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MotoGP Interview mit Brad Binder - Der nette Junge von nebenan

Brad Binder 2018 für KTM in der Moto2
Kein Lautsprecher, sondern der nette Typ von nebenan: Brad Binder. (© KTM)

So ein bisschen unscheinbar wirkt der Moto3 Weltmeister von 2016. Immer etwas zurückhaltend, kein Typ fürs große Rampenlicht. Brad Binder ist eher die Sorte von Mensch, die Ergebnisse für sich sprechen lassen. Keine fetten Tattoos, kein dickes Eigenmarketing. Sondern einfach einer, mit dem man abends bei einem Bierchen über die Welt des Motorradsports plaudern kann.

 

Das haben wir auch getan – nur nicht mit Bierchen. Im Gespräch mit Motosports24 erzählt Binder, wann er doch mal richtig böse werden kann, wie schwierig bislang seine Zeit in der Moto2 ist und warum er mit Instagram und Co. wenig bis nichts anfangen kann.

 

Motosports24: Bist Du der Mr. Nice Guy der MotoGP?

 

Brad Binder: Ich weiß nicht, das musst Du mir sagen.

 

Also auf mich wirkst Du einfach unheimlich ausgeglichen. Immer höflich, immer freundlich, nie mit einem bösen Gesicht. Also musst Du Mr. Nice Guy sein.

 

(Grinst) Dann bist Du scheinbar nicht sehr oft in meiner Box. Also nach außen wirkt das ganze wahrscheinlich sehr entspannt. Aber es stimmt schon, ich bin grundsätzlich schon eine ziemlich relaxte Person. Wenn die die Dinge gut laufen sind alle gut drauf. Aber wenn es nicht gut läuft ist es wichtig sich daran zu erinnern, was man hier macht. Die Dinge könnten schlechter laufen, als ein Motorradrennfahrer zu sein.

 

Wann kannst Du böse sein oder werden?

 

Mmh. Mal überlegen. Also wenn mich auf der Strecke jemand ärgert. Aber da müssen auch schon ein paar Sachen passieren.

Das bislang erfolgreichste Jahr in der Karriere. 2016 wird Brad Binder Weltmeister in der Moto3.
Das bislang erfolgreichste Jahr in der Karriere. 2016 wird Brad Binder Weltmeister in der Moto3. (© www.gp-photo.de, Ronny Lekl)

Abseits der Piste bist Du also Mr. Nice Guy. Muss man aber auf der Rennstrecke auch mal eklig und ein Arschloch sein?

 

Ich weiß nicht ob ich ein Arschloch auf der Strecke bin. Keine Ahnung, was andere Leute denken. Wenn kein Platz ist, mache ich eher welchen. Abseits der Strecke ein Arschloch zu sein ist das Eine. Aber auf der Strecke hat man einen Job zu erledigen. Jeder fährt da für sich alleine. Je besser es läuft umso besser ist es für dich.

 

Wie würdest Du Deinen Fahrstil beschreiben beziehungsweise mit welcher Art zu fahren fühlst Du Dich wohl? Eher smooth oder doch eher der, der das Bike um die Ecke prügelt?

 

Ich würde sagen von allem etwas. Am Kurvenausgang ist es doch eher etwas weicher, in der Bremsphase ist doch eher ziemlich aggressiv und hart. Ich bremse sehr spät und hart.

 

Gibt es eigentlich einen Fahrstil der Erfolg verspricht oder kommt das eher auf jeden Fahrer selbst an?

 

Jeder ist anders. In der Moto2 ist ein eher weicher Fahrstil gefragt. Man muss sehr präzise fahren. In der Moto3 ist dagegen eher ein aggressiver Fahrstil vonnöten. Es ist schwierig. Man muss sich selbst unter Kontrolle halten, denn es ist leichter, sehr spät zu bremsen und in die Kurve zu sliden. Aber damit machst du dir auch deinen Speed kaputt. Wie man auch im Fernsehen sehen kann, rutscht eine Moto2 Maschine ziemlich stark. Diesen Fahrstil gewöhnt man sich schnell an. Aber man verliert dabei eben auch schnell seine Geschwindigkeit.

 

Du hattest in der Moto3 einen fünf Jahre langen Weg bis es zum Titelgewinn gereicht hat. Hast Du diesen Weg selbst als lang empfunden?

