und warum?

 

Das wäre James Bond.

 

62 Losgelöst von allen Trophäen: Was ist Dein teuerster und wertvollster Besitz?

 

Das bleibt privat.

 

63 Wenn es einen Fahrer aus der Vergangenheit gäbe, der Dein Teamkollege sein könnte, wen würdest Du auswählen und warum?

 

Michael Ranseder. Wir hatten sehr viel Spaß miteinander.

 

64 Wenn ich Dir ein Ticket für ein Reiseziel schenken würde, wo würde die Reise hingehen?

 

Nach New York. Da war ich noch nie und die Stadt würde ich gerne mal sehen.

 

65 Gibt es einen Lieblingsplatz auf einer Rennstrecke dieser Welt? Wenn ja, wo ist der und warum?

 

Nichts Spezielles.

 

66 Was darf auf einer Reise zu einem MotoGP Wochenende auf keinen Fall in Deinem Koffer fehlen?

 

(Lacht). Das Ladekabel für das Smartphone.

Stefan Bradl in der MotoGP für LCR Honda
Stefan Bradl in der MotoGP für LCR Honda
Stefan Bradl in der MotoGP für LCR Honda

Nach dem WM Sieg in der Moto2 erhält Stefan Bradl ein Angebot, was er nicht ablehnen kann.

LCR Honda nimmt den Bayern 2012 in der MotoGP unter Vertrag. Bis 2014 bleibt Bradl dort,

wird achter (2012), siebter (2013) und neunter (2014) in der Fahrerwertung der MotoGP WM.

(© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Stefan Bradl in der MotoGP für LCR Honda
Stefan Bradl in der MotoGP für LCR Honda

67 Wenn Du von einem Rennen nach Hause kommst, was machst Du als erstes?

 

Mama und Papa hallo sagen. Ansonsten: Alles wieder aufräumen (schmunzelt).

 

68 Die Person, zu der Du in Deiner Motorradsportkarriere das engste Verhältnis aufbauen konntest?

 

Papa.

 

69 Dein bester Freund im Paddock?

 

Sandro Cortese.

 

70 Wann hast Du zum letzten Mal so gelacht, das Dir anschließend der Bauch wehgetan hat?

 

Puh, da kann ich mich jetzt ehrlich gesagt nicht daran erinnern.

 

71 Worüber hast Du Dich zuletzt so richtig aufgeregt?

 

Über die Motorrad Nachwuchsarbeit in Deutschland.

 

72 Was war Dein letzter Kinofilm?

 

James Bond – Spectre.

 

73 Bei welchem Song konntest Du zuletzt richtig mittanzen?

 

“Simply the best” von Tina Turner

 

74 Singst Du unter der Dusche? Wenn ja, was?

 

Ich singe nicht.

 

75 Sportwagen unter dem Hintern. Kurvenreiche Strecke vor Dir. Was läuft da für Musik aus den Boxen?

 

Da brauch ich keine Musik. Da reicht der Ton des Auspuffs des Sportwagens.

 

76 Mit wem fährst Du gerne zusammen und warum?

 

Keine Ahnung.

 

77 Wie bewegst Du Dich privat am liebsten fort?

 

Mit dem Auto.

Stefan Bradl auf einer LCR Honda in der MotoGP
Drei Jahre fuhr Stefan Bradl für LCR Honda in der MotoGP (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)
Stefan Bradl auf einer Forward Yamaha in der MotoGP
2015 dann der Wechsel zunächst zum Forward Racing Team... (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Stefan Bradl auf einer Aprilia in der MotoGP
...und in der zweiten Saisonhälfte 2015 in der MotoGP auf einer Aprilia (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)
Stefan Bradl für LCR Honda in der MotoGP
Die Lieblingsmaschine in der MotoGP ist für Bradl derzeit jedoch noch die Honda. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

78 Kennt man Deinen Namen in Flensburg?

 

Hat man gekannt.

 

79 Was war Dein erstes Auto?

 

Ein Toyota Auris.

 

80 Was war Dein erstes Motorrad?

 

Eine Honda QR50

 

81 Wie sehr fasziniert Dich Geschwindigkeit?

 

Fasziniert mich immer noch. Gehört aber einfach auch zum Geschäft und ist Teil vom Alltag.

