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Fabio Quartararo ist: The Wunderkind

Fabio Quartararo 2014 auf der Rennstrecke
Fabio Quartararo 2014 auf der Rennstrecke (© OffBikes)

Er kam, sah und siegte. 2013 war er – nicht nur in Spanien – noch ein unbeschriebenes Blatt. Ein Lehrjahr sollte es werden, das erste Jahr in der CEV Moto3. Mittlerweile ist Fabio Quartararo zweifacher Sieger dieser Klasse. Das spanische Magazin Motociclismo hat mit dem jungen Franzosen vor kurzem ein langes Interview geführt (Link zum Original in Spanisch). Hier spricht Quatararo über seinen Start in den Motorradsport und die Premierensaison 2015 in der Moto3 Weltmeisterschaft.

 

Abseits der Strecke ist er ein schüchterner, sehr zurückhaltender Junge, der sich am liebsten im Paddock versteckt. Sobald er aber den Helm aufsetzt sieht es anders aus. Durch seine Leistungen auf der Rennstrecke wird Fabio im Paddock „El Diablo“ genannt, zu Deutsch „Der Teufel“. Fabio bricht alle bestehenden Rekorde der spanischen Meisterschaft: Im vergangenem Jahr gewann er als Rookie und jüngster Fahrer aller Zeiten mit nur 14 Jahren und 218 Tagen den Meistertitel in der kleinsten Klasse der CEV und unterbot somit den bisherigen Rekord von Aleix Espargaro aus dem Jahr 2004.

 

Da Fabio aufgrund seines Alters noch nicht in der WM fahren durfte (Mindestalter 16 Jahre) wurde er von Marc Marquez Manager Emilio Alzamora in das erfolgreiche Monlau Team geholt. Von den ersten neun Saisonrennen gewann Fabio deren sieben und wurde zweimal Zweiter. Durch diese Siegesserie hat er sich in seinem zweiten CEV Jahr schon zum Fahrer mit den meisten Siegen aller Zeiten (zehn Siege) in der kleinsten CEV Kategorie gekürt – und das bereits zwei Rennen vor Saisonende. Zuvor hatte Alvaro Bautista den Rekord mit sieben Siegen in insgesamt drei Jahren in der CEV gehalten(2001-2003).

 

Mit Platz eins im letzten Rennen in Portimao hat Quartararo bereits seinen zweiten CEV Titel in Serie eingefahren. Ein Kunststück, das noch nie zuvor einem Fahrer in der Ära der CEV gelungen ist.

 

Der Weltmeistschafts-Promoter Dorna hat in Quartararo längst einen Rohdiamanten für den wichtigen französischen Markt ausfindig gemacht und deswegen eine Alters-Ausnahmeregel eingeführt. Diese besagt, dass der Meister der CEV Moto3 Klasse im darauf folgenden Jahr in der Weltmeisterschaft starten darf, auch wenn er noch unter 16 Jahre alt ist. Fabio wird somit schon mit 15 Jahren beim ersten Rennen 2015 in der Startaufstellung stehen.

 

Die letzte Regeländerung dieser Art für einen Fahrer war die Abschaffung der Anti-Rookie-Regel. Diese Regel untersagte es einem Neuling direkt in ein MotoGP Werksteam zu wechseln. Der damalige Nutznießer: Marc Marquez. Ihm wurde es durch diese Regelung ermöglicht, sein MotoGP Abenteuer direkt beim Repsol Honda Werksteam zu beginnen. Nun wird eine weitere Regel für Fabio Quartararo geändert, in dem viele schon den nächsten Marc Marquez sehen.

 

Motociclismo: Fabio, kommt deine Leidenschaft für das Motorradfahren aus deiner Familie?

 

Fabio Quartararo: Ja, mein Vater war selbst Motorradrennfahrer. Er war nationaler Meister in Frankreich und fuhr in den 1980er Jahren zwei Wildcard-Rennen in der 250er WM. Dennoch war es mein Onkel der mein Talent und meinen Gleichgewichtssinn schon auf dem Fahrrad erkannte. Er überredete meinen Vater mir ein Motorrad zu kaufen. Es handelte sich um eine „Piwi“ (Yamaha PW50). Das Motorradfahren gefiel mir sofort, weshalb ich dann mit vier Jahren mein erstes Rennen fuhr und als vierter beendet habe. Danach habe ich alle weiteren Saisonrennen gewonnen und mein Vater kaufte mir eine „Conti“ für Straßenrennen.

 

Und wie bist du als Kind von Frankreich nach Spanien gekommen?

