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Die MotoGP Notizen aus Austin 2016

MotoGP 2016 in Austin. Die Sieger Marc Marquez, Jorge Lorenzo und Andrea Iannone
Jiha. Mit Ihren Pferden ritten sie als schnellste ins Ziel in Austin: Jorge Lorenzo (2), Marc Marquez (1) und Andrea Iannone (3) v.l.nr. (© Dorna)

Er hat es tatsächlich wieder getan. Das Baby Alien ist wieder in Amerika gelandet und hat seine Fahne in den Boden gerammt. Austin bleibt auch 2016 Marquez Land. In unnachahmlicher Weise dominierte der Repsol Honda Pilot Marc Marquez das MotoGP Rennen in Austin, Texas. Nur wenige Kurven führte im Rennen ein anderer Pilot das Feld an. Doch dann übernahm Marquez die Position an der Spitze, die er bis zum Ende nicht mehr hergab. Stark, stärker Marquez. So muss man nach zwei von drei Rennen der Saison 2016 die Kräfteverhältnisse in der MotoGP beschreiben.

 

Wer über die Stärke von Marquez spricht, muss aber gleichzeitig auch wieder über die Reifen sprechen. Seit 2016 heißt der Reifenlieferant Michelin und hinter vorgehaltener Hand wird kräftig geknurrt. Die Probleme waren eine Woche zuvor in Argentinien noch eklatant, als das Rennen aufgrund eines Reifenschadens von Scott Redding im Training massiv umgebaut werden musste. Erst sollte eine andere Reifenmischung für alle Fahrer im Rennen eingesetzt werden, letztendlich wurde es dann ein Flag-to Flag Rennen, in dem nach der Hälfte der Rennzeit das Motorrad auf frische Reifen gewechselt werden musste.

 

Dieses Reifenchaos konnte man (zum Glück) in Austin nicht erleben. Mit ein Grund: Es war nicht so heiß. Auffällig war nämlich bei beiden schweren Reifenschäden (Loris Baz im Wintertraining und eben Scott Redding in Argentinien): Sie passierten beide auf einer Ducati und sie passierten bei Fahrern, die die längsten und schwersten im Feld sind. Hinzu kam in Argentinien, dass das Fenster für eine optimale Funktionsfähigkeit der Michelin Reifen weit außerhalb lag. Denn auch andere Fahrer (wie z.B. Stefan Bradl) klagten über Schwierigkeiten mit den Reifen, die sich aufgrund der Wärmeentwicklung im Rennen negativ auswirkten. Man kann also mitnehmen: Zu viel Gewicht (durch Fahrer), evtl. zu viel Power (durch die Ducati Motoren) gepaart mit zu viel Wärme (wie in Argentinien) sind in dieser Kombination ein explosives Gemisch für Michelin.

 

Obwohl also in Texas die chaotischen Zustände ausblieben, stand der Reifen im Rennen trotzdem im Mittelpunkt. Denn: Mehrere Fahrer flogen von der Strecke ab – zum Glück ohne schwerwiegende Folgen. Schon in der zweiten Runde erwischte es Valentino Rossi. In Kurve zwei verlor der Vorderreifen die Haftung und Rossi landete im Kies. Das erste Mal seit 25 Rennen, dass der „Doctor“ ein Rennen nicht in den Top fünf beenden konnte.

Valentino Rossi beim MotoGP Rennen 2016 in Austin
Kein gutes Pflaster 2016: Valentino Rossi scheidet nach einem Sturz vorzeitig in Austin aus. (© Movistar Yamaha MotoGP Team)

„Es ist so schade, denn am Anfang des Rennens habe ich gleich die Kupplung überhitzt. Ich war zwar dritter, aber die Kupplung ist richtig gerutscht beim Schalten. Also musste ich langsam machen um die Kupplung etwas zu schonen. So verlor ich natürlich Zeit und Positionen. Trotzdem war ich nicht weit weg von der Spitze. Die Maschine fühlte sich gut an. Als ich das Gefühl hatte, die Kupplung erholt sich langsam, kam Kurve zwei. Ich hatte nicht den Eindruck, zu schnell zu sein, aber wie man am Ergebnis sieht, war es das wohl doch. Es ist einfach schade, es wäre mit Sicherheit ein gutes Rennen für uns geworden“.