 

Nun, in der Moto3 funktionieren die Dinge meist nicht über Nacht. Es dauert seine Zeit um seine Geschwindigkeit zu finden. Ich bin ehrlich gesagt nicht der Typ, der in ultraschneller Geschwindigkeit die Dinge adaptiert. Es dauert einen Moment. Ich brauche einfach ein paar mehr Runden als andere Fahrer um eine Strecke komplett zu verinnerlichen. Aber wenn es dann Klick gemacht hat, dann kann ich dieses Level auch sehr gut halten.

 

Was war im Jahr Deiner Weltmeisterschaft in der Moto3 der ausschlaggebende Faktor der Dich stark gemacht und dann auch den Titel gebracht hat?

 

Der Hauptfaktor war, an jedem Wochenende auf dem Podium zu stehen. Wenn ich um den Sieg kämpfen konnte, dann habe ich das auch getan. Aber wenn das mal nicht ging, war ein Podestbesuch ausreichend. Ich habe immer 110 Prozent für einen Sieg gegeben, aber wichtig war es dann einfach, keine Dummheiten mehr in der letzten Runde zu machen. Das war der ausschlaggebende Punkt, einfach mit Kopf für die Punkte zu fahren.

2018 ist das zweite Jahr für Brad Binder in der Moto2.
2018 ist das zweite Jahr für Brad Binder in der Moto2. (© KTM)

Wie schwierig war danach sich auf die Moto2 einzustellen, vor allem von der Maschine?

 

Also der Wechsel in die Moto2 ist grundsätzlich schwierig. Es ist ein komplett anderes Motorrad. Und es ist eine völlig andere Art Motorrad zu fahren. Die Maschine ist im Gegensatz zur Moto3 richtig groß und schwer. Es rutscht viel mehr und die Reifen drehen schneller durch. Ich hatte dann noch die Schwierigkeit, dass ich mir gleich am Anfang den Arm gebrochen habe. Der machte dann eigentlich die komplette erste Hälfte der 2017er Saison Probleme. Als das besser wurde, war es auch für mich einfacher zu fahren und dort anzukommen.

 

Hattest Du auch mal so etwas wie ein Motivationsloch nach dem Titelgewinn? Man ist ja euphorisch von dem Titel und muss dann ja in der anderen Klasse quasi wieder von vorne anfangen.

 

Also nach einem Titel werden Dinge eigentlich erst einmal besser um ehrlich zu sein. Ich war entspannter, hatte keinen Druck mehr. Ich konnte einfach das machen, was mir Freude bereitet. Die Saison mit dem Titel war die Beste die ich bislang hatte.

 

Wie würdest Du Deine bisherige Zeit in der Moto2 beschreiben, wie zufrieden oder unzufrieden bist Du bislang?

 

Momentan bin ich ehrlich gesagt nicht so glücklich. Als ich 2017 die ersten drei Podestbesuche in Folge hatte dachte ich, jetzt kann ich auch in der Moto2 oben angreifen. Mit der Erwartung bin ich ins Jahr 2018 gegangen. Aber leider ist es komplizierter geworden als ich es erwartet habe. Ich bin eigentlich davon ausgegangen weiter vorne mitzufahren. Klar, die Erwartung war, dass es nicht einfach wird. Aber jetzt? Bin ich eher wieder hintendran, hinter der Spitze. Also heißt es weiterarbeiten. Die Abstände in der Moto2 sind einfach sehr, sehr eng. Deswegen heißt es in jeder Runde den Kopf unten zu halten und Vollgas zu geben.

 

Ist in 2018 Deine neue Lieblingszahl die 6? (in fünf der ersten acht Rennen belegte er Position 6)

 

(Lacht) Scheint so. Ja, das ist schon ein bisschen verrückt. Denn es sind ja immer unterschiedliche Fahrer vor und hinter mir. So schlecht ist das nicht. Denn selbst wenn ein Wochenende nicht gut läuft und ein sechster Platz dabei herausspringt, da kann man eigentlich mit zufrieden sein. Der Rückstand zur Spitze ist meist gleich groß. Also gilt es, diese paar Zehntel noch wegzuarbeiten. Es ist einfach verdammt eng da vorne.

Für KTM fährt Brad Binder bereits das vierte Jahr in Folge.
Für KTM fährt Brad Binder bereits das vierte Jahr in Folge. (© KTM)

Wird es in der Moto2 jetzt auch wieder fünf Jahre für Dich bis zum Titel dauern wie in der Moto3?

 

Also, ich hoffe nicht.

 

Welche Serie ist die schwierigere: Moto2 oder Moto3?

 

Moto2. Definitiv.

 

Ich denke mal, Dein Ziel wird es sein, irgendwann auch in der MotoGP zu fahren. Hast Du schon eine Vorstellung davon, wann das klappen könnte?