 

In Frankreich gab es schlicht und einfach keine Konkurrenz. Oftmals gab es bei den Rennen nur sieben oder acht Starter und ich gewann die Rennen mit 30 Sekunden Vorsprung. Deswegen startete ich mit sieben Jahren bei italienischen Straßenrennen, bei welchen ich auf heutige WM-Piloten wie Romano Fenati oder Lorenzo Baldassarri getroffen bin. Damals waren sie viel älter und erfahrener als ich, trotzdem habe ich es einmal geschafft sie zu besiegen. Danach habe ich mein Glück in Spanien versucht, genauer gesagt bei den katalanischen Meisterschaften. Ich habe in den folgenden Jahren alle Meisterschaften gewonnen, in denen ich angetreten bin. Das schwierigste Jahr war 2012, als ich in der CMV PreMoto3 Klasse gefahren bin. Ich habe mich beim Motocross Training schwer verletzt und mir insgesamt 15 Knochenbrüche in der Hand zugezogen. Außerdem hatte ich zwei verstauchte Rückenwirbel. Ich musste mich operieren lassen und habe ein Rennen verpasst, aber am Ende des Jahres habe ich die letzten drei Saisonrennen gewonnen und noch den Titel eingefahren.

 

Genauso wie letztes Jahr in deiner Rookie Saison in der CEV...

 

Ich wusste, dass der Schritt aus der PreMoto3 in die CEV ein sehr großer wird, denn teilweise gab es über 50 Konkurrenten aus allen Ländern der Welt. Das Fahrerfeld war sehr ausgeglichen. Beim Saisonauftakt in Barcelona wurde ich im Qualifying 19. und dachte mir „uffff…. Wie hoch ist das Niveau hier?” Aber am Sonntag regnete es und ich fühlte mich sehr wohl auf dem Motorrad. Ich fuhr als zweiter auf das Podium! Die darauf folgenden Rennen waren sehr schwierig. Ich habe mir mit schlechten Qualifikationsergebnissen das Leben selbst schwer gemacht. Meist startete ich nur aus der sechsten oder siebten Startreihe, in den Rennen lief es dann deutlich besser.

 

Und was hat sich in den letzten drei Saisonrennen im Jahr 2013 geändert?

 

Der große Wechsel kam vor Valencia. Ich habe mich physisch besser mit meinem Trainer Eduardo Martín vorbereitet und das Team hat ein paar neue Teile von FTR bekommen, inklusive einer neuen Motorausbaustufe von Honda. Als ich das erste Mal auf das neue Motorrad gestiegen bin, konnte ich viel ruhiger fahren. Ich wusste, dass ich nun ganz vorne mitfahren kann, hätte aber trotzdem nicht gedacht, dass ich beide Rennen in Valencia gewinne.

 

Durch dieses perfekte Wochenende kam ich mit kleinen Titelchancen zum Saisonfinale nach Jerez. In der Gesamtwertung lag ich auf Platz vier, aber María Herrera und Alejandro Medina waren eigentlich schon zu weit weg. Ich konzentrierte mich das ganze Wochenende nur darauf das Rennen zu gewinnen, was dann auch geklappt hat. Als ich über die Linie fuhr sah ich, dass hinter mir eine Estrella Galicia Maschine ins Ziel kam und ich dachte es war María. Ich wusste nicht, dass ich den Titel gewonnen habe, bis mir Adrian Martin in der Auslaufrunde gesagt hat, dass nicht María Zweite geworden ist, sondern ihr Teamkollege Marcos Ramirez. Ich konnte es nicht fassen.

Fabio Quartararo bejubelt einen seiner vielen Erfolge 2014 in der Repsol CEV
Fabio Quartararo bejubelt einen seiner vielen Erfolge 2014 in der Repsol CEV (© OffBikes).

Du konntest wegen deines Alters noch nicht in die WM aufsteigen. Denkst du, dass 2014 für dich ein verlorenes Jahr in der CEV war?

 

Nein, ganz im Gegenteil. Ich glaube mit 15 Jahren ist man immer noch extrem jung um in die Weltmeisterschaft einzusteigen. Ich denke ich wäre nicht allzu schlecht gewesen, aber ein weiteres Jahr in der CEV hat mir sehr gut getan um weitere Erfahrungen zu sammeln. Noch immer gibt es für mich sehr viel zu lernen.

 

Weißt du, dass du selbst im nächsten Jahr niemanden mehr überraschen kannst?

 

Mal sehen, die Leute erwarten sehr viel von mir und wollen mich vom ersten Rennen an ganz vorne sehen. Wenn ich wirklich vorne mitfahren kann wäre es genial, aber es wird sehr schwierig. Als ich Alex Rins beim IRTA Test in Jerez ersetzt habe, habe ich schon gemerkt, dass das Niveau in der WM extrem hoch ist (Anm. der Redaktion: Fabio war nur eine Zehntel langsamer als Alex Marquez). Ich denke der Schritt von der CEV in die WM ist vergleichbar mit dem Schritt aus der PreMoto3 in die CEV.

 

Aber im letzten Jahr hast du die CEV als Neuling gewonnen. Kannst du 2015 das gleiche schaffen was Marc Marquez 2013 in der MotoGP gelungen ist?

 

Mal sehen, das ist schon mein Ziel, aber ich setze mich deswegen nicht unter Druck. Man muss bedenken, dass ich direkt in die WM einsteige ohne jemals zuvor eine Wildcard gefahren zu sein.

