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Die Fabio Quartararo Story: Achterbahnfahrt eines MotoGP Megatalents

Fabio Quartararo nach seinem ersten Sieg in der Moto2 in Barcelona 2018.
Fabio Quartararo nach seinem ersten Sieg in der Moto2 in Barcelona 2018. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Er zündete sich eine Zigarette an. Wie schon bei so vielen zuvor nahm er genüsslich den ersten Zug. Und dann den nächsten. Zügig rauchte er die Zigarette. Als er am Ende angekommen war und die Zigarette nicht mehr brannte, warf er sie mit einer kurzen Bewegung achtlos auf den Boden. Sie war in dieser Sekunde zu nichts mehr zu gebrauchen.

 

Genauso geht es vielen Talenten im Motorradsport. Solange man sie anzünden kann und sie brennen, ist das Interesse riesengroß. Sind sie jedoch verbrannt, wirft man sie weg und das nächste Talent wird aus der Schachtel gezaubert.

 

Einer, der das schon selbst zu spüren bekam, heißt Fabio Quartararo. 2015 wurde der Franzose katapultartig in die Motorrad Weltmeisterschaft geschossen. Extra für ihn gab es eine „Lex Fabio“ – die Anpassung einer Regel zum Einstieg in die WM. Das Mindestalter von 16 Jahren konnte ignoriert werden, sofern der Pilot zuvor die Meisterschaft in der Nachwuchsserie CEV eingefahren hatte. Quartararo gelang das zweimal in Folge und so waren die Erwartungen groß, riesengroß, als der Franzose in der WM loslegte.

 

Im Nachwuchsteam von Estrella Galicia hatte er zuvor seine Gegner in Grund und Boden gefahren und so sollte es im gleichen Team auch in der Moto3 WM für ihn weitergehen – das war der Plan. Der Einstieg war zunächst mehr als vielversprechend. Gleich im zweiten Rennen in Austin fuhr er aufs Podium. Der schon vorhandene Hype bekam noch einmal eine ganz neue Dimension, denn jeder wollte plötzlich etwas vom neuen Wunderkind in der Motorrad Weltmeisterschaft.

 

Motosports24: Fabio, lass uns über Deinen Start in die Weltmeisterschaft 2015 sprechen. Oder besser noch über Deine Zeit davor. In der FIM CEV Repsol Moto3 bist Du dem Rest des Feldes um die Ohren gefahren. Alles wirkte so einfach. Auch in den Rennserien davor warst Du immer auf Platz eins, egal wo Du unterwegs warst. Hattest Du das Gefühl, Dir fällt das alles leichter als der Konkurrenz?

 

Fabio Quartararo: Ja, das stimmt schon. In der Vergangenheit habe ich sehr viel gewonnen. Viele Meisterschaften und viele Rennen. Das erste Moto3 Jahr in der CEV war fast zu einfach, denn ich hatte quasi nie einen großen Kampf, den ich auf der Strecke austragen musste. Als ich dann ich der Weltmeisterschaft angekommen bin, war es für mich umso schwerer, mich in den direkten Duellen auf der Strecke durchzusetzen. Ich kannte das ja von den Jahren zuvor nicht. Klar, für die Meisterschaft war es schon klasse. Aber um sich gegen Gegner auf der Strecke durchzusetzen, Duelle zu haben und zu lernen, war es ehrlich gesagt nicht gut. Also habe ich im ersten Jahr in der Moto3 WM erst einmal angefangen zu lernen. Das hatten andere schon vorher. Von daher waren die vielen Siege zwar positiv, die fehlenden Kämpfe um zu lernen eher negativ.

 

Dann kam der Wechsel in die Weltmeisterschaft und Du wurdest in den Himmel gehoben. Alle sprachen vom neuen Wunderkind. Wie bist Du mit diesem Hype umgegangen. Hat Dich das irgendwie belastet?