 

82 Fühlt sich Tempo 300 und mehr für Dich mittlerweile normal an?

 

Ja.

 

83 Wie langsam ist für Dich Tempo 30 in einer 30er Zone wirklich?

 

Fühlt sich nicht langsam an, denn man muss auf spielende Kinder und die Umgebung aufpassen. Es geht nicht darum, dass es sich langsam anfühlt, sondern die Verantwortung richtig einzuschätzen.

 

84 Was kannst Du am besten kochen?

 

Das ist ein Thema über das sprechen wir besser nicht. Ich kann es nämlich nicht (lacht).

 

85 Wer war der Held in Deiner Kindheit?

 

Michael Schumacher als Sportler und Batman als Filmfigur.

 

86 Was war das schönste Geschenk was Du je von einem Fan bekommen hast?

 

Das waren viele Geschenke. Da möchte ich jetzt keines hervorheben.

 

87 Dein Lieblingsbuch?

 

Die Biografie von Andre Agassi – Open.

 

88 Mit wem kannst Du Dich am besten unterhalten?

 

Mit vielen Leuten.

Scheint bei Aprilia momentan voll und ganz angekommen: Stefan Bradl.

 (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl und Aprilia Racing Team Gresini)

89 Was für eine Farbe dürfte Deine Lederkombi niemals haben?

 

Pink.

 

90 Über was kann man sich mit Dir am besten außer Motorradsport unterhalten?

 

Über Sport aber auch ganz normale Themen aus dem Alltag.

 

91 Für was würdest Du niemals Werbung machen?

 

Puh, da fällt mir jetzt nichts ein.

 

92 Welche Sprache würdest Du gerne noch lernen?

 

Italienisch kann ich zwar ein bisschen, das müsste aber noch besser werden.

 

93 Kannst Du eigentlich irgendetwas, auf was man gar nicht kommt?

 

Hier ziehe ich den „weiter“ Joker. ;-)

 

94 Wie schnell kannst einen Reifen an Deinem Motorrad wechseln?

 

Ich kann es, aber wie schnell? Müsste ich üben. Ich bin ja normalerweise nicht derjenige, der das machen muss. Aber ich würde das schon hinbekommen und mir müsste man etwas Zeit lassen (grinst).

 

95 Könntest Du morgen auch als Mechaniker in Deiner Box anfangen?

 

Ich denke schon, ja. Natürlich wächst man damit auf und kennt die ganze Geschichte wie es abläuft, weil man ja damit zu tun hat. Wenn man mir etwas Zeit zum Eingewöhnen geben würde, würde ich das schon hinbekommen.

 

96 Die schlimmste Frage die Dir je ein Journalist gestellt hat?

 

Das waren viel zu viele.

 

97 Ein Klassiker aus einem Bewerbungsgespräch: Wo siehst Du Dich in fünf Jahren?

 

Da würde ich antworten, dass das nicht geht in der heutigen Zeit. Denn selbst im „normalen“ Arbeitsleben ist es schon schwer einen Fünfjahresplan zu haben. Und im Sport ist es fast unmöglich.

 

98 Noch ein Klassiker: Welche Schwächen hat Stefan Bradl?

 

Manchmal ist er ungeduldig, etwas neugierig und seine Kochkünste lassen äußerst zu wünschen übrig.

 

99 Wenn einer ein Buch über Dich nach Deiner Karriere schreiben würde. Was muss unbedingt drin stehen?

 

Puh, was eine Frage. Da müsste ich jetzt länger darüber nachdenken, das kann ich auf die Schnelle nicht beantworten.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Stefan.

 

(Das Interview führte Markus Kahl)

Stefan Bradl auf einer Aprilia in der MotoGP
Was wird das Jahr 2016 für Stefan Bradl bei Aprilia bringen? Hoffentlich viele Momente für einen ordentlichen Wheelie. (© Gerhard Schiel))

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Kommentare: 1
  • #1

    Alex Reuter (Donnerstag, 14 Januar 2016 20:59)

    Das bleibt privat...
    Das bleibt privat...

    ...schade Stefan!