 

Verstehst du, dass dich die Leute mit Marc vergleichen?

 

Es ist sicherlich wegen der Rekorde die ich gebrochen habe. Der Unterschied ist aber, dass ich sie in der CEV gebrochen habe und Marc in der WM. Es ist also nicht vergleichbar. Marc ist mein Vorbild, aber im Moment sehe ich nicht viele Gemeinsamkeiten zwischen uns, weder in unserer Karriere noch in unserem Fahrstil.

 

Der Dorna gefällt es sicherlich einen konkurrenzfähigen Franzosen in der WM zu haben...

 

Für die Meisterschaft ist es immer gut schnelle Piloten aus vielen verschiedenen Ländern zu haben und für Frankreich gilt genau das gleiche, denn es ist ein großer Motorradmarkt. Im Moment sind unsere bekanntesten Fahrer Randy de Puniet und Johann Zarco.

 

Wie stark ist das Interesse an dir in Frankreich?

 

In Wirklichkeit reden im Moment mehr Leute in Spanien über mich als in Frankreich. Der CEV Titel im vergangen Jahr veränderte auch nicht allzu viel, doch durch meinen CEV Sieg 2014 in Le Mans bin ich etwas bekannter geworden.

 

Wie hast du deinen Sieg vor dem Heimpublikum erlebt?

 

Es war sehr speziell, denn es war das erste Mal dass die CEV außerhalb von Spanien gefahren ist und dann auch noch in meinem Land. Am gleichen Wochenende wie die MotoGP. Ich war am Anfang viel nervöser als sonst, aber als die Ampel ausging war es für mich wie ein normales Rennen. Jeder Sieg ist speziell, aber hier in Frankreich mit dem Publikum war es noch schöner die eigene Nationalhymne zu hören.

 

Wie viel Druck ist es im Team von Alzamora zu sein und sich um die Weiterentwicklung der Moto3 Honda zu kümmern?

 

Ich denke das Junior Team Estrella Galicia 0,0 ist der beste Platz in dem man in der CEV nur sein kann. Die Zukunftschancen sind brillant und in diesem Jahr habe ich schon viel mehr gelernt als im letzten Jahr. Es ist super mit Alex Rins und Alex Marquez so starke Teamkollegen aus der Weltmeisterschaft zu haben mit welchen ich meine Rundenzeiten und Bremspunkte vergleichen kann. Das Team hat sich sehr schnell von KTM auf Honda umgestellt und Honda hat mit dem neuem Motorrad eine ausgezeichnete Arbeit geleistet. Die Weiterentwicklung des Motorrads ist eine großartige Erfahrung für mich und meine Zukunft.

 

Du lebst weiterhin in Frankreich, aber wie sieht dein Tagesablauf aus?

 

Ich lebe in Nizza, im Haus meiner Eltern und wir fahren immer zu den Rennen nach Spanien. Manchmal müssen wir schon eine Woche vorher fahren, da es oft Testfahrten gibt. Ich werde vermutlich nach Spanien ziehen, nach Altea wo mein Manager lebt. So wird es leichter für mich. Mein Tagesablauf ist wie der eines normalen 15 Jährigen der in Frankreich lebt. Der einzige Unterschied sind die Trainings und das ich auf meine Ernährung achten muss. Ich muss einige Opfer bringen, aber das macht nichts wenn ich dann dafür in der WM fahren darf. Wenn ich Zeit mit meinen Freunden verbringe, dann rede ich am liebsten nicht über Motorräder.

 

Obwohl in deiner Karriere alles sehr schnell geht, hast du einen Traum den du dir erfüllen willst?

 

Ich will Weltmeister der MotoGP werden.

 

Aber erst musst du in der Moto3 fahren. Wen siehst du als größte Konkurrenten?

 

Ich denke es werden Romano Fenati und Enea Bastianini, aber ich weiß noch nicht genau welche Fahrer in der Moto3 Weltmeisterschaft bleiben…

 

Das stimmt… Wen hättest du am liebsten als Teamkollegen in deiner Box?

 

Mir würde es gefallen, wenn María Herrera weiterhin meine Teamkollegin bleibt!

 

 

Fabio Quartararos Karriere in Zahlen:

 

Frankreich:

2005 Meister der „Provence Yamaha PW50“ Klasse

2006 Meister der „CONTIschool 50cc“ Klasse

 

Spanien:

2007 Vizemeister der „España Promovelocidad 50cc“ Klasse

2008 Meister der „España Promovelocidad 50cc“ Klasse

2009 Meister der „España Promovelocidad 70cc“ Klasse

2010 Gesamtdritter der „Mediterráneo 80cc“ Klasse

 

2011 Meister der „Mediterráneo 80cc“ Klasse.

2012 Meister der „Mediterráneo 125cc PreMoto3“ Klasse

2013 Meister der „CEV Repsol Moto3“ Klasse

2014 Meister der „CEV Repsol Moto3“ Klasse

(Markus Kahl)

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