 

Also ich habe den Stress in diesem Moment gar nicht so gefühlt. Aber diese Vergleiche mit beispielsweise Marc Marquez waren dann doch stressiger, als ich es selbst zugeben wollte. So sind dann auch Fehler entstanden. Die Medien haben mir mit ihrer Berichterstattung schon ganz schön Druck gemacht.

 

Was würdest Du mit Deinem heutigen Wissen sagen: War der Einstieg in die WM damals zu früh?

 

Nein. Ich denke nicht, dass es zu früh war. Die Erfahrung im ersten WM Jahr war super. Mit 16 Jahren war es dann einfach so weit. Klar hätte ich noch ein Jahr in der CEV bleiben und den dritten Titel in Folge gewinnen können. Aber die Erfahrung, die ich in diesem ersten WM Jahr machen konnte, war im Rückblick gesehen deutlich besser.

Fabio Quartararo 2015 in der Moto3 in Jerez für das Estrella Galicia Team
Fabio Quartararo in seiner ersten WM Saison 2015. In Jerez fährt er auf Pole Position. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Der Hype um Quartararo hält in den nächsten Rennen unverändert an. Der Franzose tut allerdings durch entsprechende Ergebnisse auch alles dafür, um diesen weiter anzuheizen. Beim Auftakt der WM in Europa fährt er eins seiner spektakulärsten Rennen des Jahres. In Jerez liegt er mit vier Fahrern vor der letzten Kurve praktisch gleichauf, als er zu einem waghalsigen Überholmanöver ansetzt. Wenn das gelingt, wird man ihn auf Händen tragen. Aber das Ding kann auch im Kiesbett enden.

 

Quartararo gelingt es nicht, seine Geschwindigkeit zu halten, muss sich am Ende mit Platz vier zufriedengeben. Wie er dieses waghalsige Manöver jedoch abfängt und damit den Sturz vermeidet: Das ist mehr als spektakulär. Schon vier Rennen später gibt es den nächsten Grund für ihn zu feiern, denn in Assen gelingt ihm zum zweiten Mal in der Saison der zweite Platz in einem Rennen. Wie soll dieses Motorrad Märchen noch Enden?

 

Doch wie im Märchen geht es danach nicht weiter. In Misano kommt es zu einem schweren Sturz bei dem er sich den Knöchel bricht. Vier Rennen Pause bedeuten praktisch das Saisonaus. Erst im letzten Rennen in Valencia kann er – mehr schlecht als recht – wieder an den Start gehen. Diese Verletzung tut jedoch der Nachfrage nach ihm keinen Abbruch. Quartararo ist zu diesem Zeitpunkt die heißeste Aktie im Paddock. So passiert, was passieren muss. Obwohl die Zusammenarbeit mit dem Estrella Galicia Team über Jahre erfolgreich war, geht die Partnerschaft zu Ende. Quartararo wechselt für 2016 zum Team von Leopard Racing, die gerade erst eine erfolgreiche Meisterschaft mit Danny Kent feiern konnten.

 

Was dann folgt kann man kurz zusammenfassen: Die Saison 2016 wird für den Franzosen zu einem Jahr von Pleiten, Pech und Pannen. Von Siegen oder Podestbesuchen spricht schnell keiner mehr. Es geht vielmehr nur noch um Schadensbegrenzung.

 

Nach diesem guten ersten Jahr bei Estrella Galicia ging es dann für Dich zu Leopard Racing. Die Ergebnisse wurden dort schlechter und schlechter. Für Dich war es eine schwierige Zeit mit vielen Rückschlägen und Misserfolgen. Um Deinen Spitznamen (er nennt sich „El Diablo“ - der Teufel) aufzugreifen: Gab es Zeiten, die sich für Dich wie ein Gang durch die Hölle angefühlt haben?

