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Die MotoGP Notizen aus Argentinien 2016

Rast mit Flügeln im Gepäck zum Sieg in Argentinien: Marc Marquez
Rast mit Flügeln im Gepäck zum Sieg in Argentinien: Marc Marquez. (© Repsol Honda MotoGP Team)

In der Nacht auf Sonntag um 1.32 Uhr kam die erste Nachricht. Die nächste um 15:14 Uhr. Dann noch eine um 19.25 Uhr und zu guter Letzt die letzte Nachricht um 20.02 Uhr. 58 Minuten vor dem Rennstart. Immer mit dem gleichen Inhalt: Den Reifen. Nach Bridgestone in Phillip Island 2013 hat nun auch der neue Reifenlieferant Michelin sein erstes „Reifendesaster“.

Es passierte im vierten freien Training am Samstag. Scott Redding fuhr auf der langen Geraden, als das Unheil seinen Lauf nahm. Urplötzlich wird die Ducati von ihm langsamer, Reifenteile fliegen durch die Luft. Redding kann die Maschine sicher an den Streckenrand befördern, doch der Hinterreifen ist völlig zerfetzt. Ein Reifenplatzer bei über 200 km/h? Mit Schrecken erinnert man sich in diesem Moment an Loris Baz, dem in der Trainingsphase im Winter ähnliches passiert war. Nur löste sich der Reifen seinerzeit nicht in Einzelteile auf, sondern platzte einfach in der Mitte durch. Diesmal also nur noch Einzelteile. Redding hat einen Schutzengel, dass ihm nicht mehr passiert. Nun gut, der Rücken des Briten sah im wahrsten Sinne des Wortes „geküsst aus“. Heftige Prellungen durch den Reifen, der auch vor dem Rücken keinen Halt gemacht hatte.


Nun also die große Diskussion im Anschluss, mit immer wieder revidierten Entscheidungen – und vielen neuen Updates bei den Nachrichten von Michelin und der Renndirektion. Erst soll ein ganz anderer Reifen, ein sogenannter Notfallreifen, zum Einsatz kommen, der die anderen beiden Mischungen für das Rennen ersetzen soll. Dann soll es dafür ein Zusatztraining geben, doch das wird wegen schlechten Wetters und Regen wieder kurzfristig abgeblasen. Am Ende einigt man sich auf die Formel: Verkürztes Rennen (20 statt 25 Runden), weiterhin freie Reifenwahl, dafür aber ein Motorradwechsel zur Hälfte des Rennens. Um es vorwegzunehmen: Mit den Reifen ging dann im Rennen alles gut. Doch die Fragen bleiben natürlich. Warum schon wieder ein Reifen Platzer? Warum zum zweiten Mal bei einer Ducati und keiner anderen Maschine? Und warum wieder bei einem der längsten und schwersten Fahrer im Feld? Es muss nichts miteinander zu tun haben, auffällig ist es jedoch schon.

Der Kampf um die Podestplätze zwischen Valentino Rossi, Maverick Vinales und Andrea Iannone.
Der Kampf um die Podestplätze zwischen Valentino Rossi, Maverick Vinales und Andrea Iannone. (© Movistar Yamaha MotoGP Team)

Neben dem Reifenchaos war es dann auch das Wetter was gehörig dazu beitrug, das Feld kräftig durcheinanderzuwirbeln. Erst war es am ersten Tag des Wochenende brutal heiß. Die Strecke war verschmutzt, hatte null Gripp. Dann wurde es von Tag zu Tag etwas kühler, bis dann am Rennsonntag der Regen wieder völlig neue Umstände mit sich brachte. Einer, dem das alles überhaupt nichts auszumachen schien war Marc Marquez. Wie schon in den Jahren zuvor scheint er auch 2016 auf dem amerikanischen Kontinent regelrecht aufzublühen. In allen Trainingseinheiten (bis auf das Erste) lag er klar an der Spitze. Und so startete er folgerichtig von der Pole Position aus ins Rennen. Und auch hier erlebte man den „alten“ Marquez, denn Starts gehören nicht zu den Stärken des Spaniers. Immerhin drei Runden brauchte der Honda Werkspilot um die Spitze zu übernehmen, um sie anschließend aber nicht mehr abzugeben.

