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Marcel Schrötter im MotoGP Interview: So lief sein erstes Jahr bei IntactGP in der Moto2

Marcel Schrötter 2017 für IntactGP in der Moto2
Wunschteam erreicht. Trotzdem fällt das Saisonfazit gemischt aus. Marcel Schrötter in der Moto2 (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl).

Zum Start in das Jahr 2017 war die Euphorie groß. Endlich beim Wunschteam angekommen, wollte Marcel Schrötter voll durchstarten. Doch statt einer Traumsaison wurde es eher eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Sein IntactGP Team wechselte 2017 von Kalex auf Suter – hier hieß es vor allem: Die Umstellung zu verarbeiten. Hinzu gesellte sich zur Saisonmitte noch ein Kahnbeinbruch in der linken Hand – eine Verletzung, die den Deutschen bis heute verfolgt. Im Gespräch mit Motosports24 spricht Schrötter über das Auf und Ab des Jahres und wie es für ihn jetzt weitergeht.

 

Eine Frage, die man zum Ende des Jahres ganz ohne Floskel stellen kann: Wie geht es Dir?

 

Mir geht’s soweit gut. Natürlich war ich zuletzt ein bisschen enttäuscht. Nach meiner Verletzung sind die Rennen nicht so verlaufen, wie sie hätten laufen können. Deswegen sind wir von Wochenende zu Wochenende immer ein bisschen enttäuscht abgereist, obwohl wir eigentlich ganz gut dabei waren – außer jetzt in Valencia. Da haben wir uns ein bisschen schwerer getan. Aber Valencia ist eben auch eine sehr spezielle Strecke. Da kann man beim Testen noch so schnell sein, im Rennen ist es immer was anderes.

 

Dann kamen die Probleme mit meiner Hand noch dazu. In Valencia hast du gar keine Pausen. Es gibt viele Anbremsphasen auf links und das ist der Bereich, der mir mit meiner Hand noch am meisten Probleme bereitet. Bei den Überseerennen ist das noch ein bisschen weniger schlimm gewesen – das Rennen in Motegi war beispielsweise im Regen und verkürzt, die Belastung ist dann nicht ganz so hoch. Aber irgendwann kommt dann in einem Rennen der Moment, wo der Schmerz in der Hand überhandnimmt und der Körper nicht mehr die Kraft hat.

Du sprichst von Deinem Kahnbeinbruch, den Du Dir in der Sommerpause zugezogen hast. Merkt man Fortschritte bei der Heilung oder ist es viel zäher als man es erwarten konnte?

 

Also es ist zäher, als ich es erwartet habe. Aber alle, mit denen ich darüber gesprochen habe sagen: Das ist ganz normal. In Malaysia hat mich Hiroshi Aoyama angesprochen und meinte, er hatte das Gleiche vor vier Jahren und er merkt es heute noch. Natürlich nicht mehr in solchen Ausmaßen. Aber wenn er z.B. Motocross fahren geht und mal einen Schlag blöd abbekommt, dann merkt er eben, dass es zwickt. Aber auch andere sagen leider, dass es sich ewig hinzieht. Natürlich merke ich, dass es besser wird. Aber diese Schritte sind sehr, sehr klein. Wenn die Saison jetzt vorbei ist gibt es ein bisschen Ruhe und viel Arbeit mit dem Physiotherapeuten. Da hoffe ich schon, dass es deutliche Fortschritte gibt.

 

Mal weg von der Hand und Deiner Verletzung. Wie fällt für Dich Dein Saisonfazit aus?

 

Es gab da sehr, sehr viele positive Punkte. Wenn ich zurück an den Anfang des Jahres denke: Da waren wir als Team schon ziemlich enttäuscht. In den ersten Tests haben wir uns unheimlich schwergetan. Auch für mich war das vom Kopf nicht einfach zu verarbeiten. Jedes Jahr ein neues Motorrad, das ist schon nicht so leicht. Jetzt ist man endlich bei dem Team angekommen, wo man immer hinwollte. Alles passt, auch vom ganzen Support. Und dann wechselt man das Motorrad und fährt erstmal hinterher. Das war doch ziemlich schwierig.

Marcel Schrötter und Jürgen Lingg 2017 für das IntactGP Team in der Moto2
Marcel Schrötter im Gespräch mit IntactGP Teamchef Jürgen Lingg (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Wie ist das Team damit umgegangen?

 

Das Team hat einen immer aufgebaut und gesagt, dass man da jetzt einfach durchmuss. Wir haben uns ja dann Stück für Stück, Rennen für Rennen tatsächlich gesteigert. In Qatar waren wir noch ohne Punkte und in Jerez dann plötzlich auf Platz sechs - wo wir uns doch den ganzen Winter so schwergetan hatten. Da kam dann schon die Stimmung auf: „Da geht ja doch was, es ist ja alles gar nicht so schlecht wie es sich angefühlt hat“. Man darf ja nicht vergessen: Zu dem Zeitpunkt war es immer noch exakt das gleiche Material wie am ersten Tag. Das hat uns schon sehr viel Motivation gegeben und so haben wir genau weitergemacht.

 

Es ging aber nicht die ganze Zeit nur nach oben.