 

(Grinst). Ja, schon. Das war mit Sicherheit das bislang schlechteste Jahr in meiner Karriere. Selbst in den besseren Rennen hatten wir nur Probleme. Das ganze Wochenende war von Anfang bis zum Ende immer sehr heraufordernd. Wir hatten eigentlich kein einziges gutes Rennen oder ein gutes Ergebnis. Es war hart. Wir hatten nie ein Basis Setup für die Maschine auf das man aufbauen konnte. Klar, die Leute haben dann schlecht über mich gesprochen. Kein Podium, keine guten Ergebnisse. Es war mehr als schwierig. Hätte ich eine bessere Maschine gehabt, wäre sicher mehr möglich gewesen.

 

Gab es zu dieser Zeit oder auch danach Momente, wo Du selbst an Dir gezweifelt hast?

 

Nein. Ich glaube immer an mich. Wenn es mit der Maschine nicht funktioniert weiß ich, es liegt nicht an mir. Wenn es mal irgendwie lief, kamen technische Probleme dazu. Da konnte ich ja nun nichts dafür. Wenn die Maschine mal funktionierte, war nach vorne auch etwas möglich. Deswegen: Ich habe immer an mich geglaubt.

 

Was war damals überhaupt der Grund zu Leopard Racing zu wechseln. Bei Estrella Galicia Team lief alles gut, die Leute kanntest Du ja auch aus der CEV zuvor. Für mich gab es eigentlich keinen erkennbaren Grund zu gehen. Warum hast Du es trotzdem gemacht?

 

Ich habe damals Danny (Kent) gesehen, der bei Leopard sehr stark war und scheinbar große Vorteile hatte. Er war auf der Honda unterwegs und ich dachte für mich: OK, so ein Bike willst du auch fahren. Hinzu kam, dass ich mit dem Crew-Chief bei Leopard schon 2013 zusammengearbeitet hatte. Ich wusste, dass Christian (Lundberg) die Abstimmung bei einer Maschine hervorragend machen kann. Als ich den Vertrag unterschrieben habe fuhr Leopard mit einer Honda, doch dann wechselten sie urplötzlich kurz vor der Saison zu KTM. Doch die konnte er nicht abstimmen, weil er das Bike nicht kannte. Das Ergebnis kennen wir: Das Jahr wurde ein Desaster.

Fabio Quartararo 2016 in der Moto3 in Qatar für Leopard Racing
Das Jahr 2016 wird für Fabio Quartararo bei Leopard Racing zum totalen Desaster. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Das Abenteuer Leopard Racing wird nur ein einjähriges Gastspiel. Denn für Quartararo ist klar: Das kann so nicht weitergehen. Mittlerweile ist er jedoch von der Körpergröße der Moto3 entwachsen. Mit 1,75 m hat man nicht mehr das Gardemaß für die kleinste WM Klasse. Wie kann es somit 2017 weitergehen? Doch noch ein Jahr Moto3 oder die Chance nutzen um in die Moto2 aufzusteigen?

 

Wäre ein drittes Jahr in der Moto3 danach eine Option für Dich gewesen oder war nach der Zeit bei Leopard Racing klar: Es muss in die Moto2 gehen?

 

Ich hatte beide Optionen. Aber ich hatte einfach das Gefühl, dass in diesem Moment die Zeit für einen Wechsel in die andere Klasse gekommen war. Sich an die Moto2 zu gewöhnen war komplett anders. Mir war klar, dass es im ersten Jahr in der Moto2 schwierig werden würde. Ein paar Fahrer bekommen es schon im ersten Jahr perfekt hin. Aber der Wechsel war alleine schon wegen meines Körpers nötig, denn ich wurde zu groß und zu schwer.

 

Quartararo kommt in der Moto2 in einem echten Topteam unter. Bei Pons Racing kamen in den Jahren zuvor Fahrer immer mindestens unter die Top drei, 2013 gewann man sogar den Titel mit Pol Espargaro. Nicht die schlechteste Adresse für einen Moto2 Einsteiger. Das erste Jahr verläuft bei Pons und in der Moto2 für Quartararo wie erwartet. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Nach einem Superauftakt in Qatar mit Platz sieben folgt eine längere Durststrecke. Nur in zwei der folgenden elf Rennen kommt er in die Top zehn.