Marc Marquez verliert erstmals in Argentinien den Halt.
Marc Marquez verliert erstmals in Argentinien den Halt: Auf dem Podium rutscht er aus. (© Repsol Honda MotoGP Team)

"Ich bin mit diesem Sieg sehr, sehr glücklich. Es ist ein spezieller Sieg für mich, nicht nur, weil es der erste in dieser Saison ist. Sondern er ist es auch wegen des Teams, denn wir haben die Situation heute besser als in Australien 2013 erledigt. Ich wusste, dass die erste Hälfte des Rennens sehr schwierig werden würde, denn es war noch ziemlich feucht an einigen Stellen. Außerdem habe ich mich mit dem zweiten Motorrad einfach besser gefühlt als mit dem ersten. Die zweite Hälfte des Rennens war der Schlüssel zum Sieg. Ich habe 100 Prozent in den ersten fünf Runden nach dem Motorradwechsel gepusht und konnte so die nötige Lücke herausfahren“.

(Marc Marquez)


Beeindruckend vor allem die Zeiten, nachdem Marquez seine Maschine in der elften Runde gewechselt hatte. Lag er zuvor nur knapp vor dem Pulk aus Valentino Rossi und den beiden Ducatis mit Andrea Iannone und Andrea Dovizioso, ließ er mit dem zweiten Bike regelrecht den Hammer fallen. Direkt in der Runde nach dem Wechsel die schnellste Rennrunde mit frischen Reifen rauszufahren, verdient schon einen fetten Applaus. Diese Zeit konnte Marquez anschließend halten und so konnten die Verfolger nur noch einen Auspuff von Marquez sehen, der vor ihnen kleiner und kleiner wurde. In sechs Runden fuhr er fast acht Sekunden Vorsprung raus, um es dann zum Ende hin ein klein wenig gemächlicher angehen zu lassen.

 

Die Leistung von Marquez ist auch deshalb so beeindrucken, weil er gegenüber fast allen Piloten einen schon fast dramatischen Einbruch bei den Spitzengeschwindigkeiten hatte. Schaut man auf den Top Speed im Rennen, liegt der Honda Fahrer mit einer durchschnittlichen Höchstgeschwindigkeit von 315,3 km/h weit abgeschlagen hinten dem Feld. Nur fünf Fahrer waren langsamer als er. Dann solche Zeiten rauszufahren zeigt, was für ein grandioser Fahrer er ist. Auch muss man sich folgendes ansehen: Nur Marquez war auf seiner Honda in der Lage um den Sieg zu fahren. Keine andere Honda war auch nur annähernd in der Lage um die Spitze mitzukämpfen – Teamkollege Dani Pedrosa einmal ausgenommen, der durch Glück noch einen Platz auf dem Podium erbte. Doch dazu später mehr. Ist Marc Marquez also wieder da und mittendrin im Titelkampf? Momentan sieht es so aus, denn jetzt folgt auch noch ein Rennen auf einer seiner Lieblingsstrecken – Austin in Texas steht vor der Tür. Eine Strecke, auf der er bislang jedes Rennen für sich entscheiden konnte. Doch es bleibt die Frage: Ist die Honda plötzlich so viel besser, die noch bei den Wintertests für so viele Probleme gesorgt hatte, oder ist es „nur“ Marquez, der einfach das letzte bisschen herausholt und die Probleme einfach wegfährt?

Für Jorge Lorenzo wird es nach dem Rennen einiges zu besprechen geben.
Für Jorge Lorenzo wird es nach dem Rennen einiges zu besprechen geben. (© Movistar Yamaha MotoGP Team)

Während Marquez also einen beeindruckenden Sieg einfuhr, hatte der Rest des Feldes teils böse zu kämpfen. Fast vierzig Prozent der Fahrer erreichten gar nicht das Ziel. Eine Folge der immer noch sehr schwierigen Streckenverhältnisse. War die Strecke mehr oder weniger zum Start der MotoGP abgetrocknet, waren an einigen tückischen Stellen jedoch noch einige große feuchte Stellen zu finden. Insbesondere Kurve eins sollte sich zum Friedhof der Stars entwickeln. Einer der ersten der sich verabschiedete war Jack Miller, der schon in Runde zwei rausrutschte. Nur drei Runden später erwischte es Jorge Lorenzo – an der gleichen Stelle. In Katar hatte der Weltmeister von 2015 noch geglänzt und einen grandiosen Sieg eingefahren. In Argentinien war davon nichts mehr zu sehen. Wie ein Häufchen Elend fuhr Lorenzo das ganze Wochenende über die Strecke. Platzierungen von 12 oder 14 in den ersten beiden Trainingseinheiten sind eigentlich keine Ergebnisse, die Lorenzo einfährt, selbst wenn es einmal nicht so läuft. Aber es war einfach ein völlig verwachstes Wochenende für den Yamaha Piloten. Null Vertrauen in die Strecke, null Vertrauen in die Maschine. Das Ergebnis davon konnte man dann ziemlich zügig im Rasen wiederfinden.