 

Nein. Es folgten dann zwei Rennen in denen das Team auch hinterher gesagt hat, da haben wir uns wohl ein bisschen verrannt. Wir mussten ja nach wie vor schauen, in welche Richtung es geht. Dann gab es aber auch zwei Rennen wo es bei mir nicht optimal lief. In Assen beispielsweise bin ich gleich zu Beginn mit Alex Marquez zusammengestoßen, habe dabei den Kotflügel verloren und die Bremse verbogen. Dadurch ging es danach geradeaus, wieder auf die Strecke und direkt dem Sandro (Cortese) ins Bike. Ich war in dem Moment fast so ein bisschen wie eine Bowlingkugel.

 

Gab es denn trotz dieser „Pannen“ auch positives, was Ihr mitnehmen konntet?

 

Auf jeden Fall. Denn die Rennen waren trotzdem noch ganz gut, wenn ich mich dann von ganz hinten durchs Feld gearbeitet und beispielsweise in Barcelona in der vorletzten Runde noch um Platz sieben gekämpft habe. Das war so ein Punkt wo wir gesehen haben: Der Speed ist da.

 

Die Hoffnung war also groß, als wir zum Sachsenring kamen. In allen Trainings war ich da zweiter, nur im Qualifying lief es nicht mehr wie gewünscht. Das Rennen selbst war dann eher – auch wegen falscher Reifenwahl – ein Reinfall. Im Regen habe ich dieses Jahr eh wieder so meine Probleme gehabt. Tja, und dann kam die Sommerpause und die Geschichte mit meiner Hand.

Marcel Schrötter beim Saisonauftakt der Moto2 2017 in Qatar
In vielen Momenten war der Fortschritt bei Marcel Schrötter in der Moto2 deutlich sichtbar (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl).

Es war aber nicht nur die Verletzung an der Hand, die Dir dann Probleme bereitet hat?

 

Nein, das ist doch ganz klar. Wenn man fünf Rennen aussetzen muss und dann zurückkommt während alle anderen weitergefahren sind, da hat man einfach auch fehlende Wettkampfpraxis. Auch mit dem Training war ja quasi nichts möglich - ich konnte die Hand ja nicht belasten. Draußen Radfahren war gar nicht drin, nur drinnen auf dem Ergometer. Sonst nichts.

 

Und dann das erste Rennen nach der Verletzung in Aragon.

 

Ja. Donnerstags bekam ich den Handschuh mit den Schmerzen nur schwer an, freitags dann im Training auf Rang vier und im Qualifying auf Platz acht. Da waren wir alle schon ziemlich überrascht, wie ich da zurückgekommen bin. Eigentlich habe ich genau da weiter gemacht wo ich aufgehört habe, vom Speed her. Obwohl mir jeder gesagt hat, ich brauche mir keinen Stress zu machen. Da habe ich im Team aber doch schon einige überrascht. Irgendwo war der Speed also dieses Jahr schon da – trotz aller Umstände.

 

Wie ist für Dich insgesamt die Integration im Team gelaufen und wie die Eingewöhnung auf die Suter?

 

Die Eingewöhnung war sehr gut, sehr einfach. Ich kenne das Team ja schon ziemlich lang. Sobald klar war, dass ich mit dazu komme ist man dann abends schon mal was zusammen essen gegangen, schon mit integriert worden. Das war alles sehr, sehr gut.

 

Die Eingewöhnung mit der Suter war ziemlich, ziemlich schwer. Weil das Motorrad doch ganz anders ist als die Kalex. Eine extrem andere Sitzposition beispielsweise. Das haben wir dann Stück für Stück probiert es anzupassen, aber selbst heute sind wir da noch nicht bei 100 Prozent. Die Kalex seinerzeit war da einfacher, freundlicher. Da haben wir mit der Suter jetzt um einiges mehr zu arbeiten. Ich habe bei der Suter trotzdem das Gefühl, wenn der Punkt kommt, wo es zu 100 Prozent klick macht, dann kann man schon ziemlich schnell sein mit dem Motorrad. Aber wir müssen weiterarbeiten, damit ich mich noch ein Stück wohler fühle als bislang. Wenn dann alles passt, können wir 2018 richtig angreifen.

Marcel Schrötter fährt auch 2018 in der Moto2 für IntactGP
Will 2018 in der Moto2 voll durchstarten: Marcel Schrötter (© IntactGP).

Wie sieht für Dich jetzt der Winter aus? Fährst Du beispielsweise dieses Jahr wieder beim Superprestigio in Barcelona mit? Da warst Du ja in den Jahren zuvor immer mit dabei.

 

Ich würde sehr gerne, aber ich muss einfach abwarten wie sich meine Hand entwickelt, wenn ich ein paar Tage frei hatte. Ich habe ja genauso noch die Einladung von Valentino Rossi auf seine Ranch. Aber da habe ich abgesagt, weil es mir einfach zu riskant ist. Das ist deutlich schwieriger und anstrengender als Dirt Track. Wenn da also ein Sturz passiert – das ist mir für die Hand einfach zu gefährlich.

 

Ich muss einfach sehen, wie es kurz vor dem Start beim Superprestigio ist. Vielleicht würde ich mit dem gleichen Team wie im letzten Jahr antreten. Eventuell macht auch Honda was – die unterstützen schließlich auch unser Team. Von daher wäre es natürlich sehr schön, wenn ich auch mit einer Honda an den Start gehen könnte. Wenn es also organisatorisch klappt und von der Hand her geht würde ich es gerne machen.

 

Danke für das Gespräch, Marcel.

Das Gespräch führte Markus Kahl

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