 

Für einen Rookie sind das durchaus respektable Ergebnisse, doch eben auch nicht so herausragend, dass es Team oder Medien zu Jubelstürmen hinreißen lassen. Es folgt, was in solchen Fällen oft passiert. Das Interesse an Quartararo wird kleiner und auch das Team verspürt nicht die große Begeisterung, unbedingt mit ihm in 2018 weitermachen zu müssen.

 

Der große Hype ist nun vorbei und Quartararo droht jetzt sogar gar auf dem Abstellgleis zu landen. Eine Entwicklung, die schon manches hochgejubelte Talent vor ihm erleben durfte, das wie die anfangs erwähnte Zigarette einfach weggeworfen wurde. Die Zeit der Unsicherheit bleibt beim Franzosen jedoch recht kurz, denn sehr schnell einigt er sich auf eine Zusammenarbeit mit dem italienischen Speed Up Team für 2018.

Fabio Quartararo 2017 in der Moto2 in Qatar für das Pons Racing Team
2017 steigt Fabio Quartararo in die Moto2 ein und fährt dort für das arrivierte Pons Racing Team. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Ich muss zugeben: Als ich vom Wechsel zu Speed Up für 2018 gehört habe dachte ich mir: Ob das gut geht? Wie wir heute sehen, klappt es scheinbar ziemlich gut. Was funktioniert jetzt besser als im ersten Jahr Moto2 und was funktioniert jetzt besser als zu Beginn der Saison?

 

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Auch das Team im letzten Jahr war ein wirklich gutes Team. Es hat sich sehr familiär alles dort angefühlt. Aber in diesem Jahr muss ich sagen, ist es doch noch ein Stück weit anders. Es ist das Team bei dem ich das Gefühl habe, es ist ein Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten da, so wie ich es noch nie zuvor gespürt habe. Ich habe Vertrauen zur Maschine, das Team vertraut mir. Es gefällt mir natürlich, wenn ich merke, dass die Menschen an mich glauben. Das ist immer ein großer Vorteil für einen Fahrer.

 

Mit welchen Gedanken und Erwartungen bist Du selbst in die Saison 2018 gestartet?

 

Also mein Ziel war es, in den Top fünf zu landen. In jedem Rennen. Aber wir hatten zu Beginn eine Menge Probleme. Die Maschine musste auch meinem Fahrstil angepasst werden. Da hat vieles zu Beginn nicht so gepasst. Aber nachdem wir jetzt diese Schwierigkeiten gelöst haben, kann ich mein ursprüngliches Ziel – immer unter den Top fünf zu sein – wieder ins Visier nehmen.

 

Du fährst jetzt im vierten Team im vierten Jahr in der WM. Wie lange braucht es sich immer wieder an neues Umfeld, Bike und Menschen zu gewöhnen?

 

Also ich glaube, ich lerne schnell und gewöhne mich auch schnell an neue Dinge. Das war in der Vergangenheit schon immer so. Aber schwieriger als das Team zu wechseln ist es, sich an eine neue Maschine zu gewöhnen. Das letzte Jahr war schon nicht so ganz einfach. Da war wirklich alles neu. Aber das Team hatte mir sehr geholfen und so ging die Umstellung schneller als ich selbst erwartet hatte.

 

Der Start bei und mit Speed Up gestaltet sich für Quartararo schwierig. In den ersten drei Rennen läuft nicht viel zusammen, die Resultate sind sogar schlechter als im Jahr zuvor. Wenn nicht schnell die Wende kommt, könnte es nach der Saison tatsächlich schwierig werden. Der Druck wird beim Franzosen sicher nicht kleiner. Ein erster Lichtblick ist beim Europaauftakt in Jerez zu sehen. Quartararo gelingt mit Rang zehn das erste ordentliche Ergebnis, was er bei seinem Heimrennen in Le Mans mit Rang acht sogar noch toppen kann. In Misano kommt der nächste kleine Rückschritt mit Rang elf. Doch dann folgt das Rennen in Barcelona, dass der Saison und vielleicht sogar der Karriere eine entscheidende Wende geben könnte. Quartararo gelingt im Qualifying eine Zauberzeit, mit der er seine Maschine auf Pole Position setzt. Schon das hätte keiner erwartet. Gut, auch ein solcher „Ausrutscher“ im positiven Sinne kann mal passieren. Und vielleicht gelingt am Ende ja ein erstes Top fünf Resultat.