(Valentino Rossi)


Aber auch andere Fahrer hatten mit Stürzen zu kämpfen. Zur Szene des Rennens kam es in Runde sieben. Bei der Einfahrt in Kurve eins klappte Dani Pedrosa das Vorderrad ein. Er rutschte von der Strecke und dabei unglücklich in das Bike von Andrea Dovizioso, der just in diesem Moment eine etwas zu weite Linie in der Kurve gewählt hatte. Beide Piloten somit raus aus dem Rennen, wobei Pedrosa kurz danach sein Rennen wieder aufnahm, seine Maschine aber zehn Runden vor Schluss aufgrund der Schäden doch abstellen musste. Für Ducati Pilot Dovizioso hätte es unglücklicher nicht laufen können, war er nun schon zum zweiten Mal hintereinander ohne Eigenverschulden von der Strecke katapultiert worden. In Argentinien hatte ihn Teamkollege Iannone in der letzten Kurve vor der Zielflagge abgeräumt, jetzt passierte das gleiche Missgeschick wieder – diesmal jedoch mit Pedrosa.

 

Der Honda Pilot war es auch, der in diesem unglücklichen Moment ganz großen Sportsgeist bewies. Sein erster Weg nach dem Sturz ging nicht etwa zur eigenen Maschine, sondern er rannte zuerst zu Andrea Dovizioso um zu schauen, ob es ihm gut geht und um sich gleichzeitig bei ihm zu entschuldigen. Das führte Pedrosa fort, indem er nach dem vorzeitigen Ende seines Rennens auf direktem Weg in die Garage von Ducati einbog, um sich mit Dovizioso auszusprechen und sich erneut zu entschuldigen. Eine ganz große Geste des kleinen Spaniers, vor dem wir unseren Hut ziehen und uns tief verneigen. Das sind die kleinen Gesten, die gut und wichtig für ein sportliches miteinander sind und an dem sich alle orientieren sollten. So geht fairer Sport.

Dani Pedrosa und Andrea Dovizioso nach einem Zusammenstoß beim Rennen der MotoGP in Austin
Die Szene des Rennens. Dani Pedrosa eilt nach einem Zusammenstoß mit Sturz zu Andrea Dovizioso (© Repsol Honda MotoGP Team)

 

Es war insgesamt ein ziemlich schwieriges Wochenende. Die Trainings liefen jetzt nicht wirklich gut, aber ich hatte Zuversicht für das Rennen. Der Start verlief auch gut, ich konnte Positionen gut machen und ich hätte sicher auch mit Lorenzo kämpfen können. Leider passierte dann das Missgeschick in Kurve eins, als ich beim Anbremsen das Vorderrad verloren habe. Es ist schade, das Rennen auf diese Wiese zu beenden. Vor allem tut es mir auch für Andre (Dovizioso) leid. Ich bin aber froh, das es ihm gut geht“.

 

(Dani Pedrosa)

 


So nahm das Rennen an der Spitze anschließend seinen Lauf. Marc Marquez fuhr einsam und alleine an der Spitze seine Runden. Stück für Stück wuchs der Abstand auf die Verfolger bis auf über acht Sekunden an. Zuerst mühten sich Andrea Dovizioso und Jorge Lorenzo um Anschluss an Marquez, ab Runde sieben dann Lorenzo und Andrea Iannone. An dieser Reihenfolge sollte sich bis ins Ziel nichts mehr ändern. Zu groß war der Abstand zwischen den Plätzen eins, zwei und drei, als das dort noch wirklich Spannung aufkommen sollte.