"Es war ein Wochenende zum vergessen. Wir hatten schon in den Trainingseinheiten Probleme. Letztendlich hatten wir auch einen guten Startplatz und Start. Aber mit diesen Bedingungen und den vielen feuchten Stellen war es alles andere als angenehm zu fahren. Ich denke, der Sturz war mein Fehler. Als Fahrer habe ich mich einfach nicht gut genug gefühlt, um in der Spitzengruppe mithalten zu können. Ich habe in der ersten Kurve dann den Fahler gemacht, indem ich zu weit rausgekommen bin. An der Stelle war es ziemlich nass und so habe ich dort das Vorderrad verloren und konnte nicht weiterfahren. Aber so ist Racing eben. Manchmal gewinnst du, manchmal verlierst du“.

(Jorge Lorenzo)

 

Nach dem Qualifying war bei Jorge Lorenzo die Welt noch in Ordnung.
Nach dem Qualifying war bei Jorge Lorenzo die Welt noch in Ordnung. (©Movistar Yamaha MotoGP Team)

Richtig bitter wurde es auch für Maverick Vinales. Der Mann vom Suzuki Werksteam fuhr in Argentinien das beste MotoGP Rennen seiner Karriere. In Barcelona 2015 war er zwar schon einmal von Platz zwei gestartet, doch im Rennen selbst schnell zurückgeworfen worden. Doch was der 21-jährige in Südamerika auf die Strecke zauberte, war wirklich beeindruckend. Von Startplatz sieben aus war er ins Rennen gegangen. Er erwischte einen perfekten Start und konnte sich direkt an die Spitzengruppe anheften. Schon nach Runde eins war er auf dem vierten Platz angekommen, den er mit kurzem Rückfall auf den fünften Rang halten konnte. Nach seinem Motorradwechsel zündete Vinales dann die Rakete. Denn plötzlich lag er auf Rang drei direkt hinter Valentino Rossi und Marc Marquez. Und ich bin mir ziemlich sicher: Es wäre nicht bei diesem dritten Platz geblieben. Vinales machte mächtig Druck auf Rossi, lag bis zum Ende keine halbe Sekunde hinter ihm. Doch dann passierte Vinales genau das, wie so vielen zuvor. Auf einem feuchten Stück der Strecke verlor sein Vorderrad die Haftung und der Spanier rutschte von der Strecke. Unfassbar bitter, hätte es so das sicher geglaubte Podium werden können.

Viel hat nicht gefehlt und Maverick Vinales wäre mit seiner Suzuki erstmals auf dem Podium gelandet.
Viel hat nicht gefehlt und Maverick Vinales wäre mit seiner Suzuki erstmals auf dem Podium gelandet. (© Suzuki Team Ecstar)

Tja und dann waren da noch die Ducati. Was soll man dazu sagen. Wenn es die goldene Himbeere für den (Verzeihung) dämlichsten Fahrer des Rennens geben würde, Andrea Iannone wäre in Argentinien der sichere Anwärter darauf gewesen. Marc Marquez war weg – das haben wir bereits gehört. Aber die beiden Ducati mit Andrea Iannone und Andrea Dovizioso kämpften gemeinsam mit Valentino Rossi und Maverick Vinales um die Plätze hinter Marquez. Nachdem Vinales ausgeschieden war, oblag es also den Ducati Piloten, sich den Platz an der Sonne zu erkämpfen. Und es sah gut aus. Sehr gut sogar. Dovizioso schob sich in der vorletzten Runde an Rossi vorbei, ebenso Iannone. Beide Ducati auf dem Weg zu Platz zwei und drei. Rossi hatte der roten Power nichts entgegenzusetzen. Dann geht es in die letzte Runde. Nur noch drei Kurven zu fahren. Alles scheint klar, als sich Iannone zu einem Manöver entschließt, das beide Ducati aus dem Rennen schießt. In der Kurve bremst er (laut seiner Aussage) wie immer, doch er geht zu weit. Das Vorderrad verliert die Haftung und er holzt den Teamkollegen beim Sturz mit von der Strecke. Für mich sah es so aus, als ob er mit Gewalt noch an Dovizioso vorbei wollte. Und das ging schief. Valentino Rossi sagte danke, genauso wie Danni Pedrosa, die beide die Plätze zwei und drei erbten. Dovizioso war jedoch willens, das Rennen ordentlich zu Ende zu bringen und so schob er sein nicht mehr fahrtüchtiges Bike über die Ziellinie. Durch die vielen Ausfälle holte er so noch als 13er drei Punkte. Etwas Trost wenigstens.

Stefan Bradl mit Aprilia in der MotoGP 2016 in Argentinien.
Smile. Stefan Bradl ist einfach happy mit seinem Ergebnis in Argentinien. (©Aprilia Racing Team Gresini)

„Das ist wirklich ein super Ergebnis für mich, für das gesamte Team und für Aprilia. Es war ein unglaublich schwieriges Rennen, was schon am Start mit erheblichen Problemen begann. Meinen ersten Stint bin ich dennoch recht passabel mit einer ansprechenden Pace zu Ende gefahren. Die Strategie den Boxenstopp früh zu machen, hat sich wirklich ausgezahlt. Es war vom Timing her perfekt. Nach dem Motorradwechsel war meine Pace zunächst erneut stark, was der Schlüssel war, dass ich den Abstand nach hinten absichern konnte. Die größte Schwierigkeit war heute, dass man fehlerfrei über die Runden kam. Wie man gesehen hat, sind einige Leute gestürzt. Dieses Resultat ist enorm wichtig für mich und meine Jungs sowie auch für das Werk".

(Stefan Bradl)


Und dann wäre in der MotoGP noch Stefan Bradl zu erwähnen. Nach einem schwierigen Auftakt in Katar, mit letzten und vorletzten Plätzen im Training, war nach einem Sturz das Rennen für ihn vorzeitig beendet. Auch in Argentinien ging das Wochenende für ihn nicht optimal los. Wieder nur hintere Trainingsplätze. Doch im Qualifying war ein erster deutlicher positiver Schritt erkennbar. Startplatz 16, den Teamkollegen vier Plätze hinter sich gelassen. Bradl fuhr anschließend ein grundsolides Rennen und er tat vor allem eins, was vielen an diesem Tag nicht gelang: Er blieb auf seiner Maschine sitzen. Das Glück des Fleißigen wurde an diesem Renntag belohnt, denn mit Platz sieben erzielte er das beste Ergebnis seit Platz vier in Malaysia 2014, damals noch auf einer Honda bei LCR. Bravo Stefan, sagen wir da an dieser Stelle einmal. Hoffen wir, dass dieses Ergebnis Flügel für das Rennen in Texas verleiht.

Nur zwei Fahrer hatten dieses Bild nicht von Jonas Folger. Dritter Platz in der Moto2 in Argentinien für den IntactGP Piloten.
Nur zwei Fahrer hatten dieses Bild nicht von Jonas Folger. Dritter Platz in der Moto2 in Argentinien für den IntactGP Piloten. (© IntactGP)

Im Gegensatz zur MotoGP war die mittlere Klasse, die Moto2, ein reines Entspannungs- und Wellnessrennen. Gerade einmal zwei Ausfälle im gesamten Rennen und ein Feld an der Spitze, das sich ziemlich zügig sortierte. Jonas Folger wollte seinen Fehler auf Katar unbedingt ausmerzen – und mit dieser Strategie begann er auch sein Rennen. Starker Beginn von Folger mit direkter Führung. Doch die hielt nur zwei Runden, dann übernahm Sam Lowes die Spitzenposition. Folger fiel nach runde sieben auf Platz drei und kurz danach bis auf Rang vier zurück. In der Folge kämpfte eine Viererbande von Johann Zarco, Sam Lowes, Jonas Folger und Franco Morbidelli um den Sieg. Der Rest des Feldes hatte mit den Plätzen auf dem Podest nichts zu tun. Zum Glück des Tüchtigen gehört in manchen Momenten, einfach abwarten zu können. So musste Folger gar nicht mehr zu waghalsigen Manövern greifen, denn sein direkt vor ihm fahrender Konkurrent Morbidelli legte sich drei Runden vor dem Ende um, so dass Folger hinter Lowes und Sieger Zarco entspannt als dritter über die Ziellinie fahren konnte.

 

Weniger erfolgreich lief es für die anderen beiden deutschen Starter. Sandro Cortese purzelte elf Runden vor dem Ende von der Strecke. Ein Rutscher auf feuchter Stelle und schon war das Rennen beendet. Nach dem Ärger um die Zeitstrafe zum Auftakt in Katar (wegen Frühstarts) nun schon das zweite wenig zufriedenstellende Resultat. Als „ganz OK“ bezeichnete dagegen Marcel Schrötter seinen elften Platz. Von Rang 16 aus losgefahren kam Schrötter recht schnell an die Top 10 heran, lag zwischenzeitlich sogar auf Position neun. Doch die schwierigen Streckenbedingungen und mehrere kleine Fehler ließen am Ende keine bessere Platzierung zu. Trotzdem: Zweites Rennen mit dem neuen Team und die ersten fünf Punkte sind unter Dach und Fach. Darauf lässt sich aufbauen.

Adam Norrodin in der Moto3 2016 in Argentinien für das SIC Racing Team
Malaysia 1: Adam Norrodin muss nach seinem Sturz in der letzten Kurve sein Bike über die Ziellinie schieben (© Dorna)
Malaysia 2: Der totale Überraschungssieger der Moto3 in Argentinien. Khairul Idham Pawi gewinnt und niemand weiß, wie er das gemacht hat
Malaysia 2: Der totale Überraschungssieger der Moto3 in Argentinien. Khairul Idham Pawi gewinnt und niemand weiß, wie er das gemacht hat (© Dorna)

Und dann war da noch die kleinste Klasse der WM. Die musste unter den schwierigsten Bedingungen von allen als erste an den Start. Hier war die Strecke noch richtig feucht und so wurde das Rennen offiziell auch als „Wet-Race“ ausgegeben. Doch bis auf einen Fahrer (Livio Loi) gingen alle Bikes mit Slicks an den Start. Denn: Es regnete nicht mehr und die Strecke sollte im Rennen von Runde zu Runde trockener werden. Der Mut, auf weiteren Regen zu setzen, so wie es Loi mit Regenreifen tat, sollte sich nicht auszahlen. Loi wurde 16er.

 

Das Rennen in der Moto3 sollte trotzdem noch ein ganz besonderes werden. Denn es wurde zum Tag der Fahrer aus Malaysia. Fangen wir mit dem Unglücksraben des Tages an. Adam Norrodin heißt er, 17 Jahre alt und gerade erst beim SIC Racing Team in die WM eingestiegen. Es hätte sein großer Tag werden können. In der letzten Runde liegt er auf einem sicheren Podestplatz auf Rang drei, in direktem Kampf Rad an Rad mit Jorge Navarro. In der vorletzten Kurve bremst er sich an Navarro vorbei und setzt sich auf Rang zwei. Nur noch eine Kurve und direkt danach über die Ziellinie, dann ist es geschafft. Doch der 17jährige macht einen für mich nicht erkennbaren Fehler. Vermutlich bremst er zu hart, auf jeden Fall kommt sein Bike plötzlich ins Schlingern, Norrodin hebt ab und stürzt. Navarro kann den zweiten Platz einfahren. Der Malaie kämpft jedoch weiter, hebt sein Bike auf und rennt mit ihm die letzten Meter schiebend über die Ziellinie. So kann er noch einen elften Platz „erlaufen“. Unglücklicher kann man aber ein Rennen kaum beenden, aber auch kaum mit einem größeren Kämpferherz.

 

Es sollte jedoch ein anderer Malaie an diesem Tag einen noch dickeren Eintrag ins Geschichtsbuch machen. Khairul Idham Pawi ist der Sieger von Argentinien. Als jüngster Nichteuropäer ist ihm ein Eintrag in die Historie bereits sicher. Doch was der junge Mann in seinem zweiten WM Rennen ablieferte, war mit Worten nicht zu beschreiben. Während alle Fahrer in den ersten Runden und auch danach eher auf Sicherheit bedacht waren um nicht zu stürzen, kannte Pawie nur eine Bewegung: Den Zug am Gasgriff. Von Platz sieben aus ins Rennen gegangen lag Pawi bereits nach der ersten Runde auf Platz eins mit fast einer Sekunde Vorsprung auf den Zweitplatzierten. Nach drei Runden hatte Pawi bereits fünf Sekunden Vorsprung, nach fünf Runden waren es über 12 Sekunden und nach der Hälfte des Rennens führte er mit 20 Sekunden Vorsprung.

 

Seine Crew stand in jeder Runde am Streckenrand und machte Gesten, Pawie möge doch ob des großen Vorsprungs und der nach wie vor feuchten Piste etwas langsamer machen. Doch der Rookie dachte gar nicht daran und siegte schlussendlich mit über 25 Sekunden Vorsprung vor Jorge Navarro und Brad Binder. Ein wahrhaft unglaublicher Sieg. Man muss lange in den Aufzeichnungen zurückblättern um einen Erfolg in der Moto3 zu finden, der mit so großem Vorsprung ausgefallen ist. Khairul Idham Pawi, ein Name, den man sich merken muss.

(Markus Kahl)

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