 

Wie fast zu erwarten, fällt Quartararo am Start zurück, kann sich aber immerhin unter den Top drei halten. Irgendwann wird die Konkurrenz schon an ihm vorbeiziehen – wird sich manch einer denken. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. „El Diablo“ packt die Gelegenheit bei den Hörnern und setzt sich zur Hälfte des Rennens an die Spitze. Diesen Platz gibt er bis ins Ziel nicht mehr her und feiert damit seinen ersten Sieg in der Moto2 und in der Weltmeisterschaft überhaupt.

Fabio Quartararo 2018 in der Moto2 für Speed Up in Barcelona
2018 gewinnt Fabio Quartararo das erste Weltmeisterschafts Rennen seiner Karriere. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Nach Deinem Sieg in Barcelona hast Du gesagt, Du brauchst jetzt erst einmal einen Moment, um zu verstehen, was da gerade passiert ist. Hast Du es mittlerweile verstanden und wie fühlst Du Dich jetzt heute damit?

 

Es war ein bisschen komisch nach Resultaten um die Plätze acht bis zehn ein Rennen zu gewinnen. Es hat schon einen Tag gedauert, um wirklich zu realisieren, das erste Mal ein Rennen in der Weltmeisterschaft gewonnen zu haben. Jetzt fühlt sich das großartig an, denn diesen Erfolg kann mir keine mehr nehmen. Jetzt hoffe ich natürlich auf mehr.

 

Das Mehr kommt für Quartararo tatsächlich nur ein Rennen später. Nach einer unfassbaren Aufholjagd von Platz zwölf in der ersten Runde, pflügt er sich bis auf Rang zwei durch das Feld. Die Konkurrenz überholt er dabei teils mit einer Linienwahl in den Kurven, die einen mit offenem Mund vor dem Fernseher sitzen lässt. Barcelona scheint somit keine Eintagsfliege zu sein. Quartararo macht ernst und will nun sein Ziel vom Saisonstart (immer in die Top fünf) in die Realität umsetzen.

 

Deine Rennen in Barcelona und Assen waren einfach unglaublich. Das war teils eine unfassbare Linienwahl die Du da in den Kurven wählen und fahren konntest. Es wirkte so, als ob Uhu an Deinen Reifen klebt. Vom Fahrstil sieht es jetzt aus wie zu den besten Zeiten in der FIM CEV Moto3. Was ist passiert, wie machst Du das jetzt?

 

In Jerez habe ich mit dem Team zusammen einen neuen Fahrstil ausprobiert. Ich hatte bis dato immer noch den Fahrstil der Moto3. Heißt: Schnell in die Kurve, aber eben nicht am Kurvenausgang. In Le Mans habe ich mir dann noch mehr Vertrauen damit geholt. In Mugello hat das dann schon richtig gut funktioniert, aber wir hatten dort Schwierigkeiten mit der Geschwindigkeit. In Barcelona lief es dann viel besser. Es war wirklich das erste Mal das ich das Gefühl hatte, mich ganz natürlich auf einer Moto2 Maschine zu bewegen. Das hat natürlich auch gleich entsprechend richtig Spaß gemacht. Und auch in Assen hat das dann super funktioniert.

 

Ist das Gefühl mit der Maschine demnach jetzt viel besser als in der Vergangenheit?