 

Also, das weiß man nie. Die Ergebnisse sprechen immer für sich. Wenn die Ergebnisse stimmen, bekommst Du immer Angebote, um einen Aufstieg machen zu können. Aber solange ich nur sechste Plätze in der Moto2 einfahre, kann ich darauf noch ein bisschen warten (grinst).

 

Ich würde gerne noch ein bisschen mehr über Dich erfahren. Wie bist Du überhaupt zum Motorradsport gekommen?

 

Ich habe angefangen, Gokart zu fahren. Da war ich etwa sieben Jahre alt. Zwei Jahre bin ich dann Karts gefahren. Denn in Südafrika darf man erst auf ein Motorrad, wenn man zehn Jahre alt ist. Also bin ich am Anfang erst Kart gefahren, hab dann aber auch schnell Gefallen an den Zweirädern gefunden und bin dann umgestiegen.

 

Wie populär ist der Motorradsport generell in Deiner Heimat? Ihr hattet zwar mal einen Weltmeister, aber das hat nicht unbedingt etwas zu bedeuten. Es ist für mich schwer, dass hier aus der Ferne zu beurteilen.

 

Also um ehrlich zu sein, war jetzt keine große Euphorie Welle spürbar, als ich 2011 in die WM eingestiegen bin. Aber im Laufe der Zeit ist das dann doch ein klein wenig angewachsen mit dem Interesse. Ich war dann doch überrascht wie viele Menschen mich erkannt haben, wenn ich einfach auf der Straße entlang gegangen bin. Das Interesse an der MotoGP wird langsam größer.

2018 gelingt Brad Binder der erste Sieg in der Moto2 am Sachsenring.
2018 gelingt Brad Binder der erste Sieg in der Moto2 am Sachsenring. (© KTM)

Wäre auch ein anderer Sport für Dich als Profi in Frage gekommen?

 

Um ehrlich zu sein, nein. Ich habe keinen Plan B.

 

Machst Du selbst noch anderen Sport nebenher und was ist Deine Lieblingssportart neben dem Rennsport für die Du Dich interessierst?

 

Also ich schaue eigentlich gar nicht groß irgendeinen anderen Sport. Oder verfolge was anderes. Rennsport ist alles in meinem Leben.

 

Wie verbringst Du sonst Deine Zeit außerhalb der Strecke?

 

Es kommt darauf an. Zwischen den Rennen besteht die Zeit, die ich verbringe, hauptsächlich aus Training. Morgens eher Ausdauersport und nach dem Mittagessen geht es dann meist noch ins Fitnessstudio.

 

Lebst Du grundsätzlich weiter in Südafrika?

 

Ich versuche es. Gerade wenn Sommerpause ist schaue ich, nach Hause zu kommen. Aber wenn die Rennen ganz normal laufen, dann lebe ich nirgendwo und überall.

 

Was liebst Du besonders an Deiner Heimat?

 

Es ist eben einfach mein zu Hause. Schwierig, um das zu beschreiben. Ich bin ja nur am Reisen die ganze Zeit. Und es gibt eben keinen Platz auf der Welt der so ist wie dort, wo ich aufgewachsen bin.

 

Es gibt ja viele Fahrer, die uns intensiv an all ihren Aktivitäten über Social Media teilhaben lassen. Du bist da eher zurückhaltender. Da sind wir wieder am Anfang des Gesprächs, wo wir über den ruhigen, vielleicht etwas zurückhaltenden Brad Binder gesprochen haben. Ist dieses seine Person ins Schaufenster stellen eher nicht so Dein Ding?

 

Es interessiert mich einfach nicht, der ganzen Welt alles über mich mitzuteilen wie es mir gerade geht oder was ich mache. Ich mag es lieber, mich einfach auf meine eigenen Sachen zu konzentrieren. Ich mag das normale, ruhige Leben.

 

Was müssen wir unbedingt von Dir wissen, was Du uns allen bisher immer verschwiegen hast?

 

Oh. Ich habe keine Idee. Vielleicht, dass ich meine Hobbies meist nur zwei Wochen lang mache. (Grinst) Letztes Jahr habe ich es mal mit Golf probiert. Aber nachdem ich immer lange die Bälle suchen musste, hat es mir schnell keinen Spaß mehr gemacht. Dann habe ich es mit Segelfliegen probiert, aber nach einem kleinen Absturz auch schnell das Interesse verloren. Tja. Das, was ich gut kann, ist ein Motorrad zu bewegen. Also konzentriere ich mich lieber darauf.

 

Vielen Dank für Das Gespräch, Brad.

Das Gespräch führte Markus Kahl

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