 

Ein wieder einmal tadelloses Rennen fuhr Stefan Bradl. Von Platz 16 aus war der Bayer ins Rennen gegangen. Bradl erwischte einen schwachen Start, kämpfte sich aber Runde für Runde in den Positionen nach vorne. Durch die vielen Stürze vor ihm erbte er zwar den einen oder anderen Platz, aber im Gegensatz zu anderen Piloten blieb Bradl auch in Austin sitzen und erreichte mit Platz zehn sein zweites Top 10 Ergebnis hintereinander.

 

Spannend wurde es auch noch einmal um die Plätze vier und fünf, um die sich die beiden Suzuki Piloten zankten. Bis zur zehnten Runde lag Aleix Espargaro vor seinem Teamkollegen Maverick Vinales, doch dann zog der Junior am älteren vorbei. An dieser Reihenfolge sollte sich bis ins Ziel nichts mehr ändern. Vinales als vierter und Espargaro als fünfter – Resultate, nicht weit weg von der Spitze. Ein Ergebnis, die die Suzuki immer näher ans Podium bringt.

Stefan Bradl in der MotoGP 2016 in Austin
Ein rundherum gelungenes Wochenende für Stefan Bradl. Mit seiner Aprilia fährt er in Austin in die Top 10. (© Aprilia Racing Team Gresini)

„Ich bin sehr zufrieden und freue mich natürlich über das zweite Top-Ergebnis innerhalb einer Woche. Das Rennen war gut, allerdings war der Start eine Katastrophe. Wie schon in Argentinien hatte ich auch heute wieder Probleme mit der Kupplung. Nach dem verpatzten Start wollte ich nichts überstürzen und ich bin daher die Sache etwas gelassener angegangen. Ich habe mir eingeredet ruhig zu bleiben, da es sowieso eine lange Distanz ist. Das ist mir gut gelungen sowie ich auch zügig meine Pace fand. Später bin ich hinter den Ducati’s von Barbera und Pirro festgehangen. Alles zusammen stimmt mich das Wochenende sehr zuversichtlich für die Zukunft“.

(Stefan Bradl)


Ein sechstel der Saison ist nach den Überseerennen schon absolviert. Wie schon im letzten Jahr war es in Argentinien und Austin vor allem Marc Marquez, der dominierte. Während er 2015 in Argentinien noch gestürzt war, konnte er 2016 beide Rennen gewinnen. Amerika ist Marquez Land, daran gibt es keine Zweifel. Aber Zweifel, ob die Honda wirklich so läuft, wie sie sollte, die kann und darf man haben. Denn schaut man sich die Resultate an, ist nach der Honda mit Marquez nur eine große klaffende Lücke zum Rest zu sehen. In Qatar waren es Marquez und Pedrosa auf den Rängen drei und fünf, die nächste Honda folgte erst auf Platz 14 mit Jack Miller. Ähnlich das Bild in Argentinien. Marquez auf eins, Pedrosa mit geerbtem Platz drei, genauso wie Tito Rabat auf Rang neun. In Austin jetzt Marquez auf eins und wieder Rabat als nächster Honda Fahrer auf Rang 13. Außer Marquez scheint keiner die Honda momentan richtig bändigen zu können. Es wird mehr als spannend, wie die Entwicklung dann jetzt zum Start in die Europarennen (in Jerez am 24. April) weitergeht. Marquez kommt jedenfalls mit einem Punktepolster von 21 Zählern Vorsprung zurück in heimische Gefilde. Das hätte man zu Beginn der Saison nicht unbedingt erwarten können.

Marcel Schrötter in der Moto2 2016 in Austin
Konnte sich über die erste Top 10 Platzierung im neuen Team freuen: Marcel Schrötter (© AGR Team)

Als die Startampel auf grün schaltete, war es Dominique Aegerter, der in der Moto2 die Spitze übernehmen konnte. Doch diese Führungsmeter dauerten nicht lange, bevor Alex Rins sich am Schweizer vorbei fuhr. Ihm dicht auf den Fersen: Alex Lowes. Der Gresini Pilot war es dann bis zum Ende des Rennens, der sich mit Rins einen harten Fight um den Sieg lieferte. Allerdings ohne wirkliche Chance auf den Sieg. Lowes lag zwar immer dicht hinter Rins, doch der Spanier hatte in Führung liegend keine Probleme, diese bis ins Ziel zu verteidigen – auch wenn Lowes zeitlich in Schlagdistanz war.

 

Deutlich spannender ging es bei der Vergabe des letzten Podiumsplatzes zu. Erst war es Johann Zarco, der auf Platz drei fuhr. Doch die Verfolgergruppe lag mit fünf Fahrern (Zarco, Tom Lüthi, Aegerter und Jonas Folger) innerhalb einer Sekunde. Der kleinste Fehler führte zu einem Platzverlust. Und so kam es in der Folge zu einigen Wechseln auf der dritten Position. Nach Zarco übernahm Aegerter wieder kurz den dritten Rang, ihm folgte Lüthi, bevor dann fünf Runden vor dem Ende wieder Zarco auf Platz war und blieb.

 

Jonas Folger belegte einen sehr ordentlichen fünften Platz. Nach einem kleinen Fehler zu Beginn war er ein Stück zurückgefallen. Diese Lücke zur Spitze konnte er im Laufe des Rennens nicht mehr schließen, ein Angriff auf das Podium war an diesem Tag nicht drin. Marcel Schrötter konnte sein Ergebnis gegenüber Argentinien noch um einen Platz steigern. Der Pilot vom AGR Team landete zufrieden auf dem zehnten Platz. Ein versöhnliches Ende nahm das Rennen in Austin auch für Sandro Cortese. Nach dem Strafenchaos in Qatar und dem Ausfall in Argentinien landete Cortese diesmal auf Platz 12 in den Punkten.

Jorge Navarro, Romano Fenati und Brad Binder auf dem Podium der Moto3 2016 in Austin
Jorge Navarro (2), Romano Fenati (1) und Brad Binder auf dem Podium der Moto3 in Austin. (© Dorna)

Das Rennen der Moto3 ging mit einer kleinen Verspätung los, da erst noch eine Ölspur auf der Strecke entfernt werden musste. Danach startete das Rennen mit einem ganz neuen Gesicht von Platz eins. Philipp Oettl hatte am Tag zuvor die Gunst der Stunde nutzen können und war bei schwierigen Wetterverhältnissen die schnellste Runde gefahren. Doch der Platz an der Spitze hielt nicht einmal eine Kurve, dann hatte sich bereits Jorge Navarro an den Kopf des Feldes gesetzt. In der zweiten Runde musste Oettl auch Romano Fenati an sich vorbei ziehen lassen. Fenati und Navarro waren dann die Fahrer, die den Sieg unter sich ausmachen sollten. Sah Navarro zu Beginn schon fast wie der sichere Sieger aus, war es dann doch Fenati, der in beeindruckender Weise einen Rückstand egalisierte, am Estrella Galicia Piloten vorbeizog und anschließend selbst mit ordentlichem sechs Sekunden Vorsprung das Rennen vor Navarro gewann.

 

Dramatisch wurde es anschließend im Kampf um Platz drei. Philipp Oettl hatte diesen acht Runden lang inne. Doch hinter ihm kam Fabio Quartararo vom Leopard Racing Team immer näher an Oettl heran. In Runde elf war es dann soweit, der Franzose zog am Deutschen vorbei. Alles sah so aus, also ob Quartararo diesen Platz bis ins Ziel bringen könnte, doch drei Runden vor dem Ende ging seine Gangschaltung kaputt. Er rettete sich als 13er noch mit drei Punkten ins Ziel – trotzdem unfassbar frustrierend. Somit „erbte“ Oettl wieder den dritten Platz. Doch wieder kam ein anderer Fahrer von hinten, der Oettl noch überholen konnte. Brad Binder zog an Oettl in der letzten Runde vorbei. Es war ein leichtes für den Südafrikaner, denn der Hinterreifen von Oettl hatte bereits massiv abgebaut, so dass der Angriff ohne Gegenwehr ablaufen konnte. Romano Fenati gewinnt somit vor Jorge Navarro und Brad Binder das Rennen in Austin, Philipp Oettl wird vierter.

(Markus Kahl)

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