 

Ja, definitiv. Die ersten drei Rennen der Saison waren nach dem Wechsel der Aufhängung wie ein Test für uns. Jetzt haben wir nur noch kleine Änderungen und ich kann das Wochenende immer mit einem guten Setup beginnen. Damit bin ich bereits am Freitag auf einer guten Position, dadurch fühle mich natürlich besser.

 

Kommt jetzt der große Fabio Quartararo Hype zurück wie zu den Anfängen seiner Zeit in der Weltmeisterschaft? Und wenn ja: Wie kann er heute damit umgehen? Wer ist dieser Fabio Quartararo überhaupt? Viel bekommt man von den Fahrern nicht unbedingt mit, denn die Interviews oder Berichte an einem Rennwochenende drehen sich meist um die Resultate und um wenig mehr.

Fabio Quartararo in der Moto2 am Sachsenring 2018 für Speed Up
Fabio Quartararo am Sachsenring 2018... (© Motosports24)
Fabio Quartararo in der Moto2 am Sachsenring 2018 für Speed Up
...auf seiner Speed Up. (© Motosports24)

Glaubst Du, so ein Hype wie damals könnte heute wiederkommen und wäre es schwierig oder heute ganz anders damit umzugehen?

 

Also das wäre heute anders. Ich habe mittlerweile meine Erfahrung gesammelt und kann anders damit umgehen. Ich habe das Glück, das sich das Interesse mehr auf Johann (Zarco) konzentriert. So kann ich mich mehr auf das konzentrieren was ich tun muss.

 

Wie groß empfindest Du grundsätzlich Belastungen oder Druck von außen?

 

Ich habe keinen Druck. Ich habe nichts zu verlieren. Mein Ziel ist es einfach gute Rennen zu fahren. Die Weltmeisterschaft wird sich zwischen Miguel (Oliveira) und Francesco (Bagnaia) entscheiden. Vielleicht kommen wir noch näher an die Spitze. Ich will einfach nur gute Rennen fahren und gute Ergebnisse holen.

 

Welche Erwartungen hast Du grundsätzlich an Dich selbst und haben die sich im Laufe der Jahre verändert?

 

Die haben sich nicht verändert. Mein Ziel ist es immer, ganz vorne mit dabei zu sein und Rennen zu gewinnen.

 

Ich würde von Dir gerne ein bisschen mehr persönliches über Dich erfahren. Wie bist Du überhaupt zum Motorradrennsport gekommen?

 

Mein Vater ist Motorrad gefahren. Als ich vier Jahre alt war, hat er mir ein kleines Bike hingestellt. Wir sind dann zu Beginn auf einem Parkplatz gefahren. Er hat gesehen, dass ich eine sehr gute Balance habe. Dann bin ich das erste Mal vor vielleicht zehn Zuschauern gefahren und habe gleich alle Rennen gewonnen. Dann war klar, dass wir in Frankreich zu größeren Rennen gehen. Und spätestens als wir dann nach Spanien gegangen sind, war für mich und uns schnell klar, dass es richtig gut werden kann.

 

Du bist ja als Rennfahrer permanent und ständig unterwegs. Allein durch die Rennen bist Du permanent am Reisen. Gefällt Dir das denn?

 

Ja, ich mag das wirklich. Ich bin nicht gerne daheim. Von mir aus könnten wir auch 30 Rennen im Jahr haben, das fände ich klasse. Ich mag Reisen wirklich gerne. Es ist schade, dass immer so wenig Zeit bleibt, um sich die Gegend anzusehen, in der wir fahren. In Europa fährt man einfach nur zu den Rennen und fertig. Aber auf den großen Reisen nach Asien beispielsweise, hat man wenigstens etwas die Chance das Land kennenzulernen.

 

Hast Du denn ein Lieblingsland oder eine Lieblingsstrecke?

 

Sepang gehört zu meinen Favoriten. Auch Mugello. Aber die schönste Stadt die ich bisher kennenlernen konnte ist Sydney. Aber jeder Platz hat etwas Besonderes.

Fabio Quartararo für Speed Up in der Moto2 am Sachsenring 2018
Volle Konzentration...
Fabio Quartararo für Speed Up in der Moto2 am Sachsenring 2018
...bei der Vorbereitung...
Fabio Quartararo für Speed Up in der Moto2 am Sachsenring 2018
...für Fabio Quartararo. (© Motosports24)

Bei diesen vielen ständigen Standortwechseln: Wo ist für Dich Dein richtiges zu Hause?

 

Ich muss ehrlich sagen: Ich habe mich in Sydney gleich wie zu Hause gefühlt. Es war bislang der schönste Ort, den ich gesehen habe.

 

Wie wichtig ist Dein Umfeld mit Freunden und Familie für Dich?

 

Na klar ist das sehr wichtig für mich. Aber das gilt für jeden Fahrer. Wenn man ein schlechtes Rennen hat oder sich ärgert, dann ist es gut diese Menschen um sich zu haben. Von daher ist es mir sehr wichtig eine gute Beziehung zu meiner Familie und zu meinen Freunden zu haben.

 

Vermisst Du manchmal das Leben eines normalen Teenagers?

 

Nein. Ich habe ja ganz früh mit dem Motorradfahren angefangen. Ich kenne es nicht anders. Klar denkt man manchmal, die anderen können jetzt chillen und man selbst nicht. Aber ich mag dieses Leben. Es ist großartig.

 

Du lachst viel und gerne, wenn man Dich auf Fotos sieht. Über was kannst Du besonders lachen?

 

Nichts Besonderes. Ich habe beispielsweise eine gute Beziehung zu meinem Teamkollegen Danny Kent. Mit dem kann man viele Späße machen. Man muss einfach sehen: Es gibt viele junge Fahrer die genau da gerne wären, wo ich jetzt bin. Darüber kann ich einfach glücklich sein und entsprechend lächeln.

 

Nach diesen ersten guten Resultaten hat Quartararo Blut geleckt. Das Ziel ist nicht nur ein Festsetzen an der Spitze der Moto2, sondern mehr. Schon kommen die ersten Gerüchte auf, der Franzose könnte schon 2019 mit gerade einmal 19 Jahren in die MotoGP aufsteigen. Der Jugendwahn kennt in der MotoGP derzeit scheinbar keine Grenzen, denn immer mehr jüngere Fahrer werden dort verpflichtet. Aber wieviel Zeit wird man ihnen dort geben und wird so ein junges Talent wie Quartararo dann dort nicht nur gleich verheizt? Und soll man – wenn sich tatsächlich einem die Chance bietet – ein solches Angebot ausschlagen, um vielleicht dann erst mit einem WM Titel in der Moto2 in die Königsklasse aufzusteigen?

 

Es sind noch einige Rennen in 2018 zu absolvieren: Was erwartest Du jetzt noch vom Rest der Saison?

 

Ich erwarte weitere Podestplätze und hoffe auf Siege. Ich fokussiere mich jetzt auf das was zu tun ist und peile die Top fünf Platzierungen dauerhaft bis zum Jahresende an.

 

Sehen wir Dich 2019 in der MotoGP?

 

Also ich schaue jetzt nicht auf 2019. Ich schaue nur auf 2018. Ich habe meinen Manager, der sich um meine Zukunft kümmert. Ich mache mir darum keine Gedanken. Ich konzentriere mich lieber jetzt auf gute Rennen und darauf, in dieser Saison noch gute Ergebnisse einzufahren.

Fabio Quartararo für Speed Up in der Moto2 am Sachsenring 2018
Fabio Quartararo beim Interview am Sachsenring... (© gp-fever.de)
Fabio Quartararo für Speed Up in der Moto2 am Sachsenring 2018
...gemeinsam mit Markus Kahl. (© gp-fever.de, Stephan Gericke)

Danke für dieses Gespräch, Fabio.

Interview und Beitrag: Markus Kahl.

Mehr mit und über Fabio Quartararo gibt es auch hier im Interview "ohne